Stendal | „Wir können das Quartier deutlich aufwerten und in der Innenstadt einen Schandfleck beseitigen“, machte Fabian Schwarzlose von der Stendaler Mk.5 GbR, die das Bauprojekt seit 2016 plant, deutlich. Dazu gehören das Freihaus Marienkirchstraße 5 – zuletzt war dort eine Änderungsschneiderei –, der Verbinderbau und der Speicher hinter der Kreissparkassen-Filiale Poststraße.

Das Freihaus soll denkmalgerecht saniert werden, für den seit vielen Jahren leerstehenden Speicher sind ein Teilabriss und ein Neubau geplant. Der soll sich vom „Block“ des jetzigen Speichers unterscheiden, der Neubau wird in den Etagen eine gebrochene Stuktur bekommen. Vorgesehen sind fünf Etagen – und darin liegt aktuell das Problem, warum die Stadtverwaltung dem Vorhaben die Genehmigung verweigert, für das im September vergangenen Jahres die Bauvoranfrage gestellt worden war.

Gebäude laut Stadt zu hoch

„Grundsätzlich begrüßen wir die Investition“, sagte Planungsamtsleiter Axel Achilles im Ausschuss für Stadtentwicklung. Allerdings müsse sich die Verwaltung an geltendes Recht halten. In diesem Fall das Baugesetzbuch, das in Paragraf 34 regelt, dass sich Neubauten „in die Eigenart der näheren Umgebung“ einfügen müssen, das Ortsbild dürfe nicht beeinträchtigt werden. Ausschlaggebend sei dabei nicht, ob der Neubau von der Marienkirchstraße oder der Breiten Straße aus zu sehen ist oder nicht, reagierte Achilles auf einen Einwand der Investoren, sondern das direkte Umfeld.

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Die städtebauliche Struktur des Quartiers sei nicht nur geprägt durch die straßenseitige Bebauung bis zu einer Tiefe von 15 Meter, sondern vorwiegend von Seitenflügeln und Hintergebäuden, die sich bis zu einer Tiefe von zirka 49 Metern in das Quartiersinnere erstrecken. Und deren Gebäude haben nicht die vorgesehene Höhe des Fünfgeschossers.

Der ist mit 17 Metern geplant, die Seitenflügel und Hintergebäude liegen bis auf das einzeln stehende Gebäude weit unter 13,40 Meter. Der Neubau ist aus planungsrechtlicher Sicht kein Problem, wenn es ein Geschoss weniger hätte, sagte der Amtsleiter. Nach jetzigem Stand halte die Stadt den Fünfgeschosser „nicht für genehmigungsfähig“, so Achilles: „Diese Höhe geht leider nicht.“ Sollte es eine Genehmigung geben, könnte es von Nachbarn zu Klagen kommen.

Wenn durch das Bauvorhaben nach Ansicht der Genehmigungsbehörde die gegebene Situation im Quartier verschlechtert, gestört, belastet oder sonst negativ beeinträchtigt wird, sprechen Fachleute von sogenannten bodenrechtlichen Spannungen. Um diese zu lösen, wäre ein Vorhaben- und Erschließungsplan eine Möglichkeit. Aber auch der könnte beklagt werden, erklärte der Amtsleiter.

Wohnungen, Geschäfte und Tiefgarage geplant

Für Architekt Matthias Klug vom Büro Planquadrat, der für die Familie Schwarzlose das Projekt betreut, müsste es dazu nicht kommen: „Es ist und bleibt eine Ermessensentscheidung der Verwaltung.“ So sahen es auch einige der Ausschussmitglieder. „Vielleicht sollten sich beide Seiten aufeinander zu bewegen, denn das Argument muss sein: Wie kann man die Fläche in der Innenstadt herrichten, dass alle etwas davon haben“, sagte Katrin Kunert (Linke). Der Linke/Grüne-Fraktionsvorsitzende Joachim Röxe erbat von der Verwaltung eine schriftliche und zeitnahe Antwort auf die Frage, welche Möglichkeit der Ausschuss habe, Entscheidungen zu treffen, das Bauvorhaben möglichst nach den Vorstellungen des Investors umzusetzen.

Der möchte am Vorhaben festhalten. „Wir denken, die fünfte Etage wäre vertretbar“, sagte Fabian Schwarzlose. Darum wolle man weiter versuchen, das Projekt mit der fünften Etage umzusetzen. Die GbR hätte gern schon mit der Umsetzung begonnen, „weil wir ein schlüssiges Konzept gefunden haben, welches wir nicht an 1,32 Meter Höhenunterschied über First scheitern lassen wollen“. Dieser Unterschied würde zwischen dem jetzt dort stehenden Speicher (15,68 Meter) und dem geplanten Fünfgeschosser bestehen. Zum Vergleich: Das Freihaus an der Marienkirchstaße hat eine Höhe von 16,67 Meter, das benachbarte Stadthaus 19,60 Meter. Als Plus für den Neubau und das Gesamtbild des Quartiers sehen die Investoren, dass fast ein Drittel der Baumasse (Summe aller Rauminhalte) eingespart wird. Derzeit hat der Speicher eine Baumasse von 8413 Kubikmeter, beim Neubau wären es knapp 5800 Kubikmeter.

In allen drei Gebäuden zusammen – Freihaus, Verbinder und Neubau – sollen zusammen 22 Wohnungen entstehen, dazu an der Marienkirchstraße zwei Geschäfte (100 beziehungsweise 60 Quadratmeter). Der Plan sieht eine Tiefgarage mit 14 Stellflächen vor sowie 1000 Quadratmeter für Grünflächen und Parkplätze. Beim Neubau sollen, den Nachbargebäuden folgend, Ziegel als Elemente aufgenommen werden.