Bronzezeitliches Gräberfeld

Archäologen entdecken 3000 Jahre altes Gräberfeld mit 250 Urnen bei Stendal

Auf einem Feld zwischen Möringen und Insel bei Stendal stießen Archäologen bei Grabungen auf ein bronzezeitliches Urnengräberfeld. Dort liegen möglicherweise die sterblichen Überreste von 250 Menschen.

Von Antonius Wollmann 01.08.2021, 16:10 • Aktualisiert: 01.08.2021, 16:17
Grabungsleiter Nikita Sirman (links) und Grabungshelfer Leon Streckbein legen auf einem Feld zwischen Insel und Möringen eine gut erhaltene Urne frei. Bei diesem Fund ging Nikita Sirman das Herz auf.
Grabungsleiter Nikita Sirman (links) und Grabungshelfer Leon Streckbein legen auf einem Feld zwischen Insel und Möringen eine gut erhaltene Urne frei. Bei diesem Fund ging Nikita Sirman das Herz auf. Foto: Antonius Wollmann

Möringen - Das Wetter meint es nicht gut mit den vier Ausgrabungshelfern. In der prallen Sonne tun sie am Freitag auf einem Feld zwischen Möringen und Insel ihren Dienst. Da rinnt dem einen oder anderen schnell der Schweiß in feinen Linien von der Stirn. Wenigstens arbeiten sie in der Gewissheit, dass sie dort unter der Leitung vom Archäologen Nikita Sirman etwas Bedeutsames ans Tageslicht bringen. Rund 70 fast 3000 Jahre alte Urnen haben sie in den vergangenen sechs Wochen geborgen.

„Hier befindet sich ein Friedhof aus der späten Bronzezeit“, sagt Martin Planert, Gebietsreferent am Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, als er zusammen mit dem Grabungsleiter über das Feld führt. Auf dieses stießen sie, weil das Straßenbauunternehmen Papenburg im Rahmen des Baus der A 14 an dieser Stelle Kiessand abbauen möchte. Doch bevor es damit losgeht, sind die Archäologen am Zug.

Viele Urnen in dem Feld bei Stendal sind beschädigt

Viele Urnen sind stark beschädigt worden. Völlig überraschend sei es nicht, dass man auf das Urnenfeld gestoßen ist, sagt Martin Planert. Vielmehr hätte man bereits vor etwa 20 Jahren Hinweise auf dessen Existenz gehabt, als in der Nähe gegraben wurde. „Als wir mit den Grabungen begonnen haben, wurde unsere Annahme voll und ganz bestätigt“, sagt der Gebietsreferent. Bis zu 250 Urnen könnten sich auf dem etwa 1,2 Hektar großen Areal befinden.

In einem guten Zustand befinden sich jedoch die wenigsten von ihnen. Nicht wirklich tief unter der Erdoberfläche, seien viele beispielsweise beim Pflügen zerstört worden, sagt Martin Planert. Doch wenigstens eine wurde in ihrer ganzen Pracht entdeckt. „Da ging mir doch das Herz auf“, sagt Nikita Sirman. „Das Urnenfeld wird sich in der Nähe der Siedlung der Menschen befunden haben“, sagt der Archäologe.

Die Urnenbestattung sei dabei die vorherrschende Form der Beisetzung in der späten Bronzezeit gewesen, während in der mittleren Bronzezeit die Körperbestattungen dominierten. Gewöhnlich wurden die Verstorbenen auf Scheiterhaufen verbrannt. Der sogenannte Leichenbrand, also die Überreste der Toten, anschließend in Keramik-Gefäße gefüllt.

Urnen werden ins Depot nach Halle gebracht

„Zusätzlich hat man die Gefäße mit einem Fundament aus Steinen gestärkt“, sagt Martin Planert. Er geht davon aus, dass auf dem Feld die sterblichen Überreste von Personen jeden Alters und Geschlechts zu finden seien. Theoretisch sei es möglich, die Überreste der Asche noch einmal eingehender auf das Alter der Verstorbenen zu untersuchen.

In manchen Fällen wurden die Urnen mit Grabbeigaben ausgestattet. In Möringen fanden die Archäologen beispielsweise Trinkgefäße in unmittelbarer Nähe der Keramikgefäße. „Welche Vorstellungen die Menschen in dieser Zeit vom Jenseits hatten, ist mangels schriftlicher Zeugnisse aber nicht überliefert. An der Stelle können wir nur spekulieren“, sagt Grabungsleiter Nikita Sirman.

Die Urnen werden nach Halle ins Depot des Landesamtes gebracht. Ob noch weitergehende Untersuchungen folgen, ist bislang noch nicht geklärt.

Nikita Sirman präsentiert ein gut erhaltenes bronzezeitliches Trinkgefäß. Die Archäologen fanden außerdem Scherben und Knochen.
Nikita Sirman präsentiert ein gut erhaltenes bronzezeitliches Trinkgefäß. Die Archäologen fanden außerdem Scherben und Knochen.
Antonius Wollmann