Stendal l Was aus Ruinen werden kann, hat Thomas Barniske jeden Tag von seinem Büro im BIC aus vor Augen: Auf dem Gelände der ehemaligen Ogema werden die einstigen Fabrikgebäude in Wohnungen verwandelt. Was viele Jahre leerstand und zwischenzeitlich immerhin zur Theaterkulisse taugte, soll nun wieder dauerhaft belebt werden. Wenn es nach Barniske und seinem Team vom Leerstandsmanagement geht, soll es so mit weiteren Brachen sowie leerstehenden Häusern und Höfen passieren.

Dass die Altmark nicht nur viel weites Land auszeichnet, sondern eben auch verfallende Gebäude, ist nicht neu. Und doch wundert man sich zuweilen, dass sich jahre- oder jahrzehntelang einfach nichts tut. Thomas Barniske erklärt sich das so: „Es fehlen Informationen oder sie werden nicht ausgetauscht. Eigentümer und potenzielle Interessenten finden oft nur schwer zueinander.“ Die Kommunen tragen letztlich die Last aus negativer Außenwirkung und kostspieliger Gebäudesicherung.

2000 Objekte erfasst

Das soll sich mit dem Brachen- und Leerstandsmanagement samt dem Internetportal „Luxus der Leere“ ändern. Hier können Gebäude oder Grundstücke insbesondere in der Ostaltmark mit Bild und knappen Informationen eingestellt oder gesucht werden. Noch ist das Ganze im Aufbau, finden sich von Arneburg, Achterstraße 31, bis Werben, Marktstraße 6, aktuell gerade 16 Einträge.

Die Grundlage für die anvisierte Gesamtschau hat das BIC bereits geschaffen. „2012/13 haben wir damit angefangen, alle leerstehenden Objekte im Landkreis Stendal zu erfassen, sind die Dörfer abgefahren und haben uns mit den Verwaltungen in Verbindung gesetzt“, erklärt Thomas Barniske. So wurden etwa 2000 Gebäude und Flächen dokumentiert – von Wohnhäusern über Landwirtschaftsgebäude bis hin zu Gewerbegebieten und Deponien. Es sind leerstehende Objekte oder solche, die von Leerstand bedroht sind, zumeist in kommunalem Eigentum. Einige hätten inzwischen sogar schon den Besitzer gewechselt.

Hilfe für schwierige Fälle

Der Landkreis Stendal sei in Sachsen-Anhalt der einzige, der eine solch umfangreiche Datenbasis erarbeitet habe, sagt Barniske. „Aber Daten alleine nützen nicht viel, wir brauchen Strategien zur Vermarktung.“ Deshalb werden Eigentümer von Leerstands- oder Brachobjekten über das Portal ebenso dabei unterstützt, Nutzungsmöglichkeiten zu entwickeln und Förderprogramme zu finden. „Wir sind auch Ansprechpartner bei der Erarbeitung von Strategien für Liegenschaften mit ungünstigen Zukunftsperspektiven“, sagt Barniske. Problematisch sei es häufig bei Gebäuden in Privatbesitz: „Da sind die Eigentümer oftmals nicht vor Ort und wissen gar nicht um den Zustand ihrer Immobilie.“

Nicht immer neu bauen

Nicht nur, dass Leerstand und Verfall kein gutes Erscheinungsbild abgeben – sie untermauern zudem den Eindruck von Aufgegebensein. Ländliche Entwicklung sieht anders aus. Dem will man mit der Initiative unter dem markigen Slogan „Luxus der Leere“ begegnen. Und ebenso ein Bewusstsein dafür schaffen, dass nicht immer neu gebaut werden muss. „Diesem Trend wollen wir entgegenwirken“, sagt Barniske, „da es nicht nötig ist, immer neue Flächen zu versiegeln und zu bebauen, wenn die Substanz schon vorhanden ist und genutzt werden kann.“ Dass die Zielgruppe dafür nur bedingt in der Altmark selbst zu finden ist, ist den Leerstandsmanagern klar, wie Barniske eingesteht. „Darum wollen wir unsere Aktivitäten auch im Berliner Raum bekanntmachen, von wo es viele ja ins Ländliche zieht.“

Von den anfangs zehn beteiligten Kommunen sind nun noch sieben dabei: die Verbandsgemeinden Arneburg-Goldbeck, Seehausen und Elbe-Havel-Land sowie die Einheitsgemeinde Stadt Bismark, die Hansestadt Havelberg, die Stadt Kalbe (Milde) und die Hansestadt Stendal. „Die Bürgermeister sind sich einig, dass man diese Zusammenarbeit am Laufen halten muss“, sagt Barniske. Zunächst läuft die Kooperation, die die beteiligten Partner gemeinsam finanzieren, bis September 2019. Im April soll das nächste Treffen stattfinden.