Stendal l Mitten in das emsige Treiben von Handwerkern platzt die Nachricht: Ab Montag, 2. November, müssen Restaurants und Hotels schließen. „Ich hatte so sehr gehofft, dass man uns wenigstens das Tagesgeschäft lässt und meinetwegen eine Sperrstunde vorschreibt und Alkoholverbot ausspricht“, sagt André Weihrauch. Den Stendaler Unternehmer treffe die erneute Komplettschließung zur Eindämmung der Corona-Pandemie „mitten ins Herz“, wie er sagt.

Hoffen auf sinkende Corona-Zahlen

Mehrere 100 000 Euro habe der Familienbetrieb in die Modernisierung von zwei Restaurants im Stendaler Stadtzentrum gesteckt. Während das eine seit Juli geöffnet ist, wollte der 60-Jährige das alte „Coffee Inn“ im neuen Look Ende Oktober wieder eröffnen. Das könne er nun vergessen. Schlimmer noch: „Ich habe bereits extra Leute wieder eingestellt. Mitarbeiter, die mangels Aufträge bei Messen und Events zum Nichtstun verdammt waren und nun endlich wieder zurück in ihren Beruf kommen sollten.“

Wie weiter? André Weihrauch bleibt, wie wohl allen, die vom erneuten Lockdown in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht sind, nur die Hoffnung, dass die vorübergehende Totalschließung wirklich was bringt. Dass die täglichen Fallzahlen von Corona-Infizierten wieder drastisch sinken und ein Niveau erreichen, das es erlaubt, zur Corona-Normalität zurückzukehren.

Ohrfeige direkt ins Gesicht

Die Branche, die nach der ersten Welle im Frühjahr zu den Letzten gehörte, die ihre Betriebe wieder hochfahren durfte, sei mittlerweile gut gewappnet für die Krise. „Wir haben ausgearbeitete und per Verordnung bestätigte Hygienekonzepte, geschultes Personal, verständnisvolle Gäste und damit letztlich auch sehr geringe Infektionszahlen“, sagt Christian Schulz. Der Tangermünder, der eine Brauerei und ein Hotel betreibt, habe wenig Verständnis, dass genau diese Branchen wieder dermaßen abgestraft wird. Er sehe weder Verhältnismäßigkeit, noch könne er es einem unbeteiligten Dritten logisch und nachvollziehbar erklären.

„Warum darf ich mich beispielsweise zusammen mit hunderten anderen Menschen gleichzeitig und auf engstem Raum in einem Straßenbahn- oder U-Bahn-Waggon aufhalten, aber nicht mehr ins Restaurant gehen?“ Eine andere Gastronomin aus dem Landkreis Stendal spricht in Bezug auf die Einschränkung für die Branche von „einer Ohrfeige direkt ins Gesicht“.

Kritik an Unverhältnismäßigkeit

Er wolle keine Branche gegeneinander ausspielen, dennoch sieht auch der Kreischef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) eine Unverhältnismäßigkeit. „Die ist klar da“, sagt Manfred Hippeli. Andererseits gebe es Berufskollegen, die sagen, „dass es momentan wirtschaftlicher wäre, wenn es zu einer Schließung kommt als ständig Hoch- und Runterfahren für nichts“.

Der Dehoga-Kreischef, der in Havelberg selbst ein Restaurant und Hotel betreibt, wisse um den Sinkflug seiner Branche. „Deshalb ist es wichtig, dass die von der Bundesregierung angekündigte Hilfe wirklich kommt.“ Für den finanziellen Umsatzausfall soll es Ersatz geben, „keinen Kredit“. Und: „Hoffentlich haben wir nach dem Lockdown die Pandemie wieder im Griff, damit nicht auch noch das Weihnachtsgeschäft völlig wegbricht.“