Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2021

Elternvertreter wünschen sich von Landespolitik endlich mehr Gehör

Direktkandidatin Carmen Kalkofen leitet Fachgespräch der Freien Wähler in Tangermünde zu Bildung, Schule, Kinder und Jugend im ländlichen Raum

Von Regina Urbat
Über das Thema Schulbildung fachsimpeln in Tangermünde Landtagskandidatin Carmen Kalkofen (links, Freie Wähler) und Dorothee Schulz, Vorsitzende des Kreiselternrates.
Über das Thema Schulbildung fachsimpeln in Tangermünde Landtagskandidatin Carmen Kalkofen (links, Freie Wähler) und Dorothee Schulz, Vorsitzende des Kreiselternrates. Foto: Regina Urbat

Tangermünde

Sie hätte sich gern mit einem größeren Publikum zu den Themen Bildung, Schule, Kinder und Jugend im ländlichen Raum ausgetauscht. Dennoch barmte Carmen Kalkofen nicht, als sie die wenigen Gäste, die an dem kühlen, stürmischen und verregneten Abend zu dem Fachgespräch der Freien Wähler in den Wintergarten des Restaurants „Schwarzer Adler“ in Tangermünde herzlich begrüßte. Vielmehr nutzte die Direktkandidatin der Freien Wähler im Wahlkreis 5 (Tangermünde, Tangerhütte) das Forum, um sich in fast trauter Runde über Nöte und Sorgen der Mitbürger auszutauschen und über Inhalte ihres Programms zur Landtagswahl 2021 zu informieren.

Kita und Hort beitragsfrei

Was die Thematik des Abends anging, hätten sich die Freien Wähler „ganz klare Ziele auf die Fahne geschrieben, weil wir wissen, was verbessert werden muss“, betont die 48-Jährige. So sollen Kita und Hort beitragsfrei sein, Familien gestärkt, gefördert und unterstützt werden. Eine Schwimmoffensive werde für alle Grundschulkinder gefordert, ebenso wie ein kostenloses Schüler- und Azubiticket auch für Studierende.

„Ganztagsschulen müssen gefördert werden“, führte Carmen Kalkofen weiter aus, während die beiden mit anwesenden Wahlkreis-Kandidaten Nico Schulz (Osterburg, Seehausen, Arneburg-Goldbeck, Elbe-Havelland) und Hennig von Katte von Lucke (Stendal, Bismark) weitere Schwerpunkte ergänzten. Es müssten Sekundarschulen gestärkt und Förderschulen erhalten bleiben. Erhalten bleiben sollten auch die vorhandenen Schulstandorte, „denn Verlässlichkeit in der Bildung ist vor allem im ländlichen Raum ein ganz wichtiger Faktor für Familien“, betonte Hennig von Katte von Lucke und stellte die Frage: „Was spricht denn gegen eine Dorfschule mit 30 oder 40 Kindern?“

Hort wieder der Schule angliedern

Verändert werden sollte die Zuordnung der Hortbetreuung. „Anstatt der Kita, soll der Hort wieder der Schule angegliedert werden. Hort und Schule müssen eine Einheit bilden“, sagte Nico Schulz. Um ein weiteres Ziel im Wahlprogramm zu erreichen, lehnte sich Osterburgs Bürgermeister, weit aus dem Fenster, wie er selbst eingestand: Um den Lehrermangel zu stoppen, würde er am liebsten die Grundschullehrer der Kommune zuordnen. „Denn wir in der Verwaltung können Personalentwicklung – sind da mit Sicherheit viel besser als das Kultusministerium“, begründete Schulz.

Diese Idee schien Carmen Kalkofen gar nicht so abwegig, weil sie den ehrlichen Willen seitens der Landespolitik, mehr Lehrer einzustellen, schon lange vermisse. Die Mutter von drei Kindern ist zudem Mitglied im Stadtrat Tangerhütte und im Kreistag Stendal und kenne so auch die Sorgen vor Ort. Für sie stelle sich überhaupt nicht die Frage, an Bildung zu sparen. Letztendlich gehe so etwas immer zulasten der Kinder.

Schulspeisung ein spannendes Thema

Zustimmung bekam Carmen Kalkofen von der anwesenden Kreiselternratsvorsitzenden Dorothee Schulz. Sie nutzte den Abend – sozusagen als Fachfrau – um aus ihren Erfahrungen die Schwerpunkte der Freien Wähler zu bekräftigen. Gleichzeitig nahm sie Anregungen mit, wie beispielsweise das Schulessen verbessert werden könnte. „Das ist ja derzeit im Landkreis Stendals ein spannendes Thema“, sagte Dorothee Schulz. Und für sie als Schulsozialarbeiterin auch nicht fremd. Interessant fand sie das Osterburger Modell vom Bau einer eigenen Schulküche in Flessau, in der künftig bis zu 500 Portionen für Grundschüler und Kindergartenkinder zubereitet werden. „Toll finde ich die Bedingung, dass dort regionale Produkte zu verwenden sind“, sagte Dorothee Schulz.

Auf die an sie gerichtete Frage, welche Erwartungen sie konkret an ein Landtagsmitglied der Freien Wähler richte, vorausgesetzt, die Partei schaffe am 6. Juni die Fünf-Prozent-Hürde, antwortete Dorothee Schulz ohne zu zögern: „Wir Elternvertreter möchten endlich Gehör bekommen.“

Landesweit würden die Elternvertreter seit Jahren darum ringen, von der Politik in Magdeburg und Berlin gehört und einbezogen zu werden. In der Realität sehen es eher so aus, „dass wir kaum wahrgenommen werden“, haderte die Vorsitzende.