Stendal/Bismark l Etwas kurz angebunden ist die Mitarbeiterin des Bismarker Pflegeheims „Neue Heimat" am Montagvormittag. Ist ja auch kein Wunder. Das Coronavirus stresst das Personal ohnehin schon gewaltig und nun spielt sich hinter der Eingangstür fast schon Historisches ab. Wobei die Nachrichten endlich einmal gute sind. „Ja, es wird geimpft. Sowohl Bewohner als auch Personal", ist der Mitarbeiterin der Einrichtung immerhin zu entlocken. Dabei kommen die Impfwilligen nicht nur aus der „Neuen Heimat", sondern auch noch aus einem zweiten Bismarker Pflegeheim. Gegen 9.30 Uhr fiel der Startschuss für die Immunisierung. Ein kleiner Pikser Hoffnung sozusagen, nachdem in den vergangenen Wochen die Infektionszahlen in der Region unaufhörlich gestiegen waren.

Insgesamt 140 Personen wurde der Impfstoff verabreicht, teilt die Kreisverwaltung mit. In 21 Tagen erhalten sie die zweite Gabe, die für die Immunisierung nötig ist. Wie hoch die Impfquote am Montag lag – also wie viele der in Frage kommenden Personen tatsächlich zur Impfung bereit waren – beantwortete die Pressestelle des Landkreises bis zum Redaktionsschluss nicht.

Apotheker bereitet Impfstoff vor

In den Morgenstunden war das sechsköpfige mobile Impfteam der Johanniter Unfall-Hilfe in Bismark angerückt. Verstärkt wurde es von dem Bismarker Hausarzt Thomas Kellner und Uwe Sänze, Apotheker im Ruhestand. Während Kellner die Spritzen setzte, bereitete Sänze den gefroren ins Heim gelieferten Impfstoff auf.

„Es hat sehr gut funktioniert für das erste Mal. Das lag auch daran, dass die Heimleitung sehr gut vorbereitet war", schätzt Friedhelm Cario vom DRK-Kreisverband ein. Er ist für Koordination der Aktion zuständig. Die Impfungen seien zügig verabreicht worden. Jedoch sei es aus seiner Sicht kaum machbar, mehr als die am Montag vorgenommenen 140 Impfungen pro Tag zu realisieren. „Das liegt vor allem am bürokratischen Aufwand", merkt Cario an.

Impfdosen im Impfzentrum gelagert

Am Sonntag war die sehnsüchtig erwartete Lieferung von 490 Impfdosen in Stendal angekommen und zunächst im Impfzentrum gelagert worden. Jedoch deutete Landrat Patrick Puhlmann (SPD) bereits an, dass diese Menge kaum ausreichen werde, um die Ausbreitung des Coronavirus in absehbarer Zeit zu stoppen.

Bis eine kritische Masse an Impfungen erreicht ist, würden noch einige Monate vergehen, teilt der Landrat mit. Deshalb appelliert er an die Bürger, so verantwortlich wie möglich zu handeln.

„Jeder ist also weiterhin verantwortlich, die alltäglichen Maßnahmen wie Abstand, Mund-Nasen-Bedeckung, Hygieneregeln und die Reduzierung von Kontakten einzuhalten", stellt Puhlmann klar. Priorität habe die Vermeidung von Neuinfektionen.

Pflegeheime werden weiter geimpft

Derweil steht der Impfplan bis Mittwoch. Nach wie vor liegt der Fokus auf Seniorenheimen. Heute geht es in Seehausen weiter. Dort waren nach den Weihnachtsfeiertagen verstärkt Neuinfektionen zu verzeichnen.

Nach Informationen der Volksstimme soll auch dem Johanniter-Krankenhaus noch vor dem Jahreswechsel eine gewisse Menge an Impfstoff zugeteilt werden.