Grieben l "Wir sind die erfolgreichste Schule in der Region, aber die Bedingungen sind so, dass dringend etwas getan werden müsste." Die Erfolge, die Schulleiterin Dörthe Flint für ihre Griebener Grundschule ins Feld führt, begründen sich im pädagogischen Konzept und dem Engagement ihres Teams bei der Umsetzung. Eine ländliche Grundschule, die in die Landschaft passt, in vielerlei Hinsicht.

Die Bedingungen, von denen Flint spricht, sind die Ausstattung und der Bauzustand der Schule. Wärmedämmung? Fehlanzeige, wenn man die Giebelwand zur Straße hin mal ausnimmt. Fenster älter als 30 Jahre, ebenso die Elektroanlage. Barrierefreiheit im Sanitärbereich? Hier noch ein Fremdwort. Es gehe nicht um Luxus, sondern um Dinge, die zeitgemäß und heute eigentlich ganz normaler Standard seien. Dörthe Flint weiß, wovon sie redet. Einige Jahre war sie in der Evaluation unterwegs, eine Art Schulinspektion, die ihr mehr als einen Blick in viele Schulen Sachsen-Anhalts gewährte.

"Unsere Kinder finden das hier an der Schule alle ganz toll. Doch fragt man sie, was sie sich noch wünschen würden, dann kommt als erstes interaktive Tafeln und Tablets."

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18 Millionen Euro allein aus der Biersteuer

Ob der Besuch von Sachsen-Anhalts Finanzminister André Schröder (CDU) sie der Erfüllung Griebener Schülerträume etwas näher bringen würde? Dörthe Flint ist Minuten vor dem Eintreffen des obersten Verwalters der Landeskasse am vergangenen Donnerstag doch eher skeptisch. "Uns würde ja eine Renovierung als erstes schon mal glücklicher machen."

Allerdings: Als Schröder dann in der Tür zum Unterrichtsraum der vierten Klasse steht, findet die Hoffnung auf Besserung wieder Nahrung. Den - fast schon entschuldigenden - Hinweis von Schulleiterin Flint, dass der Schalter fürs Deckenlicht im Raum sich außen neben der Tür befinde, weil zu DDR-Zeiten so installiert, reagiert Finanzminister Schröder: "Daran könnte sich bald was ändern. Denn wir wollen da helfen, mit Geld. Und das muss ja irgendwo herkommen."

Schon hat der pädagogisch augenscheinlich nicht unbegabte Minister die Aufmerksamkeit der Kinder und einen erstklassigen Übergang zum Thema der nächsten knapp 40 "Unterrichts"-Minuten. Gekommen ist er an diesem Nachmittag, um den zehn-, elfjährigen Schülern den Landes-Haushalt zu erklären.

So beantwortet er die entscheidende Frage, woher besagtes Geld denn kommen solle, gleich selbst knapp und einprägsam: "Von denen, die Steuern zahlen." Das seien unter anderem die Eltern der Griebener Grundschüler, ihre Lehrer, aber auch er selbst, denn: "Auch Politiker zahlen Steuern", versicherte der Minister. Auch auf die Flasche Bier, die der Vater abends vielleicht trinkt, lägen Steuern, sicher nur Cent, aber in der Summe doch nicht unerheblich. Im Jahr kassiert das Land aus der Biersteuer 18 Millionen Euro, erzählt Schröder den staunenden Schülern. Wiederfinden würden die sich neben allen anderen Einnahmen im Haushalt. "Politik kennt nur eine Wahrheit. Den Haushalt. Der ist in Zahlen gegossene Politik."

Per Mausklick durch den Haushaltskuchen

Seine an dieser Stelle dann doch etwas fragend schauenden, jungen Zuhörer fängt Schröder mit dem nächsten Satz wieder auf. Selbst mancher Abgeordnete sage, dass sei so viel, dass man es kaum noch verstehe. "Ich wollte das verständlicher machen. Zum Beispiel in Kuchendiagrammen. Da kann man gut sehen, aus welchen Stücken dieser ,Kuchen' Haushalt besteht und wie groß die einzelne Stücke sind."

Auf diese Art visuell schnell zu erfassen, habe er den Landeshaushalt ins Internet gestellt. Dort könne man ihn unter www. sachsen-anhalt.de finden, die einzelnen Kuchenstücke anklicken und bekomme sofort die entsprechende Erklärung dazu. "Und das nennt man dann interaktiv. Das ist der interaktive Haushalt."

Dass es tatsächlich einem Kinderspiel gleicht, sich interaktiv durch den Haushalt zu klicken, zeigt die Probe aufs Exempel. Glück für den Minister: An diesem Tag sitzt mit Richard Garlipp aus dem Nachbarort Schelldorf ein 14-jähriger Gymnasiast in der Griebener vierten Klasse - im Rahmen des "Girls & Boys Days". Während Schröder sich verbal mit den Kindern durch einzelne Haushaltsposten bewegt, hat Richard keine Probleme, ihnen per Mausklicks auf dem interaktiven Haushaltsdiagramm zu folgen.

So werden im Laufe der Stunde Fragen nach dem Woher und Wohin des Geldes in Sachsen-Anhalt mit den Kindern besprochen oder geklärt, warum das Land keine Schulden mehr machen will, Schröder: "Das ist sicher auch in eurem Interesse," denn auf jeden in der Klasse kämen jetzt schon 9000 Euro Landesschulden, die irgendwann auch zurückgezahlt werden müssen.

Fazit des Ministers: "Eigentlich ist die Sache mit dem Haushalt ganz einfach. "Das ist nicht Einstein, das Adam Ries, einfach nur Mathematik."

Dass es dann doch nicht ganz so einfach ist mit dem Landeshaushalt und dem Verteilen des Geldes, ist Thema, nachdem die Viertklässler Sachsen-Anhalts Finanzminister mit Applaus verabschiedet haben und er sich mit Pädagogen der Griebener Schule und Kommunalpolitikern zur lockeren Gesprächsrunde zusammensetzt. Fakt ist, so Schröder gegenüber der Volksstimme: 230?000 Euro wird das Land der Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte für Schulsanierungen zur Verfügung stellen.

Vielleicht klappt's ja mit den Tablets

Eine 90-Prozent-Förderung. Zuzüglich der zehn Prozent von der Kommune soll dieses Geld 2019 für erste Sanierungsarbeiten in der unteren Etage der Griebener Grundschule zur Verfügung stehen. "Das ist zumindest der politische Wille der Kommune", bestätigt Einheitsgemeindebürgermeister Andreas Brohm. Ein Anfang, mehr nicht.

Wie es weitergeht? Die Griebener Grundschule will als eine Folgerung aus dem Gespräch mit Schröder einen Förderantrag stellen. Die Gründung einer Schülerfirma ist geplant, die dann unter anderem Senioren die neue Welt der Computertechnik erklären will. Vielleicht klappt es ja auf diese Weise mit den Tablets.