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Waldbesetzer A-14-Gegner im Forst bei Seehausen sehen „Brandstifter am Werk“

Selten hat ein Ereignis die Öffentlichkeit so polarisiert wie die Besetzung des Seehäuser Stadtforstes bei Losse. Während viele Bürger ein Ende des gesetzeswidrigen Zustands fordern, sympathisieren viele andere mit den Zielen der Autobahngegner.

Von Andreas König 20.05.2021, 18:38
Das Ordnungsamt des Landkreises Stendal hat den Waldbesetzern im Seehäuser Forst in der Vergangenheit bereits ein Ultimatum zum Abbruch der Aktion gestellt.
Das Ordnungsamt des Landkreises Stendal hat den Waldbesetzern im Seehäuser Forst in der Vergangenheit bereits ein Ultimatum zum Abbruch der Aktion gestellt. Foto: Ralf Franke

Seehausen/Osterburg - Ist das noch erlaubter Protest, oder schon strafbar? Gilt die Corona-Eindämmungsverordnung nicht mehr, wenn Menschen über Wochen im Wald campieren in etwa fünf Metern Höhe?

Solcherlei Fragen treiben einen großen Teil der Volksstimme-Leserschaft um. Es wäre nicht seriös, von der „schweigenden Mehrheit“ zu schreiben, denn bislang haben sich die Gegner der Waldbesetzung nicht per Leserbrief (oder E-Mail) an die Volksstimme gewandt. Wohl aber bei Facebook. Dort sind die Kritiker der Besetzungsaktion eindeutig in der Mehrheit. Vor allem der Bericht über den Brand des Seehäuser Bahnhofs als Hauptquartier der Initiative „Keine A14“ bewegt die Gemüter.

Fragen nach dem Beenden der Besetzung

Die Kommentare, die unter den Volksstimme-Berichten zum Thema veröffentlicht werden, sind teilweise an der Grenze zum Hass. So fordern einige Facebook-Nutzer etwa, die Bäume zu fällen, wohlgemerkt, während sich die Demonstranten noch in ihren Baumhäusern befinden. Andere fragen, wie lange der gesetzwidrige Zustand im Wald noch geduldet wird. Eckhard Schröder aus Magdeburg (und Mitglied der Freien Wähler) fragt: „War da nicht eine Frist gesetzt? Oder lief die erst 2022 aus? Was lassen sich die Altmärker denn noch alles gefallen? Wann veranlasst der Landrat die Räumung?“

Marcel Weiß findet: „Richtig so, wenn die da oben nur quatschen, handeln eben andere. Weg mit denen. Die haben da nichts zu suchen! Kommen nicht mal aus unserer Gegend, aus unserer Altmark!“

Gerri Bredefeldt, offenbar ein Youtuber aus Österreich, schreibt: „So radikal wie die verniedlicht bezeichnenden Aktivisten fremdes Eigentum besetzen, wäre es ihnen zuzutrauen, ihr Hauptquartier auch selbst anzuzünden, um weitere Aufmerksamkeit zu erhalten.“

Vorwurf der Hetze und des Aufrufs zur Gewalt

Die Initiative „Keine A14“ hat sich in einer ausführlichen Pressemitteilung zum Thema geäußert, die hier nur auszugsweise wiedergegeben wird: „In der Nacht zum 17. Mai wurde ein Brandanschlag auf unseren Infoladen im Seehäuser Bahnhofsgebäude verübt. Wir sind entsetzt angesichts dieser neuen Eskalation, die sich in eine Reihe etlicher Übergriffe auf die Aktivist*innen im und um den Stadtwald ‚Moni‘ (Monokultur, Anm. d. Redaktion) in den vergangenen Wochen einreiht.“ Ferner ist von permanenten Belästigungen die Rede, von körperlichen Angriffen auf die Waldbesetzer, von versuchten und vollendeten Einbrüchen in den Bahnhof. „Nun also ein Brandanschlag, bei dem in Kauf genommen wurde, dass sich eventuell im Bahnhof aufhaltende Personen sterben“, heißt es. Aufgrund der langen Liste bisheriger Vorfälle müssen wir davon ausgehen, dass auch die Brandstiftung dem Umfeld gewaltbereiter Autobahnbefürworter zuzurechnen ist“, heißt es. Für „Keine A14“ kommt das nicht von ungefähr.

Politiker hätten „Stimmung gemacht“

Seit Beginn der „Aktivitäten für Klimagerechtigkeit“ sei von „geistigen Brandstiftern aus dem politisch rechten Spektrum gegen uns gehetzt und medial Stimmung gemacht worden“, heißt es in der Pressemitteilung. Politiker wie der CDU-Abgeordnete Chris Schulenburg und der Osterburger Bürgermeister Nico Schulz (Freie Wähler) hätten ihre „politische Position ausgenutzt“, um gegen die Initiative Stimmung zu machen.

Der Volksstimme wird in diesem Zusammenhang vorgeworfen, die Auftritte der genannten Politiker „sehr dankbar“ für „tendenziöse Berichterstattung“ genutzt zu haben.

Die AfD, „oute“ sich mit der geplanten Demonstration „am Ort des hinterhältigen Brandanschlags“ als „zumindest ideeller Unterstützer jener, die den möglichen Brandtot von Kritiker*innen im Gebäude des ehemaligen Bahnhofs von Seehausen billigend in Kauf genommen haben“. Gerüchte, die Aktivisten hätten das Feuer selbst gelegt „weisen wir als absolut haltlos und absurd zurück“, heißt es.

Die Presseinformation ist nicht namentlich gezeichnet.

Leserbriefe und Meinungen zum Thema an redaktion.stendal@volksstimme.de