Stendal l Am Sonntagmittag hat Landrat Carsten Wulfänger (CDU) in einem Pressegespräch auf Nachfrage noch geäußert, dass er seinen Nachfolger Patrick Puhlmann (SPD) „sachgerecht“ über die Entwicklung der Corona-Ereignisse im Landkreis informieren werde. Wie dieser Austausch sich konkret darstellt, dokumentierte Wulfänger am Montagmorgen.

Im Landratsamt hatte Wulfänger um 8.30 Uhr zu einer Sitzung mit Amts- und Sachgebietsleitern in den großen Raum „Stendal“ zu einer Corona-Krisensitzung eingeladen. Als er seinen Nachfolger Patrick Puhlmann (SPD) erblickte, komplementierte Wulfänger ihn kurzerhand vor versammelter Verwaltungsspitze hinaus. Es half da auch nichts, dass Patrick Puhlmann, der am Donnerstag offiziell als Landrat einsteigen wird, darauf verwies, dass er per E-Mail eine Einladung aus dem Landratsamt zu der Sitzung erhalten hatte. „Es tut mir Leid für Ihre Zeit“, sagte Wulfänger. Aus der Runde der Amtsleiter erfuhr die Volksstimme, dass der Rausschmiss mit Entsetzen und Befremden zur Kenntnis genommen worden war.

Eine Entschuldigung erfolgte am Nachmittag

Auf Nachfrage zu dem Rausschmiss äußerte Carsten Wulfänger gestern in einer Pressekonfeerenz zur Corona-Krise: „Das war eine interne Sitzung der Verwaltung.“ Dass Patrick Puhlmann eine Einladung erhalten habe, dies sei irrtümlich geschehen. Für den nachfragenden Journalisten gab es folgenden Hinweis: „Sie wollen Herrn Puhlmann wohl zu einem Star in der Krise aufbauen und da passt Ihnen das hier nicht in den Regieplan.“

Für Patrick Puhlmann selbst passt zumindest die Abfuhr in seine Erfahrungen der vergangenen Tage. In einer Presseerklärung ließ er gestern die örtlichen Medien wissen, dass er bis dato fest davon ausgegangen sei, dass er im Zuge des Amtsinhaberwechsels zumindest beim Thema Corona/Covid 19 mit einbezogen werde. „Die Realität hat mich eines Besseren belehrt“, sagt Puhlmann. Er habe am Freitag sowohl den Landrat als auch den 2. Beigeordneten Sebastian Stoll (CDU) angefragt und angeboten, in den Informationsfluss und die Krisengespräche mit Bürgermeistern und dem Land einbezogen zu werden. Eine Reaktion darauf habe er von keinem der beiden erhalten. Gespräche mit Bürgermeistern des Landkreises insbesondere zur Schulproblematik fanden am Wochenende – ohne den designierten Landrat – statt.

Am Montagnachmittag nach dem Eklat erhielt Patrick Puhlmann von Carsten Wulfänger einen Anruf, in dem dieser sich dafür entschuldigte, dass er versehentlich eine Einladung zu der verwaltungsinternen Sitzung erhalten habe. Gleichzeitig lud Wulfänger ihn ein, an Gesprächen teilzunehmen, die am heutigen Dienstag mit Vertretern des Landes vereinbart sind.

Puhlmann fühlt sich „eher sabotiert“

„Ich habe das Angebot selbstverständlich angenommen“, sagte Puhlmann. Er habe ab kommenden Donnerstag verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Er müsse einen regelmäßigen und lückenlosen Informationsfluss zwischen Landkreis, Bürgermeistern und allen anderen Akteuren im Gesundheits- und Pflegebereich, in Kitas und Schulen und so weiter sicherstellen. „Dazu brauche ich bereits jetzt klare Einblicke in die Absprachen und Prozesse im Amt und darüber hinaus“, sagte Puhlmann. Nur so könne ein nahtloses Krisenmanagement sichergestellt werden und er der informierte Ansprechpartner sein, den die Bürger in der Situation benötigen. „Alles zusammengenommen fühle ich mich im Moment leider eher sabotiert als informiert“, schrieb Puhlmann in seiner Erklärung.

Die Situation müsse nun nicht zu unnötiger Verunsicherung führen, sagt der kommende Landrat. „Ich habe großes Vertrauen in die Fachebenen im Landratsamt.“ Er arbeite daran, dass beim Amtsinhaberwechsel „nicht die haarkleinste Information zu Corona“ verlorengehe. Er habe bereits am Sonntag Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) darum gebeten, ihn stärker bei Informationen und Krisengesprächen einzubeziehen. Das Sozialministerium habe dies zugesagt. Er habe die Bürgermeister des Landkreises über seinen Informationsstand informiert, sagte Puhlmann.

Carsten Wulfänger kündigte am Montagmittag an, dass er am gestrigen Abend die Fraktionsvorsitzenden aus dem Kreistag über die aktuelle Situation informieren werde. Mit dabei sollte auch Patrick Puhlmann sein, der derzeit noch die SPD-Fraktion im Kreistag anführt.

Bei der Sitzung sollte es im Übrigen auch darum gehen, wie mit der Kreistagssitzung am Donnerstag umgegangen wird und unter welchen Umständen diese stattfinden kann. Immerhin kommt dort gewöhnlich eine größere Menschenmenge zusammen, allein 48 Sitze gibt es. Dazu kommen Mitarbeiter der Verwaltung, Besucher und Medienvertreter. Ein Tagesordnungspunkt der Sitzung ist die Vereidigung des neuen Landrates.