Tangerhütte l Die nach dem Großbrand in Bittkau im Sommer erst richtig aufgeflammte Diskussion über die Löschwasserversorgung in der Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte bezeichnete Gemeindewehrleiter Nils Wilhelm am Mittwoch im Stadtrat als sehr wichtig. „Wichtiger ist aber, auch im vorgegebenen Zeitraum da zu sein“, erklärte er und verwies auf Erstangriffe mittels Tanklöschfahrzeugen.

Löschbrunnen: 52 Prozent leistungsfähig

114 Löschwasserbrunnen gibt es in der Einheitsgemeinde, davon sind 14 defekt, 60 (also gute 52 Prozent) bringen die vorgegebenen 800 Liter pro Minute, allerdings könne man an auch Brunnen zusammenfassen und Trinkwasserleitungen einbeziehen, so der Wehrleiter. In seiner Übersicht nannte er 19 Brunnen auf privaten Grundstücken, bei denen der Zugang schwierig sei, sowie 13 noch zu prüfende Brunnen, elf Löschteiche und vier Zisternen.

Aber es gebe eben auch Orte ohne Löschwasserbrunnen oder mit solchen, die nicht genug Wasser lieferten. Doch eine Planung, wie mit fehlenden und defekten Löschwasser­entnahmestellen umgegangen werde, gebe es schon länger. Die Einheitsgemeinde habe auch schon mehr investiert, als eigentlich geplant war, führte er aus.

110.000 Euro für neue Brunnen

Seit 2015 seien 111.000 Euro in Löschwasserbrunnen gesteckt worden. Dass der Planungsstand des Löschwasserkonzepts womöglich überarbeitet werden könnte, auch das sagte er. Im Ortsteil Polte etwa, wo derzeit im Ernstfall nur ein Unterflurhydrant Trinkwasser liefern würde, liege dringender Handlungsbedarf vor, so Wilhelm. Geplant ist ein neuer Brunnen dort für 2021.

Weiteren Handlungsbedarf sieht er nach einer aktuellen Übersicht auch in Sandfurth, wo es einen Löschteich und zwei Unterflurhydranten (Trinkwassernetz), aber keinen Löschwasserbrunnen gibt, sowie in Scheeren, wo es ähnlich aussieht. Drei Unterflurhydranten sind dort verfügbar, man wolle über ein Förderprojekt für Waldflächen einen Löschbrunnenneubau anschieben, erklärte Wilhelm.

Bittkau soll neuen Brunnen bekommen

Auch Bittkau sei ein Schwerpunkt, wenn es um Löschwasser gehe, man plane aber im Rahmen des Neubaus des Feuerwehrgerätehauses, noch dieses Jahr einen neuen Tiefbrunnen in der Ortsmitte zu beauftragen (bisher nicht geplant). Als zum Stand in Schernebeck nachgefragt wurde, wo 2011 und 2016 jeweils Wohnhäuser abgebrannt sind, sprach Nils Wilhelm davon, dass dort in den nächsten zwei bis drei Jahren nochmal geprüft werden solle. Die letzte Übersicht hatte einen leistungsfähigen und einen ausgefallenen Saugbrunnen für den Ort vermerkt.

Stabil versorgt seien Demker, Grieben (durch eine starke Trinkwasserleitung), Hüselitz (neuer Brunnen), Jerchel, Klein Schwarzlosen, Lüderitz/Groß Schwarzlosen, Mahlpfuhl, Ottersburg, Ringfurth, Schelldorf, Schleuß, Schönwalde, Sophienhof, Stegelitz, Tangerhütte (mittelfristig Ertüchtigungen nötig), Uetz, Weißewarte und Windberge. Ab 2023 auf der Investitionsliste stehen neue Brunnen für Schernebeck, Lüderitz und Uchtdorf.

Insgesamt sei die Lage in der Einheitsgemeinde aber nicht bedenklich, so Wilhelm, man solle die „Kirche im Dorf lassen“, empfahl er, als er nach einer generellen Gefahreneinschätzung gefragt wurde. „Mit wasserführenden Fahrzeugen können wir etwas tun, um kleine Brände nicht zu groß werden zu lassen“. Es gehe aber nicht nur um die Erstversorgung, sondern auch um eine ausreichende Wasserversorgung für zwei Stunden“, warf Rita Platte (WG Altmark/Elbe) ein, die mit der Aussage Wilhelms, dass Grieben nicht problematisch sei, nicht einverstanden war. Sie hatte in einem Antrag, umgehend die Finanzierung der Herstellung notwendiger Löschwasserbrunnen in der Einheitsgemeinde (per Kredit) sicherzustellen, formuliert, in Grieben sei gar kein Löschwasser vorhanden. Das wies Wilhelm klar als falsch zurück.

Einladung nach Grieben

„Wir hätten auch gern mehr Brunnen, aber wir haben noch mehr Baustellen!“, machte er deutlich und sprach damit von Technik und Einsatzkräften. Platte korrigierte sich und forderte „ausreichend Löschwasser“, sie lud den Gemeindewehrleiter außerdem in den Ortschaftsrat nach Grieben ein, weil sie glaubt, dass ihr Dorf nicht ausreichend geschützt sei. Ihr Antrag auf sofortige Herstellung notwendiger Löschbrunnen bekam im Stadtrat keine Mehrheit.

Als er danach gefragt wurde, wer die Prioritäten notwendiger Investitionen festlege, verwies Wilhelm auf die Haushaltsplanungen und die Verwaltung. In zwei bis drei Wochen, wenn weitere Messergebnisse vorliegen, wolle er weitere Vorschläge machen.

Wie der Bürgermeister zuvor erklärt hatte, sei ein neues Tanklöschfahrzeug „TLF 3000“ über die zentrale Beschaffung des Landes zugesagt worden, das voraussichtlich Ende 2020/Anfang 2021 in Tangerhütte in Dienst gestellt werden soll.