Tangermünde l Eine so intensive Arbeit wie in der Grete-Minde-Straße hatte Grabungsleiter Thomas Müller während seiner Tätigkeiten in Tangermünde schon lange nicht mehr. Seit vielen Jahren begleitet er Tiefbauarbeiten im Zentrum der Kaiserstadt, kennt die "Unterwelt" und vor allem die Strukturen des früheren Tangermündes so gut wie kaum ein anderer.

Quer über alten Friedhof

Dass die Aufgabe in der Grete-Minde-Straße mit vielen Skelettfunden einhergehen würde, das war ihm klar. Immerhin führt die Minde-Straße seit 1933 einmal quer über den alten Friedhof. "Vom 17. bis 20. Jahrhundert wurden hier die Menschen bestattet", erzählte Thomas Müller am Donnerstagabend. "Ein paar Tote zum Feierabend?", hatte er am Telefon gefragt und damit zu sich auf die Baustelle eingeladen.

Gräber über Gräber

Vor mehr als 100 Jahren waren die letzten Menschen an diesem Ort bestattet worden. In einer Lage von 75 Zentimetern bis zu zwei Meter unter der Oberfläche stoßen Müller und Grabungszeichnerin Sofia Streißenberger deshalb immer wieder auf Bestattungen. "39 in Originallage haben wir bisher gesichert", sagte Thomas Müller. Das bedeutet: 39 vollständige Skelette fanden die beiden vor. Selbst in zwei Metern Tiefe deuten schmale schwarze Linien noch darauf hin, dass dies einst der Sarg war. Auch die bereits 75 Zentimeter unter der Erdoberfläche entdeckten Bestattungen sind mit dem Sarg auf etwa zehn Zentimeter zusammengedrückt gewesen.

Bilder

Neben den vollständigen Skeletten haben die beiden "geschätzt zehn Bananenkisten voll Knochenmaterial" zusammengetragen. Denn längst nicht jede Bestattung wurde füher ordentlich neben oder auf eine andere gelegt, so dass sich überall zwischen den einstigen Särgen Schädel, Knochen und weiteres Beiwerk finden lassen.

Verpacken, beschreiben, kartieren

All das wird von Thomas Müller und Sofia Streißenberger in Plastiktüten verpackt, beschrieben, kartiert, und später, wenn die Grabungsarbeiten beendet sind, noch einmal angefasst. Dann nämlich beginnt die Arbeit des Säuberns, Fotografierens und Aufarbeitens. Alle Funde gehen zum Landesamt für Archäologie nach Halle und werden dort untersucht sowie aufbewahrt.

Um den Bauablauf nur begrenzt aufzuhalten, arbeiten die beiden nicht mit dem Blick zur Uhr. An manchen Tagen sind sie bis 19 oder auch 20 Uhr anzutreffen, um ihr Tagwerk abschließen und am nächsten Tag mit dem nächsten Abschnitt beginnen zu können. "Wir sind sehr froh, dass es auch hier wieder eine gute Zusammenarbeit mit der Stadt und den Stadtwerken gibt", betonte Thomas Müller.