Tangerhütte l Bereits im März hatte es Unruhe unter Eltern gegeben, die sich an einzelnen Stadträte in Tangerhütte wandten, als der Spielplatz in der Wiesenstraße abgerissen worden war. Die Ortschaft sei nicht informiert gewesen, hieß es damals. Bürgermeister Andreas Brohm (parteilos) erklärte schon zu dem Zeitpunkt, dass es nicht der letzte Spielplatz sein wird, der aus finanziellen Gründen zurück gebaut werde.

Ortschaftsrat sollte gehört werden

Inzwischen spricht er von zwei Spielplätzen für das ganze Stadtgebiet, die erhalten bleiben sollen. Und doch habe es weder für den Abriss in der Wiesenstraße noch für den jetzigen Rückbau des Platzes Breitscheidstraße eine Absprache mit der Ortschaft gegeben, sagt Ortsbürgermeister Gerhard Borstell der Volksstimme gegenüber. Ganz im Gegenteil: Er selbst habe mit Bürgermeister Andreas Brohm abgesprochen, dass für Entscheidungen über notwendige Investitionen zum Erhalt der Plätze oder einen Rückbau einzelner Geräte, die nicht mehr herzurichten seien, zunächst der Ortschaftsrat hinzugezogen werde.

Das sieht Andreas Brohm als Bürgermeister der Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte anders: Er sei vom Ortsbürgermeister lediglich gebeten worden, Ausführungen zum Rückbau der Plätze im Ortschaftsrat zu machen, erklärt er auf Nachfrage.

Bilder

Am Ende nur noch zwei Spielplätze

Für den Rückbau gebe es seiner Aussage nach einen Beschluss des Stadtrates, der zusammen mit der Entscheidung für die Sanierung des Abenteuerspielplatzes (Otto-Nuschke-Straße) im Jahre 2016 gefasst worden sein soll. Demnach habe man sich damals schon darauf verständigt, dass der Rückbau auf ganze zwei Spielplätze im ganzen Stadtgebiet erfolgen solle.

Noch 2018 aber hatte sich der Sozialausschuss des Stadtrates auf umfangreichen Spielplatzbereisungen vom Zustand aller Anlagen ein Bild gemacht, um eine Prioritätenliste für Reparatur- und Sanierungsbedarfe der Spielplätze zu erstellen.

Hinzu kommt, dass Ortsbürgermeister Gerhard Borstell, der am Dienstag zufällig vom Abriss in der Breitscheidstraße erfuhr, Andreas Brohm anrief und die Aussage bekam, er wisse nichts vom Abriss des Spielplatzes.

Brohm: Keine andere Möglichkeit

Das erklärt Andreas Brohm auf Volksstimme-Nachfrage so: Aufgrund des Zustandes habe es keine andere Möglichkeit als den Abriss gegeben, das wollte man bei einem Termin mit dem Ortsbürgermeister am gestrigen Mittwochmorgen ohnehin besprechen. „Der Rückbau wäre dann in den kommenden Tagen erfolgt. Die Kollegen im Bauhof waren schneller als unsere Kommunikation mit dem Ortsbürgermeister. Dafür habe ich gestern Abend schon um Verständnis, beim Ortsbürgermeister gebeten.“

Als Gerhard Borstell am Abend in der Breitscheidstraße war, wurde das letzte Spielgerät gerade abtransportiert. Er ist fassungslos, Rutsche und Wippe hätte man durchaus erhalten können, sagt er. Auch die Geräte aus der Wiesenstraße hätten nicht alle entsorgt werden müssen. „Es ist offenbar nicht mehr möglich, Lösungen zu finden“, sagt er.

Eigentlich sollte die Situation der Spielplätze im März auf der Tagesordnung der dann ausgefallenen Sitzung des Ortschaftsrates stehen, man wollte wirtschaftliche Bedarfe und Wege der Unterhaltung prüfen. Von Totalabriss sei bisher nie die Rede gewesen, so Borstell.

Weitere Spielplätze auf der Abrissliste?

Andreas Brohm spricht von einer großen Herausforderung, 44 Spielplätze von Seiten der Einheitsgmeinde zu unterhalten. Jedoch sind nur 29 davon öffentlich zugänglich, wie er auf Nachfrage erklärt. Die restlichen 15 Plätze gehören zu Kitas und Schulen und sind demnach nicht für jeden nutzbar.

Auch der Spielplatz des Tangerhütter Freibades zählt für Andreas Brohm als öffentlicher Spielplatz, auch wenn dieser nur in der Badesaison zugänglich ist. Demnach hatte Tangerhütte bisher fünf Spielplätze, zwei sind bereits verschwunden, nach der Rechnung des Bürgermeisters wäre dann noch einer zu viel.

„Unser Ziel und unser Anspruch ist es, die Auflagen aus Prüfprotokollen zeitnah umzusetzen. Die Sicherheit der Kinder steht dabei an erster Stelle“, betont Andreas Brohm der außerdem auf neue Spielplätze in Stegelitz und dem Tangerhütter Ortsteil Mahlpfuhl (dieser wurde im Ort umgesetzt) verweist. Für Mahlpfuhl und Schönwalde seien außerdem Erweiterungen der Spielplätze über Leader-Fördermittel geplant. Der Spielplatz im Tangerhütter Ortsteil Briest ist hingegen seit Februar 2019 gesperrt und steht ebenfalls auf der Abrissliste.