Sanierung

Umbau zu Zentrum für betreutes Wohnen in Förderstedt in der Bobie beginnt

Von Enrico Joo
Die Villa in der Bobie in Förderstedt ist das erste Gebäude im Areal, das saniert wird. Die Eingangstür ist bereits entfernt. Was aus den anderen Gebäuden wird, ist noch unklar. Ihnen droht aber der Abriss.
Die Villa in der Bobie in Förderstedt ist das erste Gebäude im Areal, das saniert wird. Die Eingangstür ist bereits entfernt. Was aus den anderen Gebäuden wird, ist noch unklar. Ihnen droht aber der Abriss. Foto: Enrico Joo

Förderstedt

Manchmal kommt sich Detlev Kiel vielleicht wie Reinhard Mey vor. „Keine ruhige Minute ist seitdem mehr für mich drin. Und das geht so, wie ich vermute, bis ich hundert Jahre bin“, hatte der Schlagersänger einst gedichtet und gesungen. Und wenn der Förderstedter Detlev Kiel nur mal schnell zum Supermarkt um die Ecke will, dann geht es ihm ähnlich. Ständig wird er angesprochen. „Was ist denn nun mit der Bobie? Wann geht es los? Wie ist der Zeitplan?“ Kiel muss dann immer wieder erklären. Was er gern macht. Aber es frustriert ihn auch ein ein wenig. Und tut weh.

Kiel ist einer von zwei Geschäftsführern der Förderstedter Entwicklungsgesellschaft, die Anfang 2020 gegründet wurde. Zusammen mit dem zweiten Geschäftsführer Remo Kannegießer will er ein seit Jahrzehnten besonders heruntergekommenes Gebiet in Förderstedt auf Vordermann bringen: die Bobie. Eine kleine Straße, die die Magdeburg-Leipziger Straße und die Calbesche Straße verbindet. Konkret geht es um den Platz mit mehreren Gebäuden rund um das alte Feuerwehrgerätehaus.

Verzögerungen bei den Planungen durch Corona

Hier soll ein Zentrum für betreutes Wohnen entstehen, eine moderne Form der ambulanten Pflege. Baustart wäre Kiel und Kannegießer lieber gestern als heute. Sie wollen anpacken und loslegen. Im Herbst 2020 hieß es, dass der Baustart nicht vor Herbst dieses Jahres ist. Aber: „Es hat einige Verzögerungen gegeben. Der Grundbucheintrag für die alte Feuerwehr hat unsagbar lange gedauert, obwohl wir den Kaufpreis schon lange gezahlt haben“, erzählt Kiel. Vor etwa zwei Wochen wurde dieser Schritt nun erledigt. Auch Corona hatte hier für Verzögerungen gesorgt. „Jetzt können wir mit den Planungen beginnen. Unser großes Pech war, dass viele Grundstücksfragen ungeklärt sind“, so Kiel.

Was soll passieren? Die Gebäude mit den Hausnummern Bobie 3, 4, 5, 6 und 7 sind in den Besitz der Gesellschaft übergegangen. Ohne Fördermittel sollen aus den zum Teil stark verfallenen Häusern bis zu 40 Wohnungen entstehen. Einziehen soll, wer Bedarf hat. Was mit den einzelnen Gebäuden passiert, ist aber immer noch nicht klar.

Kosten für Umbau der Villa wohl sechsstellig

Fakt ist: „Die Villa vorn bleibt stehen. Die wird saniert“, sagt Kiel. Und da machen die Gesellschafter jetzt Nägel mit Köpfen. „Wir haben mit dem Umbau bereits begonnen, die Eingangstür ist schon draußen. Nächste Woche beginnt die Entkernung“, sagt Kiel. Die letzten Mieter sind ausgezogen. Das Problem ist: Von außen sieht die Villa zwar gar nicht so hässlich aus, aber von innen ist es eine Katastrophe. „Da ist alles kaputt. Türen, Treppen, Rahmen“, zählt Kiel auf. Teile wurden abgesägt, dazu gab es auch noch drei Einbrüche. „Innen muss alles neu gemacht werden.“

Kiel berichtet, dass zu DDR-Zeiten das Innere des Hauses komplett umgebaut wurde. „Das waren riesengroße Wohnungen“, so Kiel. Die Gesellschafter planen nun in der Villa (Bobie Nummer 6) „sechs wunderschöne Wohnungen“. Alles soll barrierefrei sein und neuesten Anforderungen entsprechen. Es kommen neue Fenster rein, es werden neue Leitungen gelegt.

Kosten? „Das wissen wir noch nicht. Aber es können schon sechsstellige Summen werden“, sagt Kiel. Für die Bauarbeiten sollen überwiegend Handwerker aus der Region anpacken. „Wir wollen Ende 2022 die ersten Einzüge in dem Gebäude haben. Damit haben wir einen ersten Fuß in der Tür im Projekt. So können wir zeigen, dass wir es wirklich ernst meinen.“ Es gebe bereits einige Anfragen von potenziellen Mietern. Der Vorteil ist, dass es keinen Denkmalschutz für die Villa gibt. Das erleichtert den Umbau und verringert die Kosten.

Was aus den restlichen Gebäuden wird, ist noch ungewiss. „Es könnte sein, dass Abriss und Neubau günstiger wird als eine Sanierung“, sagt Kiel. Konkret droht den Gebäuden Bobie 3, 4, 5 und 7 der Abriss. Das hängt auch damit zusammen, dass in einigen Gebäuden früher ein Gutshof mit Stallungen war. Die Decken sind sehr niedrig, die Gebäude so nicht umbaufähig. Und es wird teurer. „Teilweise haben wir Preiserhöhungen von bis zu 50 Prozent“, berichtet Detlev Kiel.

Im vergangenen Jahr hatte die Förderstedter Entwicklungsgesellschaft die Kosten für den Umbau des gesamten Geländes auf zwei bis 2,5 Millionen Euro geschätzt. „Das wird nicht mehr ausreichen“, sagt Kiel. Er stellt sich auf dem Hof kleine Bungalows mit Terrasse vor. Die Größe der Wohnungen soll bei 50 bis 60 Quadratmeter liegen. Diese Pläne können nur bei Abriss und Neubau umgesetzt werden. Der Plan ist, in diesem Jahr mit dem Abriss zu beginnen.

Soziokulturelles Zentrum soll entstehen

Stehen bleiben wird natürlich auf dem Gelände auch das alte Feuerwehrgerätehaus. In Personalunion ist Detlev Kiel auch der Vorsitzende des Feuerwehrfördervereins. Der Verein ist kostenfreier Mieter des Gebäudes. Die Stadt Staßfurt bleibt Eigentümer, Grund und Boden gehören nun der Förderstedter Entwicklungsgesellschaft. Das Gebäude ist auch wichtig für die Gesamtentwicklung des Areals. „Wir wollen ein soziokulturelles Zentrum für die Bewohner errichten“, sagt Kiel. Kino, EDV-Kurse, Darts-Kurse. Dazu der Förderverein als Veranstalter für das Kartoffelfest oder den Weihnachtsmarkt. Es gibt viele Ideen. Bis alles umgesetzt ist, kann es aber noch einige Jahre dauern.