Stendal l Horst Paulus strahlte mit der Sonne um die Wette. „Nach sechs Jahren sind wir am Ziel“, sagte er mit Stolz und Freude. 2012 hatten Jörg Hosang und er die Aktion „Rettet das Jahn-Denkmal“ ins Leben gerufen, am Sonntagnachmittag wurde es am Hölzchen eingeweiht. Bei einer Recherchearbeit für die Stadt war Hosang im städtischen Archiv erstmals auf das Denkmal gestoßen. Mit einer Sportausstellung warben die beiden im Jahr darauf, das Denkmal zu restaurieren.

Tausende Besucher sollen es bei der erstmaligen Einweihung 1911 gewesen sein, am vergangenen Sonntag versammelten sich zwar nur ein paar Dutzend, aber nicht weniger Interessierte um den noch verhüllten Stein. Der stellvertretende Oberbürgermeister Axel Kleefeldt gab einen Einblick in die Biografie Jahns. Jahn wurde 1778 in Lanz in der Prignitz geboren, besuchte das Salzwedeler Gymnasium, das seit 1931 seinen Namen trägt. 1811 schuf er den ersten Turnplatz in der Berliner Hasenheide, bis 1817 waren es schon über 100 Turnplätze in Deutschland, seit 1815 gab es auch einen in Stendal.

Sechs Jahre im Gefängnis

Doch die Turnerbewegung stieß nicht nur auf Gegenliebe. Obrigkeit und Adel sahen sich durch sie bedroht, 1820 wurde ein Turnverbot ausgesprochen, sechs Jahre saß Jahn im Gefängnis. 1840 bekam er Amnestie, zwei Jahre später wurde das Turnverbot wieder aufgehoben.

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170 Jahre danach riefen Paulus und Hosang die Spendenaktion ins Leben, die sehr schnell viele Unterstützer fand. Vom alten Denkmal war nur noch der Stein übriggeblieben. Im Rahmen einer Metallsammlung für Kriegszwecke war das Relief 1843 abgebaut worden, die Tafel mit dem Turnerkreuz verschwand nach dem Krieg. Platz 2, hinter dem Hauptplatz, wurde als Standort für das restaurierte Denkmal ausgeschlossen. Er sei für die Öffentlichkeit nur schwer zugänglich und letztlich eines Denkmals nicht würdig.

Über 1200 Stücke für Museum

Nun sollte das Denkmal also im Vorfeld des Hauptplatzes einen neuen Standort finden. Unermüdlich ließen sich Paulus und Hosang immer wieder neue Aktionen einfallen, um Geld für das etwa 16 000 Euro teure Unterfangen zusammenzubekommen. Es wurden T-Shirts verkauft, Auktionen veranstaltet. Durch den Aufruf sind viele Erinnerungsstücke aus Stendals sportlicher Vergangenheit zusammengekommen, die nun nicht mehr einen neuen Besitzer, sondern in einem Stendaler Sportmuseum einen Platz finden sollen. „Insgesamt sind es 1200 Gegenstände, hinzu kommen etwa 3000 Zeitungsartikel und Dokumentationen“, zählte Hosang auf.

Das Relief wurde 2016 von Designer Rüdiger Laleike neu entworfen, dann von einer Gießerei in Lauchhammer hergestellt. Im November vergangenen Jahres schwebte der große Findling am neuen Standort ein, nun die Einweihung. Doch das Projekt ist noch nicht beendet. „Wir wollen noch eine historische Beflaggung anbringen und das Umfeld des Denkmals begrünen, dann ist das hier ein richtig schöner Platz“, kündigte Paulus an.