Tangerhütte l Die Buche wächst nur langsam, ist aber besonders gut an heimische Klima- und Bodenbedingungen angepasst und sie gilt mit Hinblick auf den Klimawandel als eine der wichtigsten forstlichen Baumarten. Diese „Mutter des Waldes“, wie sie Forstleute gern nennen, wurde jetzt in rauen Mengen abgeholzt und das konnte Naturfreund Rico Langner nicht einfach hinnehmen.

Er sprach die Beteiligten auf dem Gelände der ehemaligen Förderschule an der Birkholzer Chaussee an und erntete einfache Erklärungen: Die Bäume müssten weg, weil sie die Bewegungsfreiheit der Schüler einschränken könnten, habe man ihm mitgeteilt. „Ich habe denen gesagt, mich ärgert das! Schließlich kann man auch um so einen Baum herumrennen!“

Schulhof statt Bäume

Etliche Bäume – die Zahl kann nur grob auf 30 und mehr geschätzt werden – fielen den Sägen zum Opfer. Wie der Landkreis auf Volksstimme-Nachfrage informiert, wurden nur der Wildwuchs sowie Bäume mit geringem Stammdurchmesser (etwa 50 cm) beseitigt. Hintergrund seien die Vorbereitungen des ehemaligen Schulgebäudes als Ausweichstandort für die Tangerhütter Gemeinschaftsschule ab kommendem Sommer. Der Bereich, in dem jetzt abgeholzt wurde, soll als Schulhof für die Schüler genutzt werden.

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Eine Abstimmung zum Umfang der Maßnahme hat es mit dem Umweltamt gegeben. Da das betroffene Grundstück der Schule innerhalb eines im Zusammenhang bebauten Ortsteiles liegt, gilt nicht die Gehölzschutzverordnung des Landkreises. Die Stadt Tangerhütte hat keine Baumschutzsatzung, daher dürfen Gehölze im gemäß Bundesnaturschutzgesetz erlaubten Zeitraum vom 1. Oktober bis 28. Februar beseitigt werden.

Mehr als 100 Jahre alt

Rico Langner spricht von Bäumen, die mehr als 100 Jahre alt waren, und davon, dass das Ganze „klimatechnisch eine Kata­strophe“ sei. Baumberechnungsportale im Internet geben für 50 Zentimeter Stammdurchmesser bei Rotbuchen ein Alter von knapp 100 Jahren aus, augenscheinlich waren die gefällten Bäume aber unterschiedlich alt. Bestand haben dafür große Eichen, die aus Sicherheitsgründen beschnitten worden sind, weitere Begradigungs-Maßnahmen seien in diesem Bereich nicht geplant, heißt es aus dem Landkreis.

Die ehemalige Förderschule „Rosa Luxemburg“ war bis Juli 2011 als Bildungsstätte für lernbehinderte Schüler genutzt worden und stand dann lange leer. Ab Ende 2015 zogen für einige Wochen Flüchtlinge in das zur Gemeinschaftsunterkunft umgestaltete Gebäude ein, danach blieb die Liegenschaft des Landkreises wieder ungenutzt. Wenn das Schulgebäude der Gemeinschaftsschule „Wilhelm Wundt“ ab kommendem Jahr umfassend energetisch saniert wird, soll der Schulbetrieb ausgelagert werden – in die ehemalige Förderschule. Gebaut werden soll voraussichtlich vom 16. Juli 2020 bis zum 31. März 2022.