Bindfelde l Wer die Bindfelder Dorfstraße in westlicher Richtung hinunter fährt, steht nach kurzer Zeit vor einem bäuerlichen Gehöft. Das Außergewöhnliche, aber seit Jahren Normale an diesem Bauernhof: er steht jedermann offen. Ebenso normal ist das Gewirr von Kinderstimmen, das den Besucher schon am Tor von weitem entgegenschallt. Es ist das Tor zur „Kindertagesstätte auf dem Bauernhof“, in der zurzeit 75 Kinder betreut werden. Dass von ihnen am Dienstag dieser Woche nicht all zu viele anzutreffen waren, hat einen Grund: Es sind Ferien und so manches Kita-Kind ist nicht in der Einrichtung.

Polizeirevier: Kein Einsatz

Weit dramatischer klingt das, glaubt man Gerüchten, die sich in den vergangenen Tagen um die Bindfelder Kindertagesstätte zu ranken begannen: Die Kita müsse geschlossen werden, die Geschäftsführerin sei von der Polizei des Platzes verwiesen worden, wird behauptet.

Nichts von dem konnten die Recherchen der Volksstimme bestätigen, nicht einmal ansatzweise. Es gab keinen Polizeieinsatz, der in irgend einer Weise mit der Bindfelder Kita in Zusammenhang stand, teilt die Pressestelle des Stendaler Polizeireviers auf Nachfrage mit.

Dorothea Schulz, die auch Gesellschafterin der Schulz-Völz GmbH ist, arbeitet weiterhin auch als Geschäftsführerin der GmbH. Als solche war sie am Dienstag auf dem Kita-Gelände anzutreffen, führte gern und gewohnt freundlich über das weitläufige Areal, zeigte jüngst fertig gestellte Projekte und solche, die kurz vor Inbetriebnahme stehen. Den neuen Wasserspielplatz zum Beispiel, der wie vieles andere im Außenbereich von den Kita-Kindern sowie von den Mädchen und Jungen der auch von der Schulz-Völz GmbH betriebenen freien Grundschule auf dem Bauernhof genutzt wird.

Ungeachtet all dessen gehen ihr die Gerüchte um die Kita und das angeblich über der Kita schwebende Aus an die Substanz. Nachdem Dorothea Schulz einige Tage damit konfrontiert war, wirkt sie etwas dünnhäutig. Kein Kommentar, noch nicht, zu späterer Zeit gern. Ganz ähnlich äußerst sich Guido Völz, Prokurist der GmbH. Intern gebe es Dinge, die einer Klärung bedürfen. Das werde auch geschehen. Gespräche dazu seien bereits und würden auch weiter mit den betreffenden Behörden geführt. All das habe jedoch keinen Einfluss auf die Betreuung der Kinder. Hier laufe alles wie bisher. Guido Völz sagt, den Schließungsgerüchten zum Trotz:

Interessante Projekte anvisiert

„Der Betrieb läuft weiter, definitiv.“ Ein Fakt, der auch Dorothea Schulz dann noch einen – fürs Erste – abschließenden Satz wert ist: „Wir blicken in die Zukunft. In der werden wir eine Menge Angebote machen, schöne, interessante Projekte anbieten.

Zu den „betreffenden Behörden“, die Guido Völz anspricht, gehört das Jugendamt des Landkreises Stendal, das von der Volksstimme ebenfalls angesprochen, unabhängig und ohne Wissen vom Besuch der Redaktion in der Bindfelder Kita über die Pressestelle des Landkreises zu Protokoll gibt: Weder sei die Kita auf dem Bauernhof in Bindfelde geschlossen, noch sei ihr die Betriebserlaubnis entzogen. Auch gebe es keinen Gerichtsbeschluss zur Schließung, der mit der Polizei durchgesetzt werden sollte.

Was derartigen Gerüchten Nahrung gegeben haben könnte, ist die Tatsache, dass es „Hinweise“ gegeben habe, „die erlaubnisrelevanten Inhalt hatten“, schreibt der Landkreis. Daraufhin sei ein „formelles Betriebserlaubnisverfahren eröffnet“ worden. Dazu gehöre, so ist der Pressemitteilung zu entnehmen, „eine entsprechende Beratung des Trägers zu den Möglichkeiten, festgestellte Mängel oder Verstöße abzustellen.“

Ob und welche Auswirkungen das laufende Betriebserlaubnisverfahren für den Betrieb der Einrichtung haben wird, könne erst nach Abschluss des Verfahrens gesagt werden. Auch dann erst können Aussagen zu möglichen Auflagen getroffen werden.