Stendal l Der Propst hat seine eigene Steckdose. Das allein wäre noch keine Nachricht, aber dass er sie für seinen Dienstwagen bekommen hat, schon. Denn das ist ein teilweise mit Strom fahrendes Auto, ein sogenanntes Hybrid-Fahrzeug, das zugleich über einen Benzinantrieb verfügt. Ein Kompromiss, der der noch recht geringen Reichweite der reinen E-Autos und der derzeit noch dürftigen Infrastruktur an Ladesäulen geschuldet ist. Mit einem reinen Elektroauto kommt man halt noch nicht weit, zumal in ländlichen Gebieten und wenn man von Erfurt über den Harz bis in die Altmark unterwegs ist.

1000 Euro investiert

Also eine Steckdose. Seit November 2017 fährt Christoph Hackbeil, Propst des Propstsprengels Stendal-Magdeburg, den BMW-Hy­brid. Vorne ist ein Benzinmotor drin, hinten ein Elektromotor samt Batterie. Die Stadtgemeinde Stendal hat ihm dafür die Installation einer Ladesäule im Hof des Domstifts genehmigt – schließlich hat Hackbeil im Gemeindezentrum seinen Dienstsitz. 1000 Euro hat die Anlage insgesamt gekostet, bezahlt hat sie die Landeskirche, über die auch die Stromabrechnung läuft.

Für den Kirchenkreis Stendal ist diese kleine, schmale graue Säule ein Novum. Andere Amtsträger haben keinen Dienstwagen, und private E-Autos sind hierzulande nicht nur unter Pfarrern rar: Im gesamten Landkreis Stendal sind gerade mal 34 reine Elektrofahrzeuge registriert und 215 Hybrid-Autos. Im Kirchenkreis Egeln, berichtet Hackbeil, gebe es gerade einen Modellversuch mit fünf Elektrofahrzeugen als Dienstwagen. Inklusive Ladesäule auf dem Pfarrhof.

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Mit gutem Beispiel voran

Für Christoph Hackbeil ist die Entscheidung für ein Hybrid-Auto in erster Linie eine symbolisch-moralische: „Ich möchte ein Zeichen in Richtung E-Mobilität setzen und mit gutem Beispiel vorangehen.“ Die Bewahrung der Schöpfung als christliches Credo spielt da mit hinein. „Das, was wir lehren, sollen wir leben. Ich versuche, das umzusetzen. Und würde mich natürlich freuen, wenn das auch auf die Politik ausstrahlen würde.“

Und wenn er dann noch sicher sein könnte, dass der Strom für sein Auto zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien stammte... Immerhin: „Die Landeskirche hat sogar eigene Windräder, damit könnte theoretisch der Strombedarf der Landeskirche gedeckt werden“, sagt Hackbeil, der an diesen Themen als Mitglied des Ausschusses für Klima, Umwelt, Landwirtschaft ganz dicht dran ist.

Ganz ohne Auto geht's nicht

Es drängt sich die Frage auf, warum er überhaupt Auto fährt. Das lasse sich bei dem großen Einzugsgebiet, das er durch sein Amt als Regionalbischof zu befahren hat, gar nicht anders machen. „Da muss ich manchmal innerhalb kürzester Zeit viele Orte miteinander verbinden.“ Und das gehe mit öffentlichem Nahverkehr leider nicht. Aber Hackbeil setzt in der Tat nicht nur aufs Auto. „Ich fahre auch oft Zug, nutze in Städten Park & Ride, und im Kofferraum habe ich mein Faltrad.“

Bisher hielt sich die Technik-Affinität des Propstes in Sachen Auto in Grenzen. Doch nun wird er allmählich zum Experten. „Man fängt an, sich in diese neue Technologie reinzudenken, das ist schon spannend.“ Zudem gilt es her­auszufinden, wo Ladesäulen sind, wie lange das Laden dauert, welchen Stecker man braucht, wie das Bezahlsystem ist. Hinzu kommen die Einstellungen verschiedener Fahrmodi im Wagen: intelligente Automatik, Zwei-Achs-Antrieb oder Lademodus beim Fahren.

Wie bei Hundebesitzern

Mit reinem Elektroantrieb schaffe das Auto 80 bis 100 Kilometer. „Das elektrische Fahren ist superleise, es bringt ein ganz anderes Fahrgefühl“, sagt Hackbeil, der auch privat einen Hybrid fährt.

Die Batterie lädt er etwa zweimal am Tag nach oder ganz auf. Wenn es wie im Domhof keine Schnellladesäule ist, dauert das drei bis vier Stunden. Sonst eine halbe. Zeit, die der Propst für andere Dinge nutzt. Oder, wenn er unterwegs ist, für Gespräche mit anderen Stromtankern. „Das ist ein bisschen wie bei Hundebesitzern, man tauscht sich aus“, sagt er leicht amüsiert. Und wenn er mal nicht auflädt, fährt das Auto trotzdem – sofern Benzin im Tank ist.