Stendal l Rund 20 Menschen stehen am vergangenen Mittwoch in einer Schlange vor dem Winckelmann-Gymnasium in Stendal. Sie wollen zur Blutspende des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Die Schlange erstreckt sich kurz nach 16 Uhr über den gesamten Schulhof, weil sich die Besucher an die Abstandsregeln halten. Es ist nur ein Vorgeschmack auf das Maß an Sicherheit, das wegen des Coronavirus bei der Blutspende angewandt wird.

„Ich weiß auch nicht, ob ich noch will“, sagt André Fleischer, als er sich an das Ende der Schlange stellt. „Das war der erste Schreck“, sagt seine Frau Kathrin. Die Schlange wirkt auf den ersten Blick länger als erwartet. Corona bereitet den Stendalern keine Sorge. „Das ändert nichts für uns“, sagt André Fleischer. „Und dauern tut es immer lange“.

Rund eine halbe Stunde – dann ist man zumindest im Gebäude und aus der prallen Sonne raus. DRK-Mitarbeiter haben mittlerweile einen Tisch mit Getränken vor das Backsteingebäude gestellt und Wasser verteilt. Sie tragen Gesichtsmasken und Handschuhe.

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Helfer hinter Glasscheiben

„Der beste Schutz bist du!“, steht auf einem Aufsteller im Eingang. Dieser erklärt, welche Personen das Blutspendelokal nicht betreten dürfen: Menschen die im Ausland waren oder Kontakt zu infizierten Personen hatten. Es wird auch auf Händewaschen und das richtige Niesverhalten hingewiesen.

Die erste Station – ein DRK-Mitarbeiter mit Maske und Handschuhen fragt, ob man im Ausland war, Kontakt mit infizierten Personen hatte oder kürzlich krank war. Die Hände werden desinfiziert und Temperatur an der Stirn gemessen.

Weiter zur Aufnahme der Personalien. Die DRK-Helferin sitzt hinter einer Glasscheibe. Es wird nicht die einzige sein, die Spender an dem Tag sehen werden. In einem Raum, in dem sonst Chemie unterrichtet wird, füllen Besucher ihre Blutspendeformulare aus – mit rund 1,5 Metern Abstand zwischen den Sitzplätzen.

Station Nummer drei, das Labor. Eine ältere Dame vom DRK trägt ein Schutzvisier zusätzlich zur Maske. Erneut wird Temperatur gemessen und die Frage nach dem Auslandsaufenthalt und zu Kontaktpersonen gestellt. Dann pikst es kurz im Finger und mit einem Tropfen Blut wird der Hämoglobinwert gemessen, also der Anteil an Sauerstoffträgern in den roten Blutkörperchen.

Vor dem Arztzimmer bildet sich erneut eine Schlange. Auch Tom Matysiak besucht das Winckelmann-Gymnasium an diesem Tag. Er geht regelmäßig zum Blutspenden. Beim DRK fühle er sich sogar besser aufgehoben als beim Hausarzt, wenn es um die Hygiene geht. „Ich weiß, wie sie hier arbeiten. Das ist durchorganisiert und strukturiert. Da habe ich keine Angst“, sagt der Stendaler.

Mehr Spender als sonst

Auch Teamarzt Jürgen Gennermann sitzt hinter einer Glasscheibe. Durch eine schmale Öffnung unter der Scheibe greift er nach dem Arm der Spender, misst Blutdruck und stellt die Fragen, die Besucher bereits zweimal gehört haben.Der Rentner aus Havelberg empfiehlt nach der Spende „auf jeden Fall noch was zu trinken“. Kaffee, Wasser oder Saft können sich Besucher jederzeit im Flur des Schulgebäudes holen.

Station Nummer fünf – die Blutabnahme. Ein Mann sitzt erneut hinter einer Glasscheibe und nimmt das ausgefüllte Formular entgegen, auf dem man Fragen zu Vorerkrankungen oder Sexualleben beantworten muss. Im Raum geben vier bis fünf Menschen gleichzeitig Blut ab.

Jana Peter erklärt, dass das Blut unter anderem auch auf Hepatites A bis C geprüft wird. Sie und zwei weitere DRK-Helfer tragen Schutzvisiere, da sie mit Spendern in hautnahen Kontakt kommen. Auf Corona wird man nicht getestet. Das Virus könne über das Blut nicht übertragen werden, teilte Professor Hans-Gert Heuft vom Institut für Transfusionsmedizin in Magdeburg mit.

Ein paar wenige Handgriffe und ein kurzes Stechen später läuft das Blut bereits in einen Beutel. 500 Gramm werden abgezapft. Rund fünf bis zehn Minuten dauert der Vorgang.

Das Entfernen der Nadel ist schmerzhafter als der Stich zuvor. Der Arm wird verbunden und zur Belohnung wird ein Imbiss-Paket gereicht, inklusive Osterei. Normalerweise gibt es ein Buffet, sagt Monika Brinckmann-Büttner vom DRK. Doch wegen der Corona-Regeln gibt es die Verpflegung auf die Hand. 108 Blutspender, davon 21 Erstspender, waren an diesem Tag vor Ort. „Das ist eine hohe Zahl“, sagt Brinckmann-Büttner. Sonst sind es rund 30 weniger.