Stendal l Inklusion und Barrierefreiheit sind zwei Begriffe, die meist im selben Atemzug genannt werden. Denn ohne die Beseitigung oder Vermeidung konkreter, vor allem baulicher Barrieren kann Inklusion nicht gelingen. Und genau darum soll es bei einer Tagung am 23. November im Stendaler Landratsamt gehen. Organisiert wird sie vom Behindertenbeirat des Landkreises, der schon jetzt dafür wirbt, und hat die Hochschule Stendal als Partner dabei.

„Es geht uns darum, zu hinterfragen, wie wir in unserem Landkreis Barrierefreiheit und Inklusion umsetzen können und wie der Ist-Zustand ist“, sagt Birgit Hartmann, Behindertenbeauftragte des Landkreises Stendal. „Und es geht darum, die Leute dafür zu sensibilisieren, dass es dabei nicht nur um Menschen mit Behinderung oder chronischer Krankheit geht, sondern dass das Thema die gesamte Gesellschaft betrifft.“ Denn unter dem Schlagwort Barrierefreiheit soll erreicht werden, dass Gebäude und Orte, Verkehrsmittel oder auch Gebrauchsgegenstände, Dienstleistungen und Freizeitangebote für alle zugänglich sind.

"Wollen keine Sonderstellung"

Marcus Graubner, Vorsitzender des Behindertenbeirates, weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es oftmals ist, sich zum Beispiel mit einer muskulären Krankheit, wie er sie hat, durch den Alltag zu bewegen. „Die Bedingungen sind durch das Teilhabegesetz nicht besser geworden, das selbstständige Wohnen zum Beispiel wurde nicht gestärkt, der Zugang zu Weiterbildungen ist voller Hürden.“ Wünschenswert wäre aus seiner Sicht, dass man auf Menschen mit Behinderung eingeht und sie nach ihren Bedürfnissen fragt. „Wir wollen keine Sonderstellung, sondern einfach gleichberechtigt und selbstbestimmt leben können“, betont Graubner.

Bilder

Die Tagung sehen er und Birgit Hartmann als Impuls: „Wir möchten einen Anstoß geben, über Dinge nachzudenken, über die man noch nicht nachgedacht hat.“ Oder Dinge, die eben noch verbessert werden könnten. Oder Dinge, an denen man sich die Zähne ausbeißt: So wie das Negativbeispiel Stendaler Bahnhof, der im Jahr 2016 und absehbar weit darüber hinaus noch immer keine Fahrstühle hat.

Andere Länder sind schon weiter

Wenngleich bauliche Barrierefreiheit die Grundvoraussetzung für Barrierefreiheit im weiteren Sinne ist, geht es Matthias Morfeld bei der Tagung aber noch um mehr. Er wird am 23. November das Referat halten und die Fragerunde zum Thema „Barrierefrei zu einer inklusiven Gesellschaft“ leiten. „Es geht dabei auch um Barrierefreiheit im Kopf. Wir wollen deutlich machen, dass Vielfalt das Kennzeichen einer jeden modernen Gesellschaft ist, und da gibt es hierzulande noch Optimierungsbedarf“, sagt Morfeld. Andere europäische Länder seien da viel weiter, da gehe man Inklusion mit größerer Selbstverständlichkeit an.

Für Studierene der Rehabilitationspsychologie an der Hochschule Magdeburg-Stendal jedenfalls ist das Thema Inklusion selbstverständlich. „Das ist schon gleich zu Beginn des ersten Semesters Bestandteil“, so Morfeld. Im Zusammenhang mit der Tagung hat ein Team daher auch eine Umfrage bei Verwaltungen, Unternehmen, Verbänden und Selbsthilfegruppen gemacht. Der Fragebogen zu Inklusion sei schon landesweit zum Einsatz gekommen und soll mit Ergebnissen aus anderen Bundesländern verglichen werden.

Und noch während Morfeld das erzählt, schaut er kritisch auf die eigene Arbeitsstelle: „Eigentlich müsste Inklusion in allen Studiengängen eine Rolle spielen. BWL-Studierende zum Beispiel müssten sensibilisiert werden, wenn es um die spätere Beschäftigung Schwerbeschädigter in Unternehmen geht.“

Weitere Informationen zur Tagung bei Birgit Hartmann: Tel. 03931/21  30  60, Mail: gleichstellung@landkreis-stendal.de