Verkehr

Unfälle mit Radfahrern häufen sich im Altkreis Staßfurt

Stetig steigende Unfallzahlen mit Radfahrern verzeichnet die Polizei auf Straßen im Altkreis Staßfurt, wobei die Hälfte etwa von ihnen verursacht wurden. Bei der Verbesserung der Radwege inklusive Sicherheit ist unterdessen noch viel Luft nach oben.

Von Falk Rockmann
Die Bernburger Straße in Staßfurt bietet über weite Strecken relativ gute Radwege. Aber hier an der Einfahrt zum Strandsolbad ist Ende im Gelände. Die Übergänge an den Querstraßen lassen ebenfalls zu wünschen übrig. Hoffnung macht, dass das Land Sachsen-Anhalt diese Straße bereits in Planung hat, wenn auch schon  über Jahre.
Die Bernburger Straße in Staßfurt bietet über weite Strecken relativ gute Radwege. Aber hier an der Einfahrt zum Strandsolbad ist Ende im Gelände. Die Übergänge an den Querstraßen lassen ebenfalls zu wünschen übrig. Hoffnung macht, dass das Land Sachsen-Anhalt diese Straße bereits in Planung hat, wenn auch schon über Jahre. Foto: Falk Rockmann

Staßfurt - „Radfahrerin schwerverletzt“ hieß es erst vorvergangene Woche, als eine 57-Jährige am Montagvormittag von einem abbiegenden Auto an der Kreuzung Hohenerxlebener Straße/Salzrinne erfasst wurde. Glück im Unglück hatte eine gleichaltrige Radfahrerin wenige Tage zuvor auf de Bernburger Straße, als sie von einem Pkw angerempelt wurde, der sie überholte. Sie konnte sich abfangen und einen Sturz geradeso verhindern. Umso ärgerlicher, dass der Autofahrer nicht mal anhielt und somit Unfallflucht beging.

Die beiden genannten Unfälle sind noch nicht in der Statistik des Polizeireviers für dieses Jahr enthalten. Bis 30. Juni sind hier immerhin bereits 26 Unfälle mit Radfahrern für den Bereich des Altkreises Staßfurt registriert. Nur wenig mehr waren es mit 34 im gesamten Jahr 2019. Die 40 Unfälle im vergangenen Jahr betätigen den steten Aufwärtstrend.

Jeweils zur Hälfte etwa stellen sich die Radfahrer als Verursacher heraus: 2019 waren es 34, dabei 15 Radfahrer als Verursacher. 2020 registrierte die Polizei 40 Unfälle mit 16 Verursachern auf dem Rad. Bis 30. Juni 2021 gab es bereits 26 Unfälle mit Radfahrern. In 14 Fällen waren sie auch Unfallverursacher.

Unabhängig davon kann Polizeisprecher Marco Kopitz keine Unfallschwerpunkte im Zusammenhang mit Radfahrern ausmachen.

Radwege nicht die besten

Was die Voraussetzungen der baulichen Verkehrssicherheit im Altkreis Staßfurt betrifft, gebe es hier und da bei der Fahrbahnoberfläche sowie den Fahrbahnmarkierungen schon Nachbesserungsbedarf.

Das kann der passionierte Radfahrer Kurt Kuchinke, der jährlich etwa 100.00 Kilometer überwiegend in der Region um sein Heimatdorf Ilberstedt und auch öfters in Staßfurt und Umgebung unterwegs ist, nur bestätigen. Zufällig kommt er als Erstes auf Mängel in Wegführung und Beschaffenheit der Bernburger Straße. „Stadtauswärts endet der Radweg abrupt in Höhe Stadtbadzuwegung, und man muss auf die Straße wechseln. Stadteinwärts gibt’s zwar einen schmalen Radweg, aber an den Einmündungen der Straßen und Firmeneinfahrten ist der Bordstein viel zu hoch. Wer keine ,Acht’ riskieren will, muss entweder schräg anfahren oder absteigen. Der Mix aus altem Kopfsteinpflaster und Asphaltflickenteppich ist hier auch keine wirkliche Alternative.“

Sofern vorhanden, rät der Polizeisprecher ohnehin, Radwege auf jeden Fall zu nutzen, egal in welchem Zustand.

Landstraßen bleiben gefährlich

Kurt Kuchinke kennt das „mulmige Gefühl“, wenn er sich zum Beispiel bei Fahrten zum Wartenberg zwischen Neugattersleben und Brumby die Straße mit den Autos teilen muss. „Da wird’s lebensgefährlich, wenn Autos zu nah überholen, besonders wenn diese Gegenverkehr haben.“

Ähnlich ergehe es ihm auf der Chaussee zwischen Staßfurt und Förderstedt. Auch zwischen Neugattersleben und Förderstedt. „Da fahre ich schon durchs Bodetal nach Löbnitz, aber ab Bahnhof Neugattersleben ist man wieder zur Straßenbenutzung gezwungen. Es fehlen einfach begleitende Radwege.“

Die kann die Polizei zwar auch nicht herzaubern, doch eine Empfehlung zu etwas mehr Sicherheit geben: „Gerade bei Überlandfahrten sollte immer auffällige, reflektierende Kleidung getragen werden. Ein Fahrradhelm ist zwar keine Pflicht, aber er schützt!“

Ein Problem scheint auch direkte Verbindung zwischen Hohenerxleben und Ilberstedt zu sein. Seit dem Abriss der maroden Brücke über die alte Kanonenbahn muss man aus Ilberstedt kommend in Richtung Schloss an einer Gabelung den direkten Weg nach Hohenerxleben verlassen, nach rechts abbiegen und auf einer Länge von etwa 500 Meter die Straße aus Richtung Autobahn 14 (Neugattersleben) nutzen, „was ohne Radweg ziemlich gefahrvoll ist“, so Kuchinke.

Fehlt das Konzept beim Radwegenetz?

Unser Fahrradfreund will übrigens nicht nur meckern: „Gut gefällt mir der Radweg zwischen Staßfurt und Löderburg. Der ist super ausgebaut, Begegnungsverkehr ist problemlos möglich.“ Auch der Radweg zwischen Staßfurt und Neundorf gefällt ihm. Was Kuchinke grundsätzlich missfällt, ist „die offensichtliche Konzeptlosigkeit vor Ort beim Bau von Radwegen. Man hat manchmal den Eindruck, dass hier und dort Geld für ein paar Meter Radweg da ist oder Fördermittel verbaut werden müssen – ohne Orientierung am bestehenden Radwegekonzept des Salzlandkreises.“

Um nochmal auf die Unfallentwicklung mit Radfahrerbeteiligung zurückzukommen und mögliche Konsequenzen seitens der Polizeiarbeit. Das Salzlandrevier fände mehr Kontrollen besser. Aber: Die Kontrolltätigkeit diesbezüglich könne mit einer halbjährlichen Aktion derzeit als ausreichend klassifiziert werden.

Die Kreuzung Hohenerxlebener Straße/Salzrinne ist eine der am stärksten von Radfahrern frequentierten Kreuzungen in Staßfurt.
Die Kreuzung Hohenerxlebener Straße/Salzrinne ist eine der am stärksten von Radfahrern frequentierten Kreuzungen in Staßfurt.
Foto: Falk Rockmann