Stadtgeschehen

Bauernmarkt in Stendal: Sanierung oder Neubau?

Für die Zukunft der Stendaler Bauernmarkthalle in der Bruchstraße soll ein Neubau nicht die einzige Option sein. Der Stadtrat möchte, dass auch eine mögliche Sanierung weiter im Spiel bleibt.

Von Donald Lyko
Die Zukunft der Bauernmarkthalle in Stendal bleibt weiter ungewiss.
Die Zukunft der Bauernmarkthalle in Stendal bleibt weiter ungewiss. Archivfoto: Donald Lyko

Stendal - Neubau oder Sanierung? Der Stadtrat will sich noch nicht festlegen. Ganz im Gegenteil: Er möchte sich mehrere Möglichkeiten offen halten. Darum wurde ein Antrag der Fraktion Freie Stadträte Stendal/Bürger für Stendal ergänzt und dann fast einstimmig beschlossen.

Mit ihrem Antrag hatte die FSS/BfS-Fraktion eine Richtung vorgeben: Die Stadtverwaltung soll beauftragt werden, eine Planung und Kostenermittlung für die Errichtung eines zweckmäßigen Ersatzneubaus für die Bauernmarkthalle vorzunehmen. Vielen Stadträten war das aber zu eng gefasst.

„Ich glaube, wir sind uns einig: An der Sinnhaftigkeit der Halle zweifelt niemand. Aber der Antrag geht zu sehr in Richtung Ersatzneubau“, sagte der CDU/Landgemeinden-Fraktionsvorsitzende Thomas Weise. Er plädierte dafür, dass auch die Kosten für eine Sanierung aufgelistet werden und dies im Antrag formuliert wird.

Frist bis zum 1. September

Das übernahm der FSS/BfS-Fraktionsvorsitzende Christian Röhl selbst und fügte dem Beschlusstext „... und andere Varianten, wie beispielsweise Sanierung, ...“ hinzu. Sein Wunsch für die spätere Entscheidung: Dass nicht nur auf die billigste Variante geschaut wird, sondern auf die zukunftsträchtigste. Auf Antrag der AfD-Fraktion wurde zudem die Frist um einen Monat verlängert: Die Verwaltung hat nun Zeit bis zum 1. September, die Prüfung vorzunehmen. „Dann können wir noch in diesem Jahr eine Entscheidung treffen“, so der Fraktionsvorsitzende Arno Bausemer. Im FSS/BfS-Antrag ist zudem formuliert, dass ein Architekturbüro beauftragt werden soll, falls die Verwaltungskapazitäten nicht ausreichen, um den Prüfauftrag zu erfüllen.

Eine schnelle Entscheidung, darüber würde sich Georg-Wilhelm Westrum, Leiter des Amtes für Stadtumbau und Sanierung, freuen: „Die Halle beschäftigt uns schon zu lange. Uns wäre es lieb, wenn schnell gehandelt wird.“ Begonnen hatte die Debatte 2018, als Dachschäden bekannt wurden und nach kurzer Sperrung der Halle eine behelfsmäßige Stützkonstruktion aufgebaut wurde. Seither läuft die Diskussion. In der müssten verschiedene Punkte betrachtet werden, so Westrum. Für die Sanierung spreche zum Beispiel, dass beim Abriss des Gebäudes der Bestandsschutz verwirkt wäre und die Genehmigung eines Neubaus schwierig werden dürfte.

Zwei Lager drohen

Die bisherigen Debatten haben gezeigt, was Rico Goroncy (Linke) so zusammengefasst hat: „Jetzt spalten wir uns in zwei Lager: Neubau oder Sanierung.“ Für ihn ist dabei aber eines wichtig: „Hauptsache, es wird schön und im Sinne des Betreibers.“ An den denkt er auch für den Neubau-Fall. Dann müsse für die Regionalanbieter eine Überbrückung geschaffen werden, eine Ersatzfläche. Das könnte aber Auswirkungen auf die Kundenbindung haben, befürchtet der Linke/Grüne-Fraktionsvorsitzende Joachim Röxe. Rico Goroncy sieht in der Sanierung eine Chance, „denn das Gebäude hat durchaus Charme. Wir sollten die Substanz im Auge behalten.“ Jörg Schwarzer (Bürger für Stendal) findet hingegen einen Neubau – auch wenn Sanierung kostengünstiger wäre – reizvoll. Sein Plädoyer dafür formulierte er als Frage: „Verwehren wir uns nicht die Chance, ein städtebauliches Kleinod zu schaffen?“

Eigene Vorstellungen, wie eine Sanierung laufen könnte, hat Thomas Stelle, Mitglied der CDU/Landgemeinden-Fraktion. Bei einem Vor-Ort-Treffen vor drei Wochen hatte er sie schon kurz umrissen. Nun wolle er „dem Bauamt Hinweise von Baufirmen geben“, kündigte Stelle im Stadtrat an. Seiner Schätzung nach würden Abriss und Neubau mindestens gut eine Million Euro kosten und damit mehr als eine Sanierung.