Strom fällt aus / Straßen überflutet / Grundwasser drückt / 17000 Sandsäcke gefüllt

Wasser geht in Alsleben und Plötzkau zurück - Rückstau könnte noch kommen

Von Franziska Richter

"Wir haben nie gedacht, dass es soweit kommt", erklärt die Saale-Anwohnerin Christel Hinte. Das letzte Mal soll die Saale in Alsleben vor 60 Jahren so hoch gestanden haben wie jetzt. Mittlerweile geht das Wasser in Plötzkau und Alsleben zurück, aber es könnte zu einem Rückstau aus der Elbe kommen.

Alsleben/Plötzkau/GroßWirschleben l Christel Hinte und Jana Raßler sind völlig perplex, wenn sie die Wassermassen sehen, die sich in ihrer Gaststätte "Zur Börse" in Alsleben angesammelt haben. Sie hatten das Restaurant direkt an der Saale erst vor kurzem neu eingerichtet. Den Schaden - das Wasser steht 70 Zentimeter im Haus - beziffern sie auf 70000 Euro. Jana Raßler weiß als Gastwirtin gerade nicht, wie es weiter gehen soll. "Wir haben über den alten Besitzer noch gelacht, weil er die Wände der Gaststube mit so schrecklichen Ölfarben bemalt hatte. Jetzt wissen wir: Der wusste genau, wie weit das Wasser steigen kann", erklärt sie.

"Wir dachten nie, dass das Wasser so weit steigt. Ich denke, nur 1947 war es ähnlich hoch", sagt Christel Hinte, die hier einst Wirtin war und jetzt über der Gaststätte wohnt. Die Straße an der Saale - die Fischerstraße -, aber auch die Burgstraße und die Schaper-allee sind meterhoch überflutet. In der Bernburger Straße drückt das Hochwasser das Grundwasser hoch, erklärt ein Anwohner. Sportplatz, Freibad und Theodor-Siebert-Platz sind ebenfalls in den Wassermassen verschwunden. "Am Montagabend hatten wir angefangen, Säcke vor den Türen zu stapeln, da stand es drei Zentimeter hoch in der Gaststube. Als wir am nächsten Morgen herunterkamen, standen da plötzlich 70 Zentimeter Wasser", so Christel Hinte weiter.

Am Dienstag begann dann auch der Einsatz der Feuerwehren, "die sich ganz toll um uns gekümmert haben", wie Jana Raßler sagt. Die Verbandsgemeinde Saale-Wipper hat eine Einsatzzentrale in Plötzkau eingerichtet. Hier sitzen Andreas Braun, technischer Einsatzleiter der Feuerwehr Plötzkau, Andreas Hermann von der Feuerwehr Hoym/Seeland, Verbandsgemeindebürgermeister Steffen Globig und zwei Mitarbeiterinnen der Verwaltung. Sie überwachen ständig den Pegel der Saale, der am Freitag Alarmstufe IV zeigte. "Wir richten uns nach dem Pegelstand in Halle-Trotha. Was dort ist, kommt etwa zwölf Stunden später bei uns an", erklärt Andreas Braun.

Von hier aus werden die Einsätze koordiniert und mit dem Katastrophenstab in Staßfurt abgesprochen. Kameraden aus Neundorf, Egeln, Hoym/Seeland, Ilberstedt, Plötzkau und Alsleben haben seit Dienstag 17000 Sandsäcke befüllt und an Hausbesitzer verteilt. "Über Facebook haben wir Dienstagnacht sogar 80 freiwillige Helfer für Plötzkau organisiert", sagt Steffen Globig, "für Alsleben kamen noch einmal 100 zusammen".

Seit Dienstag waren Kameraden und Helfer im Dauereinsatz. In dieser Zeit musste die Fischerstraße aufgeben werden. In Groß Wirschleben ist durch einen Kurzschluss die Abpumpstation ausgefallen, noch weitere Abwasserpumpen sind defekt. Ein Fäkaliensammelbecken in Alseben wurde überflutet. Die Saalebrücke musste in der Nacht zu Dienstag gesperrt werden, auch die L 153 zwischen Alsleben und Gnölbzig ist weiterhin nicht passierbar.

In Plötzkau mussten ebenfalls mehrere Straßen abgesperrt werden. Die Hauptstraße wurde evakuiert. Die Anwohner sind in einem Pflegeheim oder bei Verwandten untergekommen. Die Gaststätte "Zur Laube" steht unter Wasser. Alsleben und Plötzkau haben teilweise seit Dienstag keinen Strom mehr. "In Alsleben müssen wir noch warten, bis wir den Strom wieder anschalten. Jetzt ist das bei dem Wasser einfach noch zu gefährlich", erklärt Andreas Braun die Lage.

Unterdessen sieht es auf der anderen Seite der Saale nicht besser aus: Ganz Mukrena wurde am Dienstag evakuiert. Die Polizei hat eine Sperre vor dem Ort errichtet und kann die Anwohner nicht zu ihren Häusern lassen. "Soll ich denn den ganzen Tag hier warten, ob ich wieder in mein Haus kann?", ärgert sich ein Anwohner. "Das Wasser steht hier einfach zu sehr", sagt Stationsleiter des Reviers in Könnern gegenüber der Volksstimme. Es sei für die Anwohner noch zu gefährlich, wenn sie ihre Häuser betreten würden. Die Feuerwehr Könnern ist hier im Einsatz, aber auch sie kann nicht voraussagen, wann das Wasser verschwunden sein wird. Die Saale spült durch den ganzen Ort. Von Zweihausen aus kommt man gar nicht mehr in das Dorf.

Heike Brause, deren Haus in Mukrena komplett unter Wasser steht, ist mit den Nerven am Ende. Sie erhält Hilfe aus Staßfurt: "Meine Arbeitskollegen von den Stadtwerken in Staßfurt haben sofort für mich gesammelt", sagt sie. Da ihr Arbeitgeber kulant sein, sei ihr Fehlen auch kein Problem. Ihr ganzes Hab und Gut ist weg und es macht sie wahnsinnig, dass sie nicht in ihr Haus kann. Die ganze Nacht zu Donnerstag war sie auf, um fast stündlich zum versperrten Ortseingang zu fahren und zu schauen, ob sich was tut. "Ich habe einfach keine Ruhe." "Ich kann auch gar nicht arbeiten gehen, ich kann mir ja nicht mal etwas Frisches anziehen", sagt sie weiter. Auch ihre Tochter habe nichts mehr. "Die anderen Kinder haben für sie Haarspangen gesammelt, das finde ich so süß. Das baut einen so auf", erzählt sie und muss weinen. "Es ist unglaublich, wie sehr uns alle helfen, ich möchte allen danken."

Steffen Globig kann unterdessen Positives berichten. "Das Wasser geht jetzt um einen Zentimeter pro Stunde zurück", sagt er am Freitag. "Nur noch die Alslebener und Plötzkauer Kameraden sind im Einsatz, Helfer werden nicht mehr gebraucht". Aber: Es könnte sein, dass die Saale nicht weiter in die Elbe abfließen kann und es zum Rückstau kommt. Ob und wie stark dieser eintritt, kann niemand vorhersagen.

Die Verbandsgemeinde bittet um Spenden für die Betroffenen aus dem Bereich Saale-Wipper und hat ein Spendenkonto eingerichtet: Konto-Nummer: 201013347, Bankleitzahl 80055500, Salzlandsparkasse.