Kremkau l „Wenn ein Bauer mit seinem Traktor von Mainz nach Berlin fährt, dann macht er das nicht aus Langeweile“, stellt Martin Oberender unweit eines Mahnfeuers bei Kremkau fest. Der Lohnunternehmer hatte die Aktion auf dem Lagerplatz der Firma Stiemert zusammen mit Heiner Rübsamen vom Handelshof Bismark organisiert. Bismarks Bürgermeisterin Annegret Schwarz erklärte sich solidarisch mit den Landwirten und schaute bei Nieselregen am Mahnfeuer vorbei.

Zusammenschluss im Internet

Zu bundesweiten Mahnfeuern am 7. Dezember hatte die Bewegung „Land schafft Verbindung“ aufgerufen. Die Protestbewegung ist erst im Oktober entstanden, in kürzester Zeit schlossen sich Landwirte und Akteure der vor- und nachgelagerten Bereiche der Landwirtschaft auf Facebook und WhatsApp zusammen. Mittlerweile sind nach Angaben der Initiative 23.000 Menschen bei Facebook und über 100.000 bei WhatsApp angemeldet.

Für großes Aufsehen hatte „Land schafft Verbindung – Wir bitten zu Tisch“ am 26. November gesorgt, als sich Tausende von Bauern aus ganz Deutschland auf den Weg zu einer Traktor-Demo in Berlin aufmachten. Die Traktoren und Landwirtschaftsmaschinen sorgten in Berlin, aber auch auf den Anfahrtswegen für ein Verkehrs-Chaos.

Altmärker in Berlin dabei

Mit dieser Sternfahrt wollten die Landwirte in der Hauptstadt für mehr Mitspracherecht bei der Agrarpolitik protestieren. Die Veranstalter sprachen von rund 40.000 Teilnehmern und 5.600 Fahrzeugen am Brandenburger Tor, die Polizei hatte sogar 8.600 Traktoren gezählt. Martin Oberender aus Kremkau war mit zwei Traktoren beteiligt.

Die Demonstranten forderten in Berlin mehr Mitsprache bei Neuregelungen zum Umwelt- und Tierschutz, den Stopp der Agrarpakete sowie mehr Wertschätzung für die Landwirtschaft. „Den Bauern geht es nicht um ein bestimmtes Problem“, erklärte Martin Oberender am Sonnabend am Mahnfeuer in Kremkau. „Mittlerweile geht es um die Summe aller Probleme in der Landwirtschaft.“

Bewegung fordert eine öffentliche Debatte

Die Bewegung „Land schafft Verbindung“ fordert eine öffentliche Debatte. Zu den Zielen der Initiative gehören unter anderem die Förderung der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft, die wissenschaftliche Begründung rechtlicher Vorschriften sowie das Denken in Generationen und nicht in Kampagnen.

Trotz allem befürchten Beteiligte wie Martin Oberender aber auch nach der Berliner Groß-Demo und den damit verbundenen Gesprächen mit der Politik, dass die jetzige Agrarpolitik ohne Einsicht und Zugeständnisse fortgesetzt wird.