Stendal l In der Altmark war Michael Ankermüller noch nie. Gerade deswegen freute sich der gebürtige Bayer auch, seine dreitägige Reise als „Altmark-Blogger“ antreten zu können. „Ich hoffe zu sehen, dass es auch hier tolle Initiativen gibt, die ihre Umgebung aktiv mitgestalten. Ich freue mich auf neue Blickwinkel und Inspirationen, die ich vielleicht auch nicht unbedingt erwartet hätte.“

Thema liegt ihm am Herzen

Der Wahlberliner ist Journalist und Blogger, schreibt also auf einer eigenen Internetseite über Themen, die ihm besonders am Herzen liegen. Bei Ankermüllers Blog geht es unter anderem auch um das Leben auf dem Land und dessen Vorzüge. Einer der Hauptgründe, warum Björn Gäde von der Lokalen Aktionsgruppe „Uchte-Tanger-Elbe“ ihn als diesjährigen Altmark-Blogger ausgewählt hat: „Letztes Jahr hatten wir zwei Reiseblogger nominiert, die auch vorrangig aus touristischer Sicht über die Altmark berichtet haben. Dieses Jahr wollten wir uns mehr auf das Landleben konzentrieren. Und von den insgesamt neun Bewerbern hat Michael Ankermüller einfach am besten gepasst, da er sich selbst schon viel damit beschäftigt hat.“

Altmark als Alternative

Die Aktion dient dazu, die Altmark auch über ihre Grenzen hinaus bekannter zu machen. Und sie soll Stadtbewohnern, die die Hektik, Ano­nymität und die steigenden Mieten satt haben, die Altmark als attraktiven Wohnraum schmackhaft machen. Besonders für Menschen, die in Berlin arbeiten, aber nicht leben wollen, könnte die Stendaler Region eine passende Alternative sein, meint Gäde. Man müsse den Leuten eben nur die Alternative aufzeigen.

Dafür ist Blogger Ankermüller hier. Nach und – wenn es die Zeit zulässt – auch während seines Besuches wird er auf seinem Blog und in sozialen Netzwerken über die Altmark berichten. Gestern startete die dreitägige Tour mit einer kleinen Führung durch die Hansestadt und einem Frühstücksbesuch in der Kleinen Markthalle. Marion Zosel-Mohr berichtet über den Werdegang der Markthalle, über den steinigen Weg, aber auch über die unzähligen Helfer, die das Projekt überhaupt erst möglich gemacht haben und nun seit fast einem Jahr am Leben erhalten. Sie erzählt von immer mehr Menschen, die die Hauptstadt hinter sich lassen und hier ein neues Zuhause finden. „Wir brauchen Leute, die von außen kommen und was bewegen wollen. Sie bringen die Kreativität mit, die uns hier vor Ort vielleicht auch manchmal feht“, sagt sie.

Frage nach kreativem Potenzial

Ankermüller hört interessiert zu, ist angetan von den regionalen Projekten. Wie viel kreatives Potenzial es in Stendal gebe? In manchen Ortsteilen funktioniere es sehr gut, in anderen müsse die Idee von gemeinschaftlicher Gestaltung erst noch fruchten. „Da ist definitiv noch Luft nach oben“, meint Gäde.

Weiter ging es für den Hauptstädter dann nach Werben, um sich vor allem die zum Verkauf stehende Domkomturei anzusehen. „Dort geht es vor allem um den Luxus der Leere und das Potenzial, das leerstehende und vielleicht auch günstige Immobilien bieten können“, sagt Gäde. Am Abend war noch ein Ausflug in die kürzlich eröffnete Brauerei in Tangermünde inklusive Übernachtung geplant.

Besuch in Grundschule

Für heute steht ein Besuch auf dem Biohof in Schernebeck an und in Kleinschwarzlosen, wo Zugezogene einen eigenen Hof aufbauen wollen. Dem Tangerhütter Schloss soll bei der Gelegenheit auch noch ein Besuch abgestattet werden. Am Freitag trifft sich Ankermüller mit Rückkehrern in Tangermünde und besucht die Grundschule in Bindfelde, als einen alternativen Lernort.

Warum Ankermüller selbst nicht auf dem Land lebt? „Offen gesagt, fehlt mir dazu noch der Mut. Ich habe ein bisschen Angst, mit meiner Art zu leben und meiner Kreativität nicht richtig anzukommen. Ich habe ein tolles Umfeld in Berlin, das ich so leider bisher noch in keiner ländlichen Gegend gefunden habe.“