Gericht

Urteil: Albanischer Drogenclan mit über 1.200 Cannabis-Pflanzen in Hecklingen - „Mit Kanthölzern auf den Kopf geschlagen"

Ein Mitglied einer albanische Drogenbande mit Ursprung in Erfurt ist vor dem dortigen Landgericht verurteilt worden. Der kriminelle Clan hatte in Hecklingen ein Haus gekauft und dort über 1.200 Cannabis-Pflanzen unterhalten.

Von Sebastian Rose
Eine derartig große Cannabisplantage wurde auch in einem Haus in Hecklingen gefunden.
Eine derartig große Cannabisplantage wurde auch in einem Haus in Hecklingen gefunden. Symbolfoto: dpa

Hecklingen - Das organisierte Verbrechen kennen die meisten Salzländer wohl nur aus dem Kino oder Fernsehen. In dem aktuellen Fall findet die Handlung des Thrillers jedoch nicht in Hollywood, sondern in Hecklingen statt.

Im ersten Akt dreht sich alles um eine gefährliche Körperverletzung in Erfurt. Drei Männer von der albanischen Drogenbande schlugen im vergangenen Jahr derartig auf ein Opfer einer verfeindeten Gruppierung ein, dass dies schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden musste. „Sogar mit einem Kantholz schlug einer der Täter dem Opfer mehrfach auf den Kopf“, sagt Burkhard Keske, Pressesprecher des Landgerichts in Erfurt, auf Nachfrage der Volksstimme am Telefon.

Im Anschluss der gefährlichen Körperverletzung folgten intensive Nachforschungen im Umfeld der Täter. Die Fahnder machten unter anderem ein Haus in Hecklingen aus. Dort fanden sie insgesamt 1.262 Cannabispflanzen in einer Indoor-Plantage. Das Gebäude hatte die Bande eigens für die Aufzucht der verbotenen Gras-Pflanze gekauft. „Die dort gefundenen Pflanzen waren alle bereits angezogen, bildeten aber noch keine Blüten aus. Deswegen wurden auch nur 171 Gramm der verbotenen Substanz THC gefunden. Das macht zwar trotzdem vor Gericht eine nicht geringe Menge aus, ist aber in Bezug zu anderen Fällen recht wenig. Wenn die Blüten schon ausgebildet wären, wäre die THC-Menge erheblich höher gewesen“, erklärt Keske.

Italienische Mafia oft in Erfurt im Hintergrund

Allerdings wurde am 15. Juli nur ein Täter wegen dieser, der gefährlichen Körperverletzung und weiteren Taten am Landgericht Erfurt zu sieben Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

Warum die Bande gerade Hecklingen als Aufzuchtort der Cannabispflanzen ausgewählt hat, kann Burkhard Keske nur vermuten: „Ich nehme mal an, sie haben gedacht, dass ein viel kleinerer Ort als Erfurt sicherer ist, als direkt in der Landeshauptstadt.“

In gesonderten Verfahren werden sich auch weitere Täter und Mitglieder der Bande noch vor dem Landgericht in der thüringischen Stadt verantworten müssen. Immer wieder kommt es in Erfurt laut Medienberichten vor, dass Drogenbanden der Polizei ins Netz gehen. Immer wieder stehen gerade albanische Drogenclans mit der italienischen Mafia in Verbindung. Oft steht dann die  kalabrischen Mafia-Organisation Ndrangheta im Hintergrund. Ob dies allerdings auch im aktuellen Fall des Drogen-Hauses in Hecklingen der Fall ist, lässt sich nur vermuten.