Eigenheime

Traumhaus auf den ersten Blick

Von Franziska Richter
Seit zwei Jahren leben Jule Laube, Peter Jankowiak und der kleine Kurt in Atzendorf. Der Kauf des Hauses von einer älteren Dame ist für sie bis heute die richtige Entscheidung und ein echter Glücksfall. Foto: F. Richter

Atzendorf

Von ihrem „kleinen, niedlichen Häuschen“ schwärmen Jule Laube und Peter Jankowiak bis heute. Gut zwei Jahre wohnen sie jetzt in einem Einfamilienhaus in Atzendorf und sind heute so glücklich wie beim Einzug. Mittlerweile ist Sohn Kurt zweieinhalb Jahre alt. Er geht in die Kita des Ortes und stellt sich gern mal vor mit „Ich bin Kurt aus Atzendorf“.

Der kleine Kurt war auch der Grund, warum es das junge Paar vor zwei Jahren nach Atzendorf zog. Peter (34) hatte seine Kindheit in Atzendorf verbracht, Jule (32) kommt aus Calbe. Kennengelernt hatten sie sich schon viel früher im Jugendclub Brumby.

Der kleine Mann in Windeln sollte nicht in einer Wohnung in Magdeburg aufwachsen, sondern auf dem Dorf mit Garten, Tieren und Ruhe in einem eigenen Haus. „Es war wirklich toll in Magdeburg, aber mit einem Kind ändert sich alles“, sagt Peter heute.

Schnell war die Idee vom eigenen Haus geboren. Aber wohin? Ab dann setzte die Glückssträhne um das „Häuschen“ am Teich in Atzendorf ein. Über Jules Mutter, die Friseurin ist, entstand der Kontakt zu einer Kundin, die ihr Haus verkaufen wollte. Eine ältere Dame, die das Grundstück von 1000 Quadratmetern nicht mehr allein bewirtschaften konnte. Gegen einen Neubau hatten sich die beiden auch entschieden, „weil man mit einem neuen Haus nie den Charme eines alten Hauses hinbekommen kann“, wie Jule meint.

Das erste Gefühl ist meist das richtige

Nur sechs Wochen nach dem Entschluss zum eigenen Haus waren Peter, Jule und der kleine Kurt in Atzendorf und schauten sich das Häuschen an. Das war im Dezember 2018.

„Wir standen beide davor und haben gesagt: Das ist es“, erzählt Jule weiter. Es war Liebe auf den ersten Blick. Kein einziges anderes Haus hat sich das Pärchen je angesehen. Freunde des Paares, die auch nach einem Haus für sich suchten, konnten schon fast neidisch werden.

„Es hat mir aber auch ein wenig das Herz zerrissen, dass diese Frau nach so vielen Jahren ihr Haus verkaufen musste, denn es steckte doch so viel Herzblut drin“, sagt die junge Mutti. Die ehemalige Scheune war erst in den 70er Jahren ausgebaut worden.

Aber das sollte es sein. Und auch Peter, der als „männlicher Part“ im Boot immer zuerst einmal die praktische Arbeit sieht, meinte: Es ist machbar und für die kleine Familie, die sie blieben wollen, reicht es.

Unten Küche, Wohnzimmer und Bad. Oben Kinderzimmer, Schlafzimmer und noch ein Bad. „Es war alles drin, was wir uns vorgestellt haben, es lag in unserem Budget und wir haben es wirklich günstig bekommen“, meint Peter weiter.

Die Glücksgeschichte um dieses Haus ging nahtlos weiter. Das Paar machten machte Nägel mit Köpfen. Bevor die ältere Dame das Haus im Internet anbieten musste, sagten sie zu. „Ich war tatsächlich auch etwas penetrant und habe sie immer wieder angerufen, um ihr zu sagen: Wir nehmen das Haus wirklich und ganz sicher“, lacht Jule.

Ein wenig verrückt, was dann passierte. Die beiden kauften das Haus im Januar und kündigten sofort ihre Wohnung in Magdeburg. In drei Monaten mussten sie einziehen – ziemlich sportlich und das mit dem kleinen Kurt, der wenige Monate alt war. „Es konnte niemand so richtig glauben, dass wir das schaffen würden“, sagt Jule.

Kein „Fass ohne Boden“ kaufen

Da beide keine Experten waren, kamen bald die ersten Handwerker, die ein erstes Statement abgaben. Die Noch-Bewohnerin empfing jeden Besuch geduldig. „Wir wollten einfach kein Fass ohne Boden kaufen“, sagt Peter.

Das Ergebnis: Die Heizung konnte drin bleiben. Neu gemacht werden mussten Elektrik, einige Balken, Dämmung, Fußboden samt Begradigung und der Dachstuhl musste verstärkt werden.

Peter konnte die Handwerker so organisieren, dass der Einzugstermin gehalten werden kann. Firmen waren Anfang des Jahres noch gut zu bekommen und zum Teil gleichzeitig am Werk. „Es hat durchweg alles geklappt, bis auf eine einzige Woche Verzögerung“, sagt er. „Vorarbeiten und einfache Dinge haben wir auch selbst gemacht“, berichtet der Vati weiter. Freunde haben mit angepackt. „Wir sind dann jeden Tag nach der Arbeit im Haus gewesen. Ich weiß noch, wie ich Tapete abgekratzt habe und Kurt im Tragetuch hatte“, fügt Jule hinzu. Drei Monate lang wurde containerweise Schutt geschleppt und gewerkelt.

Glück zwischen Schaukel, Beet und Hühnerstall

Dann war es tatsächlich geschafft. Ende April war Einzug. Irgendwann will das Paar noch die Außenfassade neu machen lassen, aber das hat Zeit. „Immerhin ist ein Haus eine Lebensaufgabe“, meint Peter.

„Am Anfang habe ich vor Glück geweint, als ich morgens die ersten Male in diesem Haus aufwachte“, verrät Jule. Es passte und passt bis heute alles perfekt. Ein Traum ist wahr geworden.

Heute gehört die Katze „Tigger“ zur Familie und die Hündin Wilma, die noch ziemlich jung und verspielt ist. Jule arbeitet als Physiotherapeutin in Wolmirsleben und Peter als Lebensmitteltechniker in Barby.

Der Garten ist groß und bietet Platz für einen kleinen Spielplatz, Beete, eine Garage und eine Schaukel. In einigen kleinen Schuppen will Jule in Zukunft ein paar Hühner halten. Der Pool soll demnächst vergrößert werden.

In Atzendorf leben und alt werden

In Atzendorf ist die kleine Familie angekommen. Mal ein Männerabend für Peter, mal ein Weiberabend für Jule – immer mit Babyphone auf dem Tisch. Freunde sind noch von früher da und über die Kita, die Kurt gern besucht, entstehen neue Freundschaften. Die Nachbarn haben sich sogar als Babysitter angeboten. Und auch ein Weihnachtsmann klopft an Heiligabend an die Tür.

Während manche Freunde in Magdeburg immer noch nach einem Eigenheim suchen, sind andere Bekannte mittlerweile auch nach Atzendorf gezogen. „Wir kennen uns von früher und können jetzt zusammen alt werden“, lacht Peter.

Kurt hat einen tollen Kaufmannsladen in seinem Kinderzimmer. Der junge Mann findet es in Atzendorf – mit Kita und Bauernhof – klasse.
Foto: F. Richter
Hündin „Wilma“ ist ziemlich verspielt und tobt sich im Garten aus.
Foto: F. Richter
Katze „Tigger“ hat ihren Wohlfühlplatz am Badfenster gefunden.
Foto: F. Richter
Es muss gemütlich sein. Mutti Jule liebt den klassischen Stil und den Charme von älteren Häusern, die eine eigene Geschichte erzählen.
Foto: F. Richter