Corona-Schnelltest

Testen auf Rädern

Bürger können sich jetzt vor der Haustür auf das Corona-Virus testen lassen. Eine rollende Prüfstation hat gestern in Staßfurt ihre Zelte aufgeschlagen. Am Montag waren Güsten, Rathmannsdorf und Hecklingen dran. Wie kommt das an und wie zustande? Die Volksstimme hat sich in Hecklingen umgehört.

Von Nora Stuhr
Auf dem Parkplatz  eines  Supermarktes in Hecklingen lässt sich Ingolf Auer spontan  auf einen Test ein. Das kostet nichts, bringt Sicherheit und kann  mit einem Einkauf verbunden werden.
Auf dem Parkplatz eines Supermarktes in Hecklingen lässt sich Ingolf Auer spontan auf einen Test ein. Das kostet nichts, bringt Sicherheit und kann mit einem Einkauf verbunden werden. Foto: N. Stuhr

Hecklingen

Nach dem Test ist vor dem Test. Und um noch einmal auf Nummer sicher zu gehen, wollen einige Bürger, vor allem ältere Menschen, Klarheit. Das hat sich in dieser Woche in Hecklingen gezeigt. Dort rollt seit Montag ein mobiles Testzentrum an. Auf dem Parkplatz des NP-Supermarktes konnten sich Bürger das erste Mal ohne Voranmeldung direkt vor Ort testen lassen. Das Ganze ist zudem kostenfrei. Medizinisch geschultes Personal übernimmt die Betreuung. Vorgenommen wird ein Antigen-Schnelltest im vorderen Nasenbereich. Der Abstrich ist nicht unangenehm, denn er wird nicht tief hinten im Rachen oder weit hinten in der Nase entnommen. Fünf mal drehen fertig.

Über Rathmannsdorf, Güsten und Staßfurt

Gegen 15 Uhr legte das Mobil mit zwei Mitarbeiterinnen Station ein. Gegen 16.30 Uhr hatten sich sieben Leute testen lassen. Vorher waren die Mitarbeiterinnen der mobilen Teststation in Rathmannsdorf und in Güsten, gestern den ganzen Tag in Staßfurt. Am Montag waren die Frauen elf Stunden im Einsatz. 30 Personen wurden getestet.

In der Woche davor lief ein Probebetrieb, ob logistisch alles funktioniert. Dafür wurde unter anderem für die Bürger unangekündigt in Cochstedt Station eingelegt.

Montagnachmittag und auch davor fielen alle Ergebnisse negativ aus. „Alles bisher im grünen Bereich“, sagt Leonora Graßhoff. Die junge Frau aus Aschersleben zählt zu den Mitarbeitern, die Schnelltests durchführen und Leuten vor Ort erklären, wie das geht.

20 Minuten Wartezeit

Wer mitmacht, muss vor der eigentlichen „Kontrolle“ zunächst einen Zettel ausfüllen und Angaben zu seiner Person machen. Nach dem Abstrich und einer Wartezeit von zirka 20 Minuten steht das Ergebnis fest. In Hecklingen überbrückte ein Großteil der Teilnehmer die Wartezeit bis zur sicheren Ergebnis-Feststellung mit einem Einkauf im Supermarkt.

Wer danach Sicherheit hatte, negativ zu sein, ging mit einer „Eintrittskarte“ für den Friseur nebst Kosmetik, Baumarkt oder für die Abholung einer Bestellung im Bekleidungsgeschäft nach Hause oder direkt in den Laden. Zumindest für einen Tag, denn so lange hat der Test Gültigkeit.

Das können Bürger mit einer entsprechenden Bescheinigung, die sie am mobilen Testzentrum erhalten, nachweisen. „Sie bekommen einen Testbeleg, in dem drin steht, dass das Ergebnis negativ ist – mit Datum, Name und Geburtsdatum. Das ist 24 Stunden gültig“, erklärt Leonora Graßhoff.

Kaufmannsgilde übernimmt Organisation

Initiiert wurden drei Testzentren auf Rädern vom Salzlandkreis. Die Organisation und Durchführung vor Ort im Altkreis Aschersleben-Staßfurt übernimmt die Kaufmannsgilde Aschersleben. In Staßfurt ist der Gewerbeverein mit im Boot.

Die Gilde hat Erfahrung. Veranstaltungsprofis und Händler sind Mitglieder. Sie betreibt in Aschersleben in der Breiten Straße eine stationäre Teststation. „Der Landkreis ist auf uns zugekommen mit dem Wunsch, auch für die Ortsteile und die Region eine mobile Teststation zu betreiben. Diesem sind wir nachgekommen“, erklärt der Vorsitzende der Kaufmannsgilde Martin Lampadius.

„Wir konnten innerhalb kurzer Zeit Schulungen für unsere Mitarbeiter anbieten. Ein befreundeter Facharzt für Innere Medizin hat sie in Abstimmung mit dem Salzlandkreis und dem Gesundheitsamt durchgeführt“, berichtet Martin Rothe aus dem Vorstand der Kaufmannsgilde. Dementsprechend schnell konnte geholfen werden. Von der Idee bis zur Umsetzung hat es seiner Aussage nach nicht einmal eine Woche gedauert. Für die Gilde ist das Engagement ein Risiko. Eine Bedarfsanalyse, ob die Nachfrage da ist oder nicht, gab es vorher nicht. Kosten für die vom Kreis angemieteten Fahrzeuge trage die Gilde, so Rothe.

Kein Bedarf im Altkreis Staßfurt?

Umso wichtiger sei es, dass sich das Angebot rumspreche, meint der Geschäftsmann. Im Moment läuft es seiner Einschätzung nach schleppend an. Möglicherweise sei bei einigen Leuten noch eine Hemmung da. Jüngere Menschen würden auf Angebote möglicherweise eher verzichten, als vorher zum Test zu gehen, denkt er. Dabei sieht er das Angebot als Türöffner. Rothe: „Es handelt sich um einen angenehmen Test für die alltäglichen Dinge, die man bad wieder genießen will.“

Vor Ort sind Leute aber auch froh über das Angebot. Leonora Graßhoff: „Viele ältere Menschen sind dankbar und finden es praktisch, dass es angeboten wird, auch weil manche kein Auto haben.“ Landkreis-Sprecher Marko Jeschor macht darauf aufmerksam, dass Fahrzeuge, die angemietet wurden, Lücken im ländlichen Raum schließen, um das Netz so dicht wie möglich zu machen.

Bleibt zu fragen, wer die Kosten für Tests trägt? Nach Auskunft vom Landkreis übernimmt das die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt (KV). Sprecher Bernd Franke kann das bestätigen. Voraussetzung sei aber, dass ein Testzentrum oder eine Apotheke registriert sei, erklärt er.

Vor dem Test ist ein Fragebogen auszufüllen. Das dauert nicht lange. Im Hintergrund steht das Auto vom mobilen Testteam.
Vor dem Test ist ein Fragebogen auszufüllen. Das dauert nicht lange. Im Hintergrund steht das Auto vom mobilen Testteam.
Foto: N. Stuhr