Tangerhütte l Seit Anfang des Jahres wird in Tangerhütte ein Vorhaben diskutiert, das die historischen Industriehallen der ersten Gießerei am Standort Tangerhütte (Damals noch Vaethen) erhalten will. Wie genau das geschehen könnte, das soll im Rahmen von Ideenfindungsphasen, möglicherweise auch einer Art Bürgergenossenschaft, passieren. Rund 40 000 Euro fließen jetzt als Fördermittel nach Tangerhütte rund 10 000 Euro stellt der Verein als Eigenanteil bereit.

Die Fördermittel stammen aus dem Förderprogramm Land(auf)Schwung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, das Projekt „Gießereihallen“ ist als sogenanntes Startprojekt in der Region Stendal eingestuft. Der Landkreis Stendal ist die einzige Förderregion in Sachsen-Anhalt. Für die Umsetzung der Schwerpunktthemen „Nachhaltige Siedlungsentwicklung“ und „Digitalisierung der Altmark“ stehen bis Mitte 2018 rund 1,5 Mio. Euro zur Verfügung.

„Der Förderbescheid ist eine gute Botschaft, nicht nur für das einmalige Industrieensemble, sondern für die Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte insgesamt“, sagt der Fördervereinsvorsitzende, Frank Dreihaupt.

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Denkanstoß für Nutzung

Von einem vorzeitigen Maßnahmebeginn für die Planungen hatte Dreihaupt schon im April gesprochen. Mit den 50 000 Euro, die jetzt in das Vorhaben fließen können, sollen vor allem drei Dinge bewirkt werden. Zunächst solle ein Denkprozess über die künftige Nutzung der Hallen angestoßen werden. Auch das Ausloten der Finanzierungsmöglichkeiten und die Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit rund um die Tangerhütter Industriekultur solle vorangetrieben werden. Geplant ist unter anderem eine eigene Internetseite.

Im Gespräch ist seit Anfang des Jahres bereits eine Art Bürgergenossenschaft, bei der sich Menschen aus der Region finanziell an der Sanierung des Objektes beteiligen. Ob und wie dieser Gedanke umgesetzt werden kann, soll nun untersucht werden.

Eisenverhüttung begann 1842

1842 begann die Eisenverhüttung im heutigen Tangerhütte. Das kleine Bauerndorf Vaethen wuchs mit der „Hütte am Tanger“ und erhielt als „Tangerhütte“ 1935, als letzter Ort in der Altmark, das Stadtrecht. Die Gießerei hat nicht nur die Stadt und Region Tangerhütte geprägt, sondern ist auch ein Stück Industriegeschichte des Landes. Krupp-Gruson hatte sein Kanonentestgelände in Tangerhütte, zahllose Kandelaber, Standuhren und mehr gingen im 19. Jahrhundert von Tangerhütte aus in die ganze Welt.

Erhalten sind bis heute vor allem die schmucken Backsteinfassaden der „Gießerei I“ an der Industriestraße. Rund um die erste Produktionsstätte, eine achteckige Eisengießerei, entstanden die heutigen Industriehallen ab 1896. Sie sind nicht nur Industriedenkmal, sondern auch ein kleines Kunstwerk, denn jedes der gusseisernen Fenster ist etwas Besonderes und die Fenstergalerie zugleich Ausstellungsraum für die eigenen Produkte gewesen.

„Zusammen mit einem Landschaftspark, zwei Schlössern, einem Mausoleum, einem Kunstguss-Pavillon sowie einem künstlich angelegten Wasserfall bildet sie ein in Deutschland einmaliges Ensemble, das erhalten bleiben muss“, sagt Frank Dreihaupt.