Stendal l Das Sterben, der Tod, die Trauer – das sind für die Mitarbeiter des Stendaler Hospizes mehr als nur schwere Begriffe. Sie sind Teil ihres Arbeitsalltags, und so unpassend es klingt: sie füllen sie mit Leben. Mit dem stationären und ambulanten Dienst stehen sie seit zwei Jahrzehnten sterbenskranken Menschen in deren letzten Tagen und Stunden zur Seite. In der gesamten Altmark und bis ins Jerichower Land hinein.

Nun wagt sich das Hospiz auf einen neuen Weg, der weniger ein abzweigender ist als vielmehr ein parallel verlaufender: Im April hat der Ambulante Kinderhospizdienst Altmark die Arbeit aufgenommen. „Lange Zeit dachte ich, das müssen wir nicht, das wühlt einfach zu viel auf“, erzählt Hospiz-Geschäftsführer Ulrich Paulsen von seinen anfänglichen Bedenken. „Aber wir haben so kompetente Haupt- und Ehrenamtliche, wir können uns dem stellen. Wir sind gereift.“

Keine Pflege

Kinder spielen in der Arbeit des Hospizes zwar längst eine Rolle. Schließlich trauern auch sie, wenn ein Angehöriger stirbt, gibt es das Trauerklettern und „Hospiz macht Schule“. Und sogar einige wenige Begleitungen von unheilbar kranken Kindern gibt es schon. „Aber es bedarf in diesem Bereich einer speziellen Qualifizierung“, sagt Paulsen, der froh ist, aus dem Ehrenamtlichenstamm in Stendal und Gardelegen 15 gewonnen zu haben, die sich dieser neuen Aufgabe stellen und heute mit ihrem Kurs beginnen, der bis September dauert.

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Sie leisten keine Pflege und keine medizinische Sorge, sondern sind vorrangig für die psychosoziale Betreuung der Familien da. „Und für Dinge, die man eben macht, weil man einfach da ist“, umreißt es Paulsen. „Alles in Absprache mit den Eltern des Kindes und auch nur das, was sich der Ehrenamtliche zutraut.“

Dankbarkeit

Zu diesen 15 gehören die 66-jährige Gudrun Jensch aus Stendal und die 45-jährige Eileen Wolf-Köppe aus Tangerhütte. Sie sind auch beide bei „Hospiz macht Schule“ dabei, haben dadurch enge Berührungspunkte zu Kindern und deren Umgang mit Tod und Trauer. Wolf-Köppe arbeitet zudem in einem Jugendclub. „Da ist man schon nah dran an den Kindern und ihren Familien und allem, was passiert.“ In ihren eigenen Familien wurden bisher weder Eileen Wolf-Köppe noch Gudrun Jensch mit dem Tod von Kindern konfrontiert. Aber selbst wenn im näheren Umfeld ein Kind stirbt, lässt es einen nicht kalt.

Beide Frauen sind sich gewiss, dass sie ihre jeweiligen Erfahrungen und Erlebnisse, ihre Energie und Einfühlsamkeit auch im Ambulanten Kinderhospizdienst gut einbringen können. Es sei schwer, einen Ausdruck dafür zu finden, warum sie diese Sterbebegleitung machen und sich darin gut aufgehoben fühlen, sagt Eileen Wolf-Köppe. „Es ist ein Geben und Nehmen und sehr viel Dankbarkeit.“ Gudrun Jensch findet die erstaunliche Formel: „Es ist auch so viel Leben in dieser Tätigkeit.“

Austausch mit Kinderärzten

Der Ambulante Kinderhospizdienst richtet sich an Familien mit „lebensbegrenzt erkrankten Kindern“, so die offizielle Formulierung, im Alter bis zu 27 Jahren. Die Diagnose müsse aber vor dem 18. Lebensjahr gestellt worden sein. Anders als bei Erwachsenen geht es oft um lange Zeiträume der Begleitung. „Das kann vier, fünf, sechs Jahre gehen“, so Paulsen. Meist handelt es sich um neurologische oder Stoffwechsel-Erkrankungen.

Der Ambulante Kinderhospizdienst Altmark wird seinen Sitz in Gardelegen haben und dann in der ganzen Altmark bis nach Havelberg, Genthin und Oebisfelde tätig sein. Koordiniert werden die Einsätze in Stendal von Susanne Kanemeier und in Gardelegen von Kathleen Tanger. Einen intensiven Austausch gibt es mit dem Ambulanten Kinderhospizdienst Halberstadt, den Pfeifferschen Stiftungen in Magdeburg genauso wie mit Kinderärzten.

Der Ambulante Kinderhospizdienst Altmark ist über folgende Nummern zu erreichen: Tel. 03931/218338 (Stendal), Tel. 03907/7796020 (Gardelegen)