Stendal l Unter Beifall wuchtet Norman Gelbke den Spaten in den Boden, ein Häufchen Sand wirbelt durch die Luft. Gut vier Jahre hat der Ortsbeauftragte des Technischen Hilfswerkes (THW) Stendal auf diesen Moment gewartet.

Spaten als Weihnachsgeschenk

Zum Besuch der Volksstimme bot es sich an, den symbolischen Spatenstich für die Erweiterung der Fahrzeughalle vorzunehmen. Wenn auch nur intern, schien allen THW-Mitgliedern dieser Akt sehr wichtig zu sein. „Zu Weihnachten vor vier Jahren haben mir die Kameraden den Spaten geschenkt, in der Hoffnung, dass der Baustart im folgenden Frühjahr erfolgen wird“, erinnert sich Norman Gelbke. Damals sei der Plan für den Anbau bereits besiegelt worden, die Ausführung sollte sich jedoch noch über Jahre verzögern.

Ein Blick in die Fahrzeughalle verrät den Grund für das dringend notwendige Bauvorhaben: Dicht an dicht stehen Spezialtrucks, Kleintransporter, Boote und Ausrüstungszubehör. Zu dicht, sodass die geforderten Sicherheitsabstände nicht eingehalten werden. „Unser Fuhrpark ist mit der technischen Entwicklung und den gestiegenen Anforderungen gewachsen, die Garagen jedoch nicht“, bringt der 44-jährige THW-Chef das Problem auf den Punkt.

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Sicherheitskontrolle deckt Mängel auf

Bei einer Sicherheitskontrolle Anfang 2015 seien Mängel bei Flucht- und Rettungswege im Gebäudetrakt auf dem THW-Gelände in Stendal an der Lüderitzer Straße schon festgestellt worden. Beispielsweise versperren Deichseln die Laufwege in der Halle, im zweigeschossigen Haupthaus fehlt ein zweiter Fluchtweg. Dort befinden sich Umkleide-, Büro- und Schulungsräume sowie Küche und der Sanitärbereich.

Mit dem Bauprojekt, das laut Gelbke rund 750.000 Euro kostet und über ein Sonderprogramm des Bundes finanziert wird, sollen nun die Mängel behoben werden. Das Baufeld hinter der Fahrzeughalle ist bereits eingerichtet. Bäume wurden gerodet, die Erdoberfläche auf rund 50 Meter Breite und 24 Meter Tiefe entsprechend bearbeitet. Dabei haben die Mitglieder des THW mit Hand angelegt. Bis zum Montag müssen die Garagenboxen geräumt sein, „denn dann geht‘s endlich richtig los“, sagt Norman Gelbke.

Halle von beiden Seiten befahrbar

Zunächst wird die hintere Wand der 20 Meter breiten Fahrzeughalle geöffnet, dann die Betonkante entfernt, um die Stahlkonstruktion für den Anbau aufzustellen. Die Konstruktion wird wie die bestehende Halle verplankt und an der Front mit vier Rolltoren versehen.

Im Endeffekt soll die Fahrzeughalle um sechs Meter verlängert werden. „Durch die Toröffnungen an beiden Seiten entfällt das Rückwärtsrangieren, wir können dann jede Garagenbox bequem durchfahren beziehungsweise von beiden seiten befahren“, erläutert der THW-Chef. Neu gebaut werde deshalb eine Umfahrung der Halle, zum Abschluss werde die Freifläche gepflastert.

Treppenturm und neue Damenumkleide

Parallel zur Garagenerweiterung soll ein Treppenturm am Mehrzweckgebäude errichtet und in der zweiten Etage ein neuer Damenumkleideraum eingerichtet werden. „Der alte ist viel zu klein“, begründet Norman Gelbke und kommt dann auf ein anderes „Zuwachs-Problem“, wie er sagt, zu sprechen.

So schön die Aussicht sei, mit der Hallenvergrößerung ab Frühjahr 2020 mehr Platz für Fahrzeuge und technische Ausrüstung zu haben, „trübt sich die Stimmung beim Blick auf unsere Mitgliederzahl von nur noch 18“. Bei einer Sollstärke von 44 werde nicht einmal mehr die Hälfte erreicht, sagt Norman Gelbke, der seit acht Jahren die kreisweite THW-Truppe anführt.

Neue Mitstreiter gesucht

Gesucht werden nicht nur Frauen und Männer, die nach einer Ausbildung mit in den Einsatz ziehen, sondern auch Mitstreiter als Helfer im Hintergrund. Beispielsweise werde Unterstützung bei den Übungstagen, die jeden 2. Samstag im Monat stattfinden, im Bereich versorgung gesucht. Ebenso bei der Pflege der THW-Anglage. Ebenso ist der THW an Mitglieder interessiert, die die Befähigung zur Leitung von einer Kinder- und/oder Jugendgruppe haben. "So könnten wir eine Nachwuchsabteilung aufbauen", begründet Norman Gelbke.

Wer sich interessiert und mehr erfahren möchte, kann sich immer mittwochs um 17 Uhr zu den Dienstabenden beim THW in Stendal, Lüderitzer Straße 150, beim Ortschef Norman Gelbke melden. Telefonisch erreichbar ist er unter: 0177/258 90 70.