Stendal l Willkommen und Abschied waren die zwei Beweggründe, weshalb sich die Mitglieder des Frauenhausvereins Stendal in der vergangenen Woche zu einer außerordentlichen Sitzung im Rolandzimmer des Rathauses trafen. Der seit 21 Jahren das Frauenhaus der Hansestadt betreuende Verein verabschiedete zwei langjährige Mitarbeiterinnen der Einrichtung und hieß gleichzeitig zwei neue willkommen.

Nach 46 Arbeitsjahren, davon über 20 für das Stendaler Frauenhaus, geht Karin Meincke in den wohlverdienten Ruhestand. Die gelernte Erzieherin war zunächst als ABM-Kraft in der Einrichtung tätig, 1995 folgte dann die Festanstellung. Dabei kümmerte sich Meincke oft um die Kinder der in das Frauenhaus gezogenen Mütter. „Wenn die Kinder sich wohlfühlen, bleiben auch die Muttis gerne“, war immer das Credo der 63-Jährigen.

Weiterhin begleitete Meincke viele Frauen bei ihren Gängen zu Ämtern, Behörden oder zum Scheidungsanwalt. „Dabei ist es wichtig, dass wir über ein gutes Netzwerk verfügen“, erklärte sie. Während ihrer langen Berufstätigkeit hätte sie schon viel erlebt, Fröhliches, Trauriges, aber immer habe sie die Arbeit bereichert. Besonders, wenn die Frauen danach ein neues Leben hätten anfangen können. Direkt mit gewalttätigen Männern sei sie zum Glück noch nie aneinander geraten, blickte Meincke zurück. Kürzlich hätten zwar Unbekannte auf dem Gelände randaliert, aber Schlimmeres sei noch nicht passiert.

Meincke gehört zu den Gründerinnen des heute 31 Mitglieder zählenden Frauenhausvereins und will der Organisation, wie sie sagte, auch über den Ruhestand hinweg die Treue halten. Vereinsvorsitzende Dorothea Richter würdigte Meincke als „Multitalent“ und dankte ihr mit einem Blumenstrauß und einer herzlichen Umarmung für die geleistete Arbeit.

Ebenfalls umarmt und mit Blumen bedacht wurde Renate Berth, die auch zum Jahresende aufhört. Wie Meincke war die Erzieherin über eine ABM-Stelle zum Frauenhaus gekommen. Das war vor 14 Jahren, 2004 wurde sie fest angestellt. „Margot Nawitzki hat sich damals sehr für mich eingesetzt“, erinnerte sie sich dankbar an das Engagement der Frauenhausleiterin.

Auch Berth hatte sich viel mit Kindern beschäftigt. An diesem Abend hatte Berth zudem Bereitschaft. „Wenn mein Handy klingelt muss ich los“, sagte sie. Dann würde sich die Polizei oder eine andere Behörde bei ihr melden, dass sie eine notleidende Frau in die Einrichtung begleiten müsse.

Stellen bleiben nicht unbesetzt

Obwohl das Frauenhauses finanzioell nicht auf Rosen gebettet ist, werden die beiden Stellen nicht unbesetzt bleiben, wie Dorothea Richter verkündete. Über eine feste Anstellung kann sich ab Januar die Stendalerin Juliane Kirchbach freuen. Die 34-jährige Diplom-Sozialpädagogin hatte zuvor in Magdeburg studiert und war während des Studiums über ein Praktikum an das Frauenhaus gelangt. Sie ist zudem das jüngste Mitglied im Frauenhausverein. „Es war ein Stück weit Neugier“, begründete sie ihre Motivation, nach ihrem Abschluss beim Frauenhaus anzufangen. „Und Juliane kennt sich gut mit Computern aus“, lobte Dorothea Richter die neue Kollegin, von der die anderen noch etwas lernen könnten.

Die zweite Stelle bleibt nurmehr auf geringfügiger Basis gehalten. Das ist aber kein Problem für Jutta Keitzl, die die Stelle ab Januar besetzen wird. „Ich bin froh, dass ich das habe“, sagte sie. Die 61-Jährige ist eigentlich gelernte Industriekauffrau, aber schon seit Jahren mit der Vereinsarbeit vertraut. „Zu Hause fällt es manchmal schwer, das alles hinter sich zu lassen“, erklärte sie. Trotzdem mache die Tätigkeit Spaß.

Eine besondere Herausforderung ist Keitzl zufolge die Arbeit mit Flüchtlingen. „Viele Frauen werden aufgrund der Kultur in anderen Ländern von ihren Männern wenig geachtet“, monierte sie. Doch in Deutschland merkten die Frauen dann, dass es auch anders geht, was zu Konflikten führe.

Dolmetscherin hilft bei Verständigung

„Glücklicherweise haben wir eine Dolmetscherin für die arabische Sprache gefunden“, ergänzte Richter. Zudem sei demnächst eine Broschüre in 16 Sprachen geplant, damit alle notleidenden Frauen wüssten, bei wem sie Hilfe finden. Das alles sowie die Instandhaltung des Hauses sowie Projekte kosteten viel Geld. Um die Zuwendungen zu bekommen, sei regelmäßig ein hoher bürokratischer Aufwand nötig. „Wir machen uns derzeit dafür stark, eine Fachkraft für Kinderbetreuung zu bekommen“, informierte die Vereinsvorsitzende.