Kinderbetreuung

Elternportal erleichtert Kita-Suche im Landkreis Stendal

Am 1. August fällt der Startschuss für das Elternportal des Landkreises Stendal. Es soll die Suche nach und die Reservierung von Kita- und Hortplätzen erleichtern. Dafür ziehen alle Kommunen an einem Strang.

Von Donald Lyko
Nicole Wilde, Sachbearbeiterin Kindertagesbetreuung im Kreis-Jugendamt, stellte die einfache Benutzung des Elternportals am praktischen Beispiel vor.
Nicole Wilde, Sachbearbeiterin Kindertagesbetreuung im Kreis-Jugendamt, stellte die einfache Benutzung des Elternportals am praktischen Beispiel vor. Foto: Donald Lkyo

Stendal - Anmelden, ein persönliches Nutzerkonto einrichten, Wunschpasswort überlegen, die Daten der Eltern und des Kindes eingeben, dann die Wunsch-Kita angeklickt und das Feld ausgefüllt, ab wann das Kind in der Einrichtung betreut werden soll, senden – nach wenigen Minuten ist der ausgefüllte Betreuungsantrag verschickt. Ganz bequem vom heimischen Computer aus oder per Smartphone von unterwegs.

So einfach und schnell, wie es Nicole Wilde, Sachbearbeiterin Kindertagesbetreuung im Kreis-Jugendamt, gestern bei der öffentlichen Vorstellung im Landratsamt demonstriert hat, soll künftig für alle Eltern die Suche und Reservierung eines Kita- oder Hortplatzes möglich sein. Am kommenden Sonntag, 1. August, geht das Online-Elternportal an den Start.

Auf der Landkreis-Internetseite gibt es den Button „Elternportal“, der direkt zur Seite führt. Dort finden die Nutzer eine Übersicht aller Kindereinrichtungen im Landkreis Stendal, die sich mit Bildern, Öffnungszeiten, pädagogischem Konzept und weiteren Informationen vorstellen. Neben dem Betreuungsantrag gibt es weitere Formularvorlagen, zum Beispiel zu den Kostensatzungen der einzelnen Kommunen.

Leipziger Firma hat Programm entwickelt

Gutes Stichwort: Denn an dem Elternportal beteiligen sich alle neun Einheits- und Verbandsgemeinden im Landkreis Stendal, es wird ein gemeinsames Programm genutzt. Er sei stolz auf dieses „gute Stück Zusammenarbeit zwischen dem Landkreis und den Kommunen“, sagte Landrat Patrick Puhlmann (SPD). Die Digitalisierung in der Verwaltung werde „noch lange Kraft kosten, aber es lohnt sich, weil es viele Dinge leichter macht“.

In dem Fall die Suche nach einem Krippen-, Kita- oder Hortplatz. Bei 107 Kindereinrichtungen im Landkreis „muss man sich erst einmal durchfinden“, so Puhlmann. Kinderbetreuung in der Nähe ist für junge Familien ein wichtiger Faktor bei der Entscheidung, ob und wohin sie in die Altmark ziehen.

Idee für Elternportal schon vor zehn Jahren

Die Idee für ein solches Informations- und Kommunikationsportal war schon vor acht oder zehn Jahren erstmals geäußert worden, erinnerte die Kreis-Jugendamtsleiterin Kathrin Müller: „So lange haben wir dieses kleine Baby zunächst im Kopf gehegt und gepflegt.“ Ein Grund dafür, „dass es erst jetzt geboren wird“, waren das neue Landes-Kinderförderungsgesetz von 2013 und die folgenden jahrelangen Rechtsstreitigkeiten. Die Entscheidungen wurden im Landkreis Stendal abgewartet. Als Klarheit herrschte, ging es mit der Umsetzung richtig los.

Dafür holte das Jugendamt eine Leipziger Firma ins Boot, die Kivan entwickelt hat, ein Programm mit dem vollständigen Namen Kindertagesstätten-Verwaltungsanwendung. Denn neben dem Elternportal gehört zu Kivan ein Verwaltungsportal, auf dem die Bearbeitung der Betreuungsanträge stattfindet. Die einzelnen Träger können das Programm auf Wunsch selbst ergänzen, unter anderem mit Dienstplänen oder einer Abrechnungssoftware für die Elternbeiträge.

Verlässlichere Zahlen zum tatsächlichen Bedarf

„Der Landkreis Stendal ist der erste Landkreis in Sachsen-Anhalt, der ein solches Portal auf Landkreis-Ebene eingeführt hat“, sagte Steffen Tank, Sachgebietsleiter Kindertagesbetreuung/Jugendarbeit/Jugendschutz im Jugendamt. Andernorts werde das Portal nur auf kommunaler Ebene genutzt.

Bei der Reservierung können Eltern bis zu drei Einrichtungen auswählen und dort einen Platz beantragen. „Um Zeit zu sparen, werden gleich alle drei Einrichtungen benachrichtigt und die Anfragen bearbeitet“, erklärte Steffen Tank.

Das Elternportal sei nicht nur „ein modernes Medium für Eltern“ – perspektivisch sollen Papieranmeldungen Geschichte sein –, sondern biete auch mehr Transparenz, nannte Kathrin Müller einen der erwarteten Effekte. Denn statt der Wartelisten in den einzelnen Einrichtungen bietet das Portal eine Gesamtübersicht, wo aktuell freie Plätze vorhanden sind oder wann sie frei werden.

Landkreis Stendal kann besser auf Bedarf reagieren

„Als Landkreis sind wir so besser in der Lage, auf die Bedarfsentwicklung reagieren zu können“, sagte die Jugendamtsleiterin und sprach von einem „entscheidenden Instrument für den Landkreis“. Weil Doppel- und Mehrfachanmeldungen wegfallen, könne der Bedarf nach realistischeren Zahlen als bisher ermittelt werden. In der Praxis war es bisher oft so, dass Eltern sich wegen der Wartezeiten bei mehreren Einrichtungen angemeldet, sich nach Erhalt eines Kita-Platzes aber bei den anderen nicht abgemeldet hatten. Die Folge war eine fehlende Aktualität zur Nachfrage. Kathrin Müller: „Wir hatten bisher nie wirklich belastbare Zahlen.“

Angemeldet werden können Kinder ab dem Tag der Geburt – und wirklich erst dann. Denn ein Pflichtfeld ist das Geburtsdatum, als Schutzmechanismus gibt es einen Abgleich mit Einwohnermeldedaten.

Im Landkreis Stendal stehen aktuell mehr als 8000 Kita- und Hortplätze zur Verfügung, betreut werden rund 7000 Kinder. Rein rechnerisch kann der Rechtsanspruch auf eine Betreuung also weitestgehend sichergestellt werden. In einigen Kommunen, Tangermünde und Stendal zum Beispiel, kommt es aber eher zu Wartezeiten.