"Mood-Tour" mit Betroffenen und Nichtbetroffenen legte Zwischenstopp in Tangermünde ein

4500 Kilometer unterwegs auf dem Fahrrad als Therapie gegen Depression

Von Lion Grote

Bewegung tut gut, doch Bewegung kann auch Gutes tun. Mit einer Radtour durch das Land wollen sieben Radfahrer aufmerksam machen auf das Thema Depression. Auch im Landkreis Stendal.

Tangermünde l 4500 Kilometer in drei Monaten. Eine Strecke, so weit wie von Tangermünde ins kasachische Astana -- oder eben kreuz und quer durch Deutschland. Am Dienstag machten sieben Radfahrer an der Elbe Station auf ihrer Tour durch das Land. Doch sie sind keine Sportler. Im Gegenteil. Sie wollen auf eine Krankheit aufmerksam machen, die noch immer ein Tabu-Thema ist: Depression.

Organisator Sebastian Burger hat im Freundeskreis miterlebt, wie schlimm Depressionen für Betroffene sind. "Dazu kommt dann das Verstecken. Bekannte und Kollegen dürfen oft nichts erfahren", erklärt Burger. Da möchten er und seine Radlerfreunde ansetzen. Sie wollen Betroffenen Mut machen, sich zu öffnen und Menschen für das Thema sensibilisieren. Auch auf dem Tangermünder Rathausplatz hat sich schnell eine Menschentraube um die auffälligen Radfahrer mit ihren bunten Klamotten und großen Tandemrädern gebildet. "Die Offenheit der Menschen, wo immer man hinkommt, ist toll", sagt Gertrud Koop. Die 58-Jährige leidet selbst schon lange unter Depressionen. Erst vor wenigen Wochen konnte sie wieder beginnen zu arbeiten. "Man fühlt sich, als hätte man Blei in Armen und Beinen. Bei mir kamen dann schlimme Schlafstörungen hinzu", erzählt sie. Die Bewegung an der Luft, das Erlebnis in der Gruppe, das alles sei für sie "wie eine Therapie".

"Die Wenigsten können es sich leisten, darüber zu sprechen."

Claudia Böhringer

Unterstützt wird die "Mood-Tour" unter anderem von der Deutschen Depressionsliga und der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Das Bündnis gegen Depression organisiert zudem am Rande der "Mood-Tour" in größeren Städten Informationsveranstaltungen. Sebastian Burger lädt aber auch Interessenten ein, sich für einen Tag der Tour anzuschließen, und das Anliegen so zu unterstützen. Noch bis zum 15. September werden die Sieben unterwegs sein. Ziel ist dann Berlin. Im Schnitt 55 Kilometer legen sie auf ihrer Tour am Tag zurück. Für die Strecke von Magdeburg nach Tangermünde saßen sie gut vier Stunden auf dem Sattel.

Es ist aber eben nicht nur die Bewegung, die die Rundfahrt für die Teilnehmer zu etwas Besonderem macht, sondern eben auch das Zusammensein. Gekocht wird abends gemeinsam, geschlafen im Zelt oder bei freundlichen Bauern, die ihre Scheune als Herberge anbieten. Auch Claudia Böhringer genießt das einmalige Erlebnis. "Wenn man so unterwegs ist, verfällt man nicht ständig in Grübeleien oder trübe Gedanken wie sonst", sagt sie. Als Betroffene und Vorstandsmitglied der Deutschen Depressionsliga weiß Claudia Böhringer, unter welchem Druck Depressive stehen. "Die Wenigsten können es sich leisten, darüber zu sprechen." Deshalb ist sie dabei. Um sich etwas Gutes zu tun, und dabei auch anderen zu helfen, mutiger und offener zu werden.

So wie auch Gertrud Koop. Schnell kommt sie mit Tangermündern ins Gespräch, informiert über die Tour. Bei ihrem freundlichen Lächeln wird kaum einer ahnen, dass sie unter Depressionen leidet. "Aber ich gehe damit offen um. Und die Tage auf dem Rad haben mir so gut getan."

Infos zur Tour unter: www.mood-tour.de