Stendal l Jedes Kind kann auf die schiefe Bahn geraten. Einige Jugendliche brauchen nur die falschen Freunde zu haben. Bei anderen Schülern ist es ein langwieriger Prozess. Faktoren gibt es viele. Und für Kinder, die Hilfe brauchen gibt es Möglichkeiten diese zu finden.

Eine Anlaufstelle sind die Schulsozialpädagogen. „Wir sind nicht nur für die Schüler da sondern auch für die Lehrer. Wir sind Vertrauenspartner und Vermittler bei alltäglichen Problemen“, erläuterte Sandra Wagner, die zuständige Schulsozialpädagogin der Sekundarschule „Comenius“. Doch diese Hilfe allein reiche nicht aus.

Unter dem Motto „Schulerfolg gemeinsam sichern“ starteten die Schulen „Comenius“, „Wilhelm Wundt“ und „Adolf Diesterweg“ eine Präventionsveranstaltung für die Klassensprecher der Stufen fünf bis zehn.

Schüler über ihre Rechte unterrichtet

Das Pilotprojekt soll die Schüler sensibilisieren. Den 35 Teilnehmern sollte klargemacht werden, dass sie als Schülervertreter ein wichtiges Amt bekleiden. Außerdem haben sie eine Verantwortung gegenüber ihren Mitschülern. Durch verschiedene Workshops soll den Jugendlichen Wissen vermittelt werden, das sie auch unmittelbar in den Klassen einsetzen können. Finanziert wurde das Ganze durch den Europäischen Sozialfond und vom Kulturministerium Sachsen-Anhalt.

Die Vertreter der fünften und sechsten Klasse besuchten einen Workshop, der sich um häusliche Gewalt dreht. Die Jüngsten sollten darüber aufgeklärt werden, was häusliche Gewalt überhaupt ist. Die Leitung übernahmen zwei Mitarbeiterinnen des Vereins „Miß-Mut“ aus Stendal. Diese Aufklärung sei wichtig, wie Janin Schlieker gegenüber der Volksstimme erklärte. „Die Kinder sollen wissen, dass sie nichts aushalten müssen. Sie haben Rechte und sollen nicht weg schauen.“

Im Wechsel nahmen die Vertreter der Klassen sieben bis zehn an den Workshops Suchtprävention und „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ teil. Geleitet wurde die Suchtprävention von Sabine Sadowski, sie arbeitet beim Gesundheitsamt des Landkreises Stendal. Dort ging es darum, zu klären, welche Süchte es überhaupt gibt.

Spielerisch Vielfalt lernen

Im dritten Workshop, den die Neunt- und Zehntklässler besuchten, drehte sich erstmal alles um Mandarinen: mit Dellen und Quetschungen. Jeder Teilnehmer musste sich eine Frucht nehmen. Anschließend bestand die Aufgabe darin die Frucht zu beschreiben, ihr eine Geschichte zu geben. Danach wurden die Schüler gebeten die Mandarinen wieder in den Korb zu packen. Jeder sollte nun seine „eigene“ Mandarine wieder finden anhand der vorher beschriebenen Merkmale. Diese spielerische Übung sollte den Klassensprechern zeigen, dass niemand gleich ist. Es ist ein Statement gegen Rassismus.

Am Mittag war alles vorbei. Fünf Wochen lang hatten die Schulsozialarbeiter diesen Tag geplant. Doch wie geht es nun weiter? Je nachdem, wie viel Gefallen die Veranstaltung bei den Schülern gefunden hat, soll entschieden werden, ob im nächsten Jahr wieder die Klassensprecher geschult werden. Für die Veranstalter ist es jetzt schon ein Erfolg, dass so viele Schüler am Piloten teilgenommen haben.