Tangerhütte l Solche Schandflecke gibt es in wohl allen Ortschaften der Einheitsgemeinde Tangerhütte: verfallende Bauerngehöfte, seit Jahren ungenutzte LPG-Gebäude, alte Deponien oder Brachflächen, die verunkrauten. Diese sollen nun erfasst und im besten Falle verkauft und einer neuen Nutzung zugeführt werden. Ein entsprechender Beschluss passierte die jüngste Stadtratssitzung mehrheitlich.

Dabei folgt Tangerhütte dem Beispiel der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck, der Stadt Bismark und der Hansestadt Osterburg. Dort hat das Modellprojekt „Brachflächen- und Leerstandsmanagement“ seinen Ursprung. Bereits 2013 wurde in diesen Kommunen begonnen, entsprechende Objekte ausfindig zu machen. Die Dörfer wurden regelrecht durchkämmt. Mittlerweile entstand ein gemeinsamer Katalog, in dem all diese Brachen registriert sind. Neben Tangerhütte schließen oder schlossen sich auch die Stadt Kalbe und die Verbandsgemeinde Seehausen diesem Brachflächenmanagement an.

Bisher förderte das Land dieses Modellvorhaben. Ab 2017 stehen Mittel aus dem Programm „Landaufschwung“ bereit. Laut Förderantrag betragen die Gesamtkosten im Projektzeitraum 92 000 Euro. Die beteiligten Kommunen müssen Eigenmittel in Höhe von 18 400 Euro zur Verfügung stellen. Tangerhütte zahlt in 2017 2500 Euro und im Jahre 2018 600 Euro.

Koordiniert wird das Projekt von Arneburg-Goldbeck aus. Dort hat der sogenannte Brachflächenmanager seinen Sitz. Er erfasst die entsprechenden Objekte und Flächen und aktualisiert die Zusammenstellung ständig. Bei seiner Arbeit ist er auf die Mithilfe der Ortsbürgermeister angewiesen, die ihre Ortschaften am besten kennen.

Aus alten Silos können Biotope werden

Er muss die Eigentümer, egal ob privat oder kommunal, ausfindig machen. Die Daten findet er im Grundbuch oder im Steueramt. Anschließend werden die Besitzer, teilweise auf der ganzen Welt verteilt, gefragt, ob sie zur Zusammenarbeit bereit sind. Gemeinsam wird dann nach Möglichkeiten einer neuen Nutzung gesucht, per Internet, per Katalog oder auf Immobilienmessen werden potenzielle Kaufinteressenten angesprochen. Wer sein Objekt selber nutzen möchte, bekommt auch Tipps zu Fördermöglichkeiten.

Oft handelt es sich allerdings nur noch um Ruinen, dort hilft dann die Abrissbirne. Die frei werdenden Flächen sind schließlich als Baugrundstücke von Interesse. Auch der Verkauf an Investoren, die Flächen für sogenannte Ersatzmaßnahmen benötigen, ist möglich. Werden nämlich Flächen durch beispielsweise Windanlagen oder Straße versiegelt, müssen andere Areale der Natur zurückgegeben werden. So könnte aus einer alten Siloanlage ein Biotop werden.

Der parteilose Tangerhütter Bürgermeister Andreas Brohm nannte das Projekt einen kostengünstigen Einstieg in die Vermarktung der Problemobjekte. Im Zuge des demografischen Wandels würden beispielsweise für die Einheitsgemeinde bis 2020 1200 leerstehende Wohnungen prognostiziert werden. Die bisherigen Aktivitäten von Arneburg-Goldbeck, Osterburg und Bismark unter dem Motto „Luxus der Leere“ seien deutschlandweit auf Anerkennung gestoßen.

Vonseiten der CDU-Fraktion gab es Bedenken. Marcus Graubner fürchtete, dass dann künftig keine neuen Baugebiete mehr ausgwiesen werden. Werner Jacob zweifelte an der Ortskenntnis der Projektmitarbeiter und Detlef Radke forderte, die Wirtschaftsförderung, wozu das Leerstandsmanagement zähle, stärker in der eigenen Kommune anzusiedeln. Letzten Endes setzten sich die Befürworter bei sechs Gegenstimmen durch.