Stendal l „Ich habe den schönsten Beruf der Welt“, sagt Petra Kulla im Brustton der Überzeugung, aber ohne Pathos. Sie ist Hebamme an der Stendaler Kinder- und Frauenklinik des Johanniter-Krankenhauses, leitende Hebamme. Seit 1985 hat sie um die 1300 Kinder mit auf die Welt gebracht. „Eine Schätzung“, gibt sie zu. „Ich habe Buch geführt – bis so zu 800 Geburten -, aber längst nicht alle erfasst.“

Für die Stendalerin, die selbst zweifache Mutter ist, waren und sind das Glücksgefühle pur. Da sei so viel „Positives“, sagt sie, und dass sie „besondere Momente mit den Familien“ erlebt. Dass es inzwischen die Regel ist, dass Männer die Geburt im Kreißsaal begleiten, ist für Petra Kulla toll. Der Moment der Geburt sei für die Familie unwiederbringlich. „Die Eltern erinnern sich ihr Leben lang daran“, findet sie. Der Mann erlebe ja nicht allein die Geburt seines Kindes, sondern auch, „was die Frau leistet, nämlich etwas Großes“.

17 Hebammen und Schwestern

Wenn der Mann die Nabelschnur durchtrennt hat und das Baby auf der Brust der Mutter liegt, ziehen sich Arzt und Hebamme zurück. Das Kind solle in Ruhe ankommen, die Eltern sollen das kleine Wunder begreifen können, so die Hebamme, die anfügt: „Die Frauen dürfen stolz sein auf die Arbeit, die sie vollbracht haben.“

In diesem Jahr haben bis zum Montag dieser Woche 790 Familien beziehungsweise Frauen das Wunder der Geburt im der Stendaler Klinik erlebt. Die 800er-Grenze wollen Petra Kulla und ihre Mitstreiter, dazu zählen 17 Hebammen und Kinderkrankenschwestern im Kreißsaal und auf der Wochenstation, überspringen. Dann würde die Klinik im Bereich der vergangenen zwei Jahre liegen.

Weihnachten misst die Hebamme dabei nicht eine zu große Bedeutung bei. „Für mich sind Geburten die tägliche Arbeit, aber auch immer wieder das Besondere, unabhängig vom Datum“, sagt Petra Kulla. Aber für die Eltern und Familien, fährt sie fort, könne die Geburt zu Weihnachten schon etwas Außergewöhnliches sein und merkt an: „Sie können sich neun Monate lang darauf einstellen.“

Lachgas gegen Schmerzen

Die Geburt selbst dauert beim ersten Kind in der Regeln zehn bis zwölf Stunden; sechs Stunden intensivere Betreuung im Kreißsaal bezeichnet Petra Kulla als optimal. In dieser Zeit müssten die Hebammen häufig nicht nur die Schwangeren umsorgen, sondern – wie sie schmunzelnd anmerkt – auch „die Männer beschäftigen“.

Bei der Betreuung der werdenden Mütter setzt die Stendaler Klinik auch auf eine neue Methode, die gar nicht so neu ist: Lachgas. Es dient der Schmerzlinderung und wird durch eine Maske eingeatmet. Die leichte Benommenheit, die damit einher geht, vergeht binnen zwei Minuten, erklärt Petra Kulla. Noch befindet es sich in der Stendaler Klinik in der Erprobung. Aus Sicht der leitenden Hebamme hat sich essen Einsatz bezahlt gemacht.

Ob wohl heute ein „Weihnachtskind“ in der Klinik zur Welt kommt? Das ist eigentlich zweitrangig. Für Petra Kulla ist die Geburt stets aufs Neue ein Wunder, egal wann und egal wo.