Stendal l Es ist 20 Jahre her, da ereignete sich in Stendal eine kleine Medienrevolution. Jeder Stendaler, der sich einmal beim Fernsehen ausprobieren wollte, hatte plötzlich die Möglichkeit dazu. Der Bürgerrundfunk war endlich in der Stadt angekommen. Im Jahre 1998 hatte die Landesmedienanstalt Sachsen-Anhalt dem vorher gegründeten Verein Offener Kanal die Sendelizenz erteilt.

Im Jahr darauf ging es dann richtig los. Die Räumlichkeiten im Haus der Verein wurden bezogen, das Studio eingerichtet. „Am 27. August 1999 lief unser erster Beitrag“, erinnert sich Andreas Bredow noch ganz genau an die Premiere. Der Mahlwinkler muss es wissen. Schon damals führte er die Geschäfte des Vereins, zeichnet somit für die inhaltliche Ausrichtung verantwortlich, während Bernd Zürcher dem Verein vorsitzt.

Offener Kanal hat Nutzer jeden Alters

Blickt Andreas Bredow auf die Anfangstage zurück, wird er sogar ein bisschen nostalgisch. Viel Enthusiasmus sei bei den Initiatoren dabei gewesen, viel Neugierde und die Lust, etwas Neues auszuprobieren. Und natürlich der Anspruch, Bürger jeden Alters davon zu überzeugen, sich als Fernsehmacher auszuprobieren.

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An dieser Haltung habe sich im Prinzip nichts geändert in all den Jahren, merkt er an. Einzig, dass man personell besser aufgestellt sei als vor 20 Jahren. Zwei fest angestellte Mitarbeiter tun regelmäßig ihren Dienst, hinzukommen ein Auszubildender und eine Frau, die ihren Bundesfreiwilligendienst beim Offenen Kanal absolviert. Unterstützt werden sie von einigen Ehrenamtlichen. Im Laufe der Zeit sei die Zahl der regelmäßigen Nutzer auf 25 angewachsen. „Mit neun hatten wir angefangen. In der Kartei stehen 736 Namen“, berichtet Andreas Bredow. Zwar würden nicht alle regelmäßig das Angebot in Anspruch nehmen, mit der Zahl könne man trotzdem zufrieden sein. Vor allem, weil Menschen fast jeden Alters Fernsehen machen wollen. „Da sind wir gut aufgestellt. Auch wenn die Gruppe der 40- bis 50-Jährigen die größte ist“, wie der Geschäftsführer bemerkt.

Minderheiten eine Plattform geben

Für die Mitarbeiter der kleinen Sendeanstalt außerdem auch immer von großer Bedeutung gewesen: Menschen, eine Stimme zu geben, die im Alltag nicht so viel Aufmerksamkeit erhalten. Mit dem Blinden-und Sehbehindertenverband wurden Projekte verwirklicht, ebenso mit dem Altmärkischen Gehörlosenverein. „Thematisch wollen wir möglichst vielfältig sein. Ob musikalisch, sportlich, historisch oder politisch. Wenn etwas passiert, wollen wir da sein“, beschreibt Andreas Bredow den Ansatz.

Gleichzeitig kann sich das Bürgerfernsehen neuen Entwicklungen nicht verschließen, profitiert von ihnen im selben Atemzug auch.

Waren die Sendungen vor 20 Jahren nur im klassischen Kabelnetz zu empfangen, ist die Reichweite mittlerweile viel höher. „Das satellitengestützte HbbTV ist dazu gekommen, außerdem streamen wir live im Internet“, sagt Andreas Bredow.