Tangerhütte (dpa) l Nördlich von Magdeburg ist ein weiteres, 8,5 Kilometer langes Stück der A14 für den Verkehr freigegeben worden. "Heute wird die größte Lücke im deutschen Autobahnnetz ein Stück kleiner", sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) am Montag an der neuen Anschlussstelle Tangerhütte. Der nun befahrbare Teil zwischen den Anschlussstellen Colbitz und Tangerhütte hat rund 98 Millionen Euro gekostet. Es ist der zweite fertige Abschnitt in Sachsen-Anhalt, weitere sind in Bau oder fertig geplant. Von der 155 Kilometer langen sogenannten Nordverlängerung von Magdeburg über Wittenberge bis Schwerin sind 53 Kilometer befahrbar. Das Gesamtprojekt soll Mitte der 2020er Jahre fertig sein.

In der Altmark angekommen

Landesverkehrsminister Thomas Webel (CDU) sagte: "Ein Traum wird wahr. Die A14 ist heute in der Altmark angekommen." Schon in zwei Jahren kämen knapp 15 Kilometer bis nach Lüderitz dazu. Besonders für die Altmärker, die sich die Autobahnanbindung sehnlichst wünschten, sei dieser Baufortschritt ein gutes und wichtiges Signal. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sieht in der Bundesautobahn das beste Konjunkturprogramm für den Norden Sachsen-Anhalts, wie die Staatskanzlei mitteilte.

Baustart für das frische Autobahnstück zwischen den Anschlussstellen Colbitz und Tangerhütte war im Sommer 2017. Laut Bauleiter Steffen Kauert verliefen die Arbeiten reibungslos. Als Fertigstellungstermin war ursprünglich November 2020 vorgesehen gewesen. Auf dem neuen Autobahnabschnitt gebe es keine Geschwindigkeitsbegrenzung, hieß es. Lediglich vor den Ausfahrten ist die erlaubte Höchstgeschwindigkeit begrenzt. Auch zwischen Wolmirstedt und Colbitz, wo bisher Tempo 120 galt, werden die "Streckenverbote" aufgehoben. In Sachsen-Anhalt war seit 2014 nur dieses rund sechs Kilometer lange Stück der A14-Nordverlängerung befahrbar.

Hohe ökologische Aufwendungen

Lange wurde um den Weiterbau gestritten. Ein Kompromiss zwischen der Planungsbehörde und der Umweltschutzorganisation BUND machte 2016 den Weg frei. Die ökologischen Aufwendungen für das Gesamtprojekt sind hoch. Von den fünf Überführungen am jetzt fertiggestellten Abschnitt ist eine Fledermäusen, eine weitere Wildtieren vorbehalten. Es gibt Krötenzäune und -tunnel und Schutzwände für Fledermäuse und Vögel. Umfangreiche Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen sollen den Eingriff in die Natur kompensieren. Landesverkehrsminister Webel bezeichnete die Einigung als beispielgebend für ganz Deutschland.

Bei Dolle entsteht das größte Einzelprojekt an der gesamten A14-Neubaustrecke. Die einseitige Tank- und Rastanlage wird 147 Pkw-, 125 Lkw-, 12 Busparkplätze, Kurzzeitparkplätze sowie einen Großraum und Schwertransportparkplatz bieten. In drei Jahren, wenn das nächste A14-Stück übergeben werden soll, soll auch diese Anlage fertig sein.

Der knapp 15 Kilometer lange Folgeabschnitt von Dolle bis Lüderitz wird seit Sommer 2018 gebaut. Er soll 2023 fertig sein. Baurecht liegt für die Abschnitte Lüderitz – Stendal-Mitte sowie Stendal-Mitte - Osterburg vor. Dort und für das ebenfalls fertig geplante Stück von Seehausen bis zur Landesgrenze laufen die Bauvorbereitungen. Gleiches gilt für die Strecke Seehausen-Nord bis Wittenberge mit Elbquerung. Für die anderen beiden Bauabschnitte in Sachsen-Anhalt, Dahlenwarsleben – Wolmirstedt sowie Osterburg – Seehausen, stehen die Planungen vor dem Abschluss.

Gesamtkosten über 1,5 Milliarden Euro

Die Gesamtkosten für den Autobahn-Lückenschluss zwischen Magdeburg über Wittenberge bis Schwerin werden auf 1,5 Milliarden Euro beziffert. Von den insgesamt 155 Kilometern liegen etwa 97 Kilometer in Sachsen-Anhalt, 32 Kilometer im Land Brandenburg und 26 Kilometer in Mecklenburg-Vorpommern. Nach ihrer Fertigstellung soll die A14 von Nossen im Süden bis Wismar an der Ostseeküste führen.