Ein Euro im Winter, 1,90 Euro im Sommer - viele Leser halten das noch immer für zu wenig

Taler für den Tierpark: Wie viel Eintritt ist okay?

Von Karolin Aertel

Der Staßfurter Tiergarten ist beliebt und muss unterstützt werden, dafür sind die Besucher bereit, etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Das ergab eine nicht repräsentative Umfrage der Volksstimme-Redaktion.

Staßfurt l 130 000 Euro benötigt der Staßfurter Tiergarten von der Stadt Staßfurt. Das sind 30 000 Euro mehr als in den Vorjahren. Darüber wurde jüngst der Kulturausschuss in seiner Sitzung informiert.

Gerhard Wiest (Linke/offene Liste) regte an, die benötigte Summe aus Eintrittsgeldern zu generieren. Einen Euro hielte er für zu wenig.

Bianka Ziem, Leiterin des Tiergartens, wies gestern darauf hin, dass nur in den Wintermonaten der Eintritt ein Euro beträgt. In den Sommermonaten wird er bereits auf 1,90 Euro für Erwachsene und 1,50 Euro für Kinder angehoben.

"Der Tiergarten ist das Tortenstück von Staßfurt."

Marga Traber aus Hecklingen

Die Volksstimme fragte gestern ihre Leser: "Halten sie die Eintrittspreise für angemessen? Wären sie bereit mehr Geld zu bezahlen?" Claudia Ostwald aus Güsten hat bereits bemerkt, dass der Tiergarten die Preise erhöht hat. "Ich bin oft mit meinem Kind im Tiergarten. Im Sommer mindestens zweimal im Monat", erzählt sie. Dass die Preise im Sommer angehoben werden, finde sie okay, sagt sie. "Im Vergleich zu Bernburg oder Aschersleben sind wir immer noch günstig." Doch mehr als zwei Euro pro Person zu zahlen, fände sie dann doch zu viel. "Wenn, dann müsste man die Eintrittspreise staffeln", sagt sie.

Marga Traber aus Hecklingen sagt, von einem Euro Eintritt könne doch keiner mehr leben. Auch 1,90 Euro für Erwachsene und 1,50 Euro für Kinder hält sie für sehr günstig. "Der Tiergarten ist das Tortenstück von Staßfurt. Der ist seinen Preis Wert; gern auch einen höheren."

Wolfgang Linke aus Neundorf schrieb in einer e-Mail: "Meine Frau und ich besuchen den Staßfurter Tiergarten seit Jahren, auch mit auswärtigen Gästen, und sind seit jeher der Meinung, dass mit einem Euro Eintrittsgeld eine solche Anlage gar nicht unterhalten werden kann. Wenn man bedenkt, dass große Zoos wie Berlin oder Leipzig das Zehnfache und mehr kassieren (natürlich haben die auch andere Dimensionen und große Bedeutung als Forschungs- und Zuchteinrichtungen, aber auch höhere Besucherzahlen), so hielten wir zwei Euro durchaus für angemessen und würden sie auch gern bezahlen. Bei Kindern und Rentnern oder Schwerbehinderten könnte man ja eine Ermäßigung gewähren. Ich denke, dass viele Tiergartenfreunde diese Meinung teilen werden, und glaube nicht, dass die Besucherzahlen dadurch wesentlich sinken würden."

Zwei Euro Eintritt halten Edith und Harald Dobräuer aus Groß Rosenburg immer noch für sehr günstig. "Wir kommen sehr gern nach Staßfurt; sogar unsere Tochter aus Nordrhein Westfalen ist immer sehr begeistert. Wir finden, dass zwischen Sommer und Winter kein Unterschied gemacht werden sollte. Wir haben uns schon immer gefragt, wie der Tiergarten es schafft, mit diesen Preisen zu überleben."

"Die Tiere brauchen doch auch im Winter ihr Fressen und müssen gepflegt werden."

Marianne Wiehold aus Calbe

Ganzjährig zwei Euro Eintritt zu zahlen, findet Marianne Wiehold Calbe keinesfalls unverschämt. Ganz im Gegenteil: "Die Tiere brauchen doch auch im Winter ihr Fressen und müssen gepflegt werden. Ich kenne keinen anderen Zoo, der zwischen Sommer- und Winterpreisen unterscheidet. Ein Euro Eintritt ist im Winter wirklich zu wenig".

Werner Stietzel aus Schönebeck kommt immer wieder mal nach Staßfurt. "Der Tiergarten ist sehr schön - immer gepflegt und es gibt viel zu sehen", sagt er. Dass im Winter sicher weniger Besucher kommen, kann er sich gut vorstellen. Dennoch denke er, dass die, die kommen, auch mehr als nur einen Euro zahlen würden. "Den Preis zu erhöhen, ist gerechtfertigt", meint er.

Als "Lachnummer" bezeichnet Uwe Kuplich aus Üllnitz den Eintrittspreis. "Wenn ich nach Magdeburg fahre, zahle ich 24 Euro für zwei Erwachsen und zwei Kinder. Sicher ist das Angebot eine andere Dimension. Aber der Tiergarten hat, wie ich finde, mehr zu bieten, als man für einen Euro erwarten dürfte." Drei Euro seien seiner Meinung nach nicht unverschämt. Das Geld von der Stadt würde er ablehnen: "Es wäre für den Tiergarten besser, wenn er finanziell unabhängig ist."

Helga Stolte aus Hohenerxleben ist gegen eine weitere Erhöhung der Preise: "Ich finde die Politiker sollten lieber etwas Geld von ihrem Vermögen abgeben, als so etwas immer auf dem Rücken der kleinen Leute auszutragen. Alles Preise steigen. Wohin soll das noch führen?"

"Lässt sich alles mit : ¿wir haben kein Geld, die Kassen sind leer\' entschuldigen?"

Wolfgang Grüneberg aus Brumby

Wolfgang Grüneberg aus Brumby fragt sich: "Ist das wirklich die einzige Idee, die unsere Abgeordnete noch haben - Preise erhöhen und gut. Und das noch von einem der Linken/offene Liste. Warum hat er sich nicht gegen die seit 2004 von 180 000 Euro auf jetzt 100 000 Euro Abschmelzung eingesetzt?" Wolfgang Grüneberg fragt sich: "Lässt sich alles mit ¿wir haben kein Geld, die Kassen sind leer\' entschuldigen? Wird dabei auch an die vielen, die sich diese Eintrittspreise jetzt vielleicht gerade leisten können, um mit ihren Kindern den Tierpark zu besuchen, gedacht? Ich finde diesen Vorschlag einfach nur einfallslos." Die Gelder, die für die Änderungen der Postleitzahlen und Straßennamen in die Hand genommen wurden, siehe Wolfgang Grüneberg für den Tierpark sinnvoller eingesetzt. "Aber das verlangt ja Diskussionen und Durchsetzungsvermögen, was wir Bürger bei vielen Abgeordnenten vermissen, nachdem sie gewählt worden sind."

Hans-Jürgen Stephan aus Gnadau kommt manchmal sogar zwei- bis dreimal im Monat mit seinem Enkelkind nach Staßfurt. "Der Tiergarten ist wirklich sehr schön. Er ist immer gepflegt, die Menschen dort sind freundlich, die Preise der Gastronomie sind mehr als fair und auch für das Parken bezahlt man nichts." Er sehe daher keinen Grund, die Preise nicht anzuheben. Zwei Euro sind immer noch sehr preiswert. "Dass der Eintritt im Winter weniger kostet, find ich okay. Schließlich sind viele Tiere aufgrund ihres Winterschlafes oder der Kälte nicht zu sehen. Dafür kann der Preis im Sommer ruhig höher sein."

Hubert Buhle aus Calbe meint auch, dass der Eintritt in den Tiergarten noch immer viel zu günstig ist: "Wer daran Anstoß nimmt, sollte lieber draußen bleiben", sagt er. Schließlich zahlen die Leute sechs Euro für Zigaretten und bei zwei Euro Eintritt machen sie Theater. "Man sollte mal abwägen, was man dafür geboten bekommt."

Das sieht auch Margarete Adler aus Neundorf so. "Ich bin nun schon 96 Jahre alt und gehe noch immer gern dorthin; vor allem wenn ich Besuch habe. Es waren bisher immer alle begeistert und haben sich gefragt, wie der Tiergarten bei den günstigen Preisen überleben kann."

"Wir würden auch 2,50 Euro bezahlen."

Elke und Werner Görke aus Güsten

Elke und Werner Görke aus Güsten halten es ebenfalls für gerechtfertigt, noch ein bischen an der Preisschraube zu drehen. "Die Mitarbeiter geben sich so viel Mühe. Es gibt einiges zu sehen und für die Kinder ist es ein wahres Paradies", sagt Werner Görke, der den Tiergarten schon als Kind besucht hat. Er könne nicht verstehen, warum der Eintritt im Winter nur einen Euro beträgt. "Die Tiere brauchen doch trotzdem Futter und Pflege. Wir würden auch 2,50 Euro bezahlen."

2,50 Euro, und zwar ganzjährig, das würde auch Birgit Stenner aus Schönebeck ausgeben. Obwohl sie drei Kinder hat, ist sie der Meinung, dass der Preis gerechtfertigt ist. "Tierarzt, Futter, Streu - das kostet doch alles Geld", sagt sie. "Wir zahlen drei bis zehn Euro für anderthalb Stunden Schwimmbad - aber für einen ganzen Tag im Tierpark, wird bei ein bis zwei Euro um jeden Cent gefeilscht."

Christa Rautenberg und ihre Tochter Sabine Schöne aus Hohenerxleben sind ebenfalls bereit einen höheren Eintrittspreis zu bezahlen. "Hauptsache der Tierpark bleibt erhalten", sind sie sich einig.