Wolf

Debatte um den Wolf: Soll das Raubtier in das Jagdrecht aufgenommen werden?

Der Stendaler Bundestagsabgeordnete Marcus Faber (FDP) spricht sich für die Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht aus. Die Jägerschaft Stendal, das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie und der Altmärkische Verein für Schafzucht und Schafhaltung positionieren sich zu diesem Thema.

Von Leon Zeitz
Durch vermehrtes Aufeinandertreffen von Mensch und Wolf steht erneut die Debatte um die Aufnahme ins Jagdrecht im Raum Symbolfoto: dpa

Stendal. Das Bild des „großen, bösen Wolfs“ hat sich fest in den Köpfen der Menschen verankert. Mittlerweile sind die Raubtiere Mittelpunkt einer ernsten Debatte: Muss der Wolf ins Jagdrecht?

Der Stendaler Bundestagsabgeordnete Markus Faber (FDP) spricht sich für eine Aufnahme des Wolfs in das Jagdrecht aus. „Es muss endlich etwas passieren.“ Schafhalter erleiden immer wieder Verluste und Wölfe wurden schon in der Nähe von Kinderbetreuungseinrichtungen gesichtet.

Auch der Vorsitzende des Altmärkischen Vereins für Schafzucht und Schafhaltung Andreas Schmidt ist ein Befürworter dieser Forderung. Für ihn stellt der Wolf eine Bedrohung für den Menschen und vor allem für Nutztiere dar. „Es werden immer wieder zig Schafe tot aufgefunden. Ein Bekannter hat bereits 133 Schafe durch Wolfsangriffe verloren“, sagt er. Gerissene Tiere hinterlassen nicht nur einen finanziellen Schaden, sondern wirken sich auch emotional auf die Schäfer aus. Dabei würden Andreas Schmidt und auch andere Schäfer alles für den Schutz der Schafe tun. Er habe 1.40 Meter hohe Zäune aufgestellt, doch Wölfe sind in der Lage, über diese hinüberzuspringen.

Es gibt auch die Möglichkeit durch ausgebildete Hunde die Tiere zu schützen, doch können Hunde gegen ein Rudel Wölfe auch nichts ausrichten und sind dann selbst bedroht, so Schmidt. „Wölfe sind schöne und intelligente Tiere, doch sie passen nicht in das menschliche Leben“, erklärt er. Seiner Meinung nach muss eine Regulation der Wolfspopulation durch das Jagdrecht geschehen.

Gegenstimmen vom Ministerium für Umwelt

Jenny Schwarz, Pressesprecherin des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft und Energie in Magdeburg sieht die Sache anders. „Aus unserer Sicht führt die Diskussion um eine Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht ins Leere.“ Viel wichtiger sei es, Weidetiere angemessen vor Wolfsangriffen zu schützen, da der Wolf nicht lernen darf, dass es auf einer Weide leichte Beute gibt. Dabei bietet das Land viel Unterstützung an, um Nutztiere zu schützen. „Herdenschutz ist gleichzeitig Wolfsschutz“, teilt sie der Volksstimme mit.

Sie stimmt zu, dass sich vor allem Jungwölfe unerfahren und neugierig gegenüber dem Menschen verhalten können.

Bei einer Wolfsbegegnung sollten Spaziergänger ruhig bleiben und dem Tier Zeit geben, sich zurückzuziehen. Wer sich unwohl fühlt oder Angst hat, kann auch in die Hände klatschen, gibt Jenny Schwarz als Hinweis. Es ist dem Ministerium jedoch kein Fall bekannt, in dem sich der Wolf aggressiv gegenüber einem Menschen verhalten habe.

Aus diesem Grund sieht Jenny Schwarz im Wolf keine Bedrohung für den Menschen und sieht somit auch keinen Grund, den Wolf in das Jagdrecht aufnehmen zu müssen. „Wir haben eine besondere Verantwortung für den Wolf. Der Einsatz zu seinem Schutz lohnt sich.“

Bei den Jägern gibt es Unstimmigkeiten

Für Markus Reister, Vorsitzender der Jägerschaft Stendal, ist die Frage nach dem Jagdrecht eine knifflige und komplexe Angelegenheit. „Das kann man nicht so pauschal beantworten.“ Der hohe Schutzstatus des Wolfes ist selbst unter Jägern eine umstrittene Sache.

Der Wolf vermehrt sich stark, da er keine natürlichen Feinde besitzt. Daher muss auf gewisse Art und Weise eine Regulierung stattfinden, so Reister, ob die Aufnahme in das Jagdrecht der richtige Weg ist, da ist er sich unschlüssig.

Dass der Wolf eine Gefahr für Wild- und Nutztiere darstellt, unterstreicht er. Vor allem Hunde seien bedroht, da diese entweder als Beute oder Konkurrent gesehen werden. Daher sollten Hunde auch stets an der Leine geführt werden. Eine Bedrohung für den Menschen sieht er allerdings nicht in den Wölfen.

Ein großes Problem ist für Markus Reister eher, dass der Wolf seine Scheu verliert. „Sie dürfen nicht ihr natürliches Angstgefühl verlieren.“ Aus diesem Grund sollten Fußgänger, wenn sie einem Wolf begegnen, diesen auf keinen Fall füttern oder anlocken, da sonst die Gefahr besteht, dass dies zu einer Gewöhnung an den Menschen führt. Allerdings würde das auch nicht bedeuten, dass der Wolf für Menschen gefährlich werden würde.

Daher ist die Frage, ob der Wolf nun ins Jagdrecht aufgenommen werden soll, für den Vorsitzenden der Jägerschaft nicht eindeutig zu beantworten. „Zu Vorfällen mit Wölfen kann es immer kommen, aber ist nicht jede Mensch-Wolf-Begegnung sofort ein ernsthafter Konflikt zwischen Mensch und Tier“, betont er.