Psychiatrie

Darum wird der Maßregelvollzug in Uchtspringe erweitert

Die Forensische Psychiatrie von Salus in Uchtspringe beherbergt psychisch kranke Straftäter. Sie befinden sich im Maßregelvollzug, der aktuell überfüllt ist. Daher soll die Einrichtung erweitert werden. Pläne gibt es bereits.

Von Leonie Dreier 05.07.2021, 17:18
Das Hauptstationsgebäude des Maßregelvollzugs in Uchtspringe soll am Ende des nächsten Jahres erweitert werden. Der Anbau wird innerhalb des Areals entstehen.
Das Hauptstationsgebäude des Maßregelvollzugs in Uchtspringe soll am Ende des nächsten Jahres erweitert werden. Der Anbau wird innerhalb des Areals entstehen. Foto: Viktoria Kühne

Uchtspringe - „Der Maßregelvollzug in Uchtspringe ist aktuell überbelegt“, begründet Franka Petzke, Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Salus-Klinik, die Erweiterung der Einrichtung. Aktuell sind in Uchtspringe und in der Außenstelle Lochow 296 Personen untergebracht. „Davon befinden sich 18 Personen im sogenannten Probewohnen außerhalb der Einrichtung“, sagt die Mitarbeiterin. Die Standorte Uchtspringe und Lochow haben jedoch eine Kapazität von 264 Betten.

Neben der Überbelegung sind auch veränderte Krankheitsbilder, die eine längere Therapie brauchen, der Grund für die Vergrößerung, heißt es in einer Pressemitteilung der Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt. Kommt es dauerhaft zu einer Überbelegung, könne sich die Aggressivität der Patienten steigern. Das Personal müsse unter höherer Belastung arbeiten. Das hätte negative Folgen für den Therapie-Erfolg.

Aus diesem Grund soll der Standort in Uchtspringe um einen Anbau am Hauptstationsgebäude innerhalb des gesicherten Klinikgeländes erweitert werden, erklärt Franka Petzke auf Nachfrage. Dort ist ein „Erweiterungsbau mit insgesamt 30 Plätzen nebst Funktions-, Neben- und Büroräumen vorgesehen.“ 15 Plätze gehören zur Pflegestation, die immobile und pflegebedürftige Patienten aufnimmt. Die anderen 15 Plätze sollen zur hochgesicherten Station gehören.

Maßregelvollzug Uchtspringe: Der Bau soll zwei Jahre dauern

Nach aktuellem Stand soll Ende 2022 der Bau beginnen, der rund zwei Jahre Zeit in Anspruch nimmt. Ab Anfang 2025 kann der Anbau genutzt werden, informiert die Pressemitarbeiterin. Die Landesregierung plant für das Vorhaben rund 18 Millionen Euro ein.

Wer wird überhaupt in den Maßregelvollzug nach Uchtspringe eingewiesen? Die Einrichtung, die zur Salus-Klinik gehört ist keine Justizvollzugsanstalt im klassischen Sinne, sondern eine forensische Psychiatrie, genauer gesagt ein psychiatrisches Krankenhaus.

Dort werden Straftäter untergebracht, die beispielsweise unter Schizophrenie, Persönlichkeitsstörungen, schweren Depressionen oder hirnorganischen Störungen leiden. Sie sind dadurch eine Gefahr für die Gesellschaft. Das Gericht kann psychisch kranke Täter für nicht oder vermindert schulfähig erklären. Die eingewiesenen Patienten haben beispielsweise Sexualstraftaten, Brandstiftungen, Diebstähle, Körperverletzungen oder Todesdelikte begangen.

Maßregelvollzug Uchtspringe: Patienten sollen geheilt werden

„Ziel der Unterbringung ist es, die Patienten so weit wie möglich zu heilen oder zu bessern, dass sie keine Gefahr mehr für die Allgemeinheit darstellen“, beschreibt Franka Petzke. Die Eingewiesenen sollen ein straffreies Leben führen können. Wenn möglich, werden sie langsam in die Gesellschaft integriert.

Dafür lernen sie unter anderem die Grundregeln des sozialen Miteinanders, die Gestaltung des Alltags sowie die gewaltfreie Konfliktbewältigung. Die Patienten können sich dort weiterbilden und ihren Hauptschulabschluss nachholen oder an berufsvorbereitenden Maßnahmen teilnehmen. Je nach Therapie-Erfolg werden Lockerungen vom begleiteten Einzelausgang bis zum Probewohnen außerhalb der Klinik genehmigt.

Maßregelvollzug Uchtspringe: Sicherheitskonzept bleibt bestehen

Gerade weil der Maßregelvollzug gefährliche Straftäter beherbergt, könnte der geplante Anbau nicht allen Bürgern gefallen. Trotzdem rechnet Franka Petzke nicht mit Gegenwind. „Mit dieser Erweiterung werden regionale Arbeitsplätze neu geschaffen beziehungsweise gesichert“, begründet sie.

Zudem entstehe der Anbau innerhalb des bestehenden Areals, sodass sich für die Bevölkerung nichts ändere. „Es wird weder ein neuer Standort ausgewiesen noch am strengen Sicherheitskonzept gerüttelt.“ Der Anbau werde in das Sicherheitskonzept integriert. Hochsicherheitszaun, Kameras und Wachschutz sichern den Bau. „Insofern gehen wir von einer Akzeptanz in der Bevölkerung aus und werden über das Bauvorhaben, sobald die Planungen ausgereift sind, transparent informieren.“

Das Gelände des Maßregelvollzugs in Uchtspringe ist mit einem Hochsicherheitszaun umgeben.
Das Gelände des Maßregelvollzugs in Uchtspringe ist mit einem Hochsicherheitszaun umgeben.
Foto: dpa