Stendal l Im März dieses Jahres hat Airbus Helicopters der Fachöffentlichkeit einen neuen Hubschrauber vorgestellt: die neue H 145 mit Fünfblattrotor. Zwei Prototypen wurde gebaut, einer davon ist seit Anfang der Woche in Stendal – und mit ihm ein 14-köpfiges Team aus Technikern, Konstrukteuren, Piloten und ein Vertreter der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA). Einige der Akteure sind aus Frankreich angereist.

Mit dabei ist auch Alexander Neuhaus, experimenteller Testpilot vom Stammsitz der Airbus Helicopter Deutschland in Donauwörth. Er fliegt den Hubschrauber in verschiedenen Höhen und aus verschiedenen Windrichtungen über den Platz, dabei nehmen mehrere Mikrofone die Geräusche auf. Denn genau darum geht es: Dass dieser Hubschraubertyp, der weltweit von der Polizei und von Rettungsdiensten geflogen wird, möglichst geräuscharm ist. Unter anderem, weil damit Krankenhaus-Landeplätze mitten in Wohngebieten angeflogen werden.

Die H 145 ist ein leichter zweimotoriger Mehrzweckhubschrauber, der erstmals 2014 von Airbus ausgeliefert worden ist. „Wegen ihrer besonders geringen Lärmkontur ist die H145 der leiseste Hubschrauber seiner Klasse“, erklärt Unternehmenssprecher Gregor von Kursell.

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Tests in Finnland, Spanien und Südamerika

Bei dem Modell, das jetzt in Stendal getestet wird, handelt es sich um eine Weiterentwicklung: statt vier Hauptrotorblättern hat sie fünf. „Dadurch konnte die Gesamtleistung des Hubschraubers beträchtlich gesteigert werden“, so Gregor von Kursell. Das maximale Startgewicht der H 145 beträgt nun 3800 Kilogramm, und die Nutzlast entspricht dem Leergewicht des Hubschraubers. „Die einfache Konstruktion des neuen lagerlosen Hauptrotors wird Wartungsarbeiten erleichtern und die Einsatzfähigkeit und Zuverlässigkeit der H145 weiter verbessern. Zugleich wird der Flug für Passagiere und Besatzung noch angenehmer. Durch den geringeren Rotordurchmesser kann die H145 in einem stärker beengten Umfeld eingesetzt werden als bislang“, zählt der Unternehmenssprecher weitere Punkte auf.

Um als weiterentwickeltes Modell zertifiziert zu werden, sind zahlreiche Tests notwendig, deren Werte dann veröffentlicht werden müssen. Und Stendal könne sich da in eine illustre Gesellschaft der Testorte einreihen, sagt Alexander Neuhaus. Testflüge bei extremer Kälte fanden in Nordfinnland statt und die bei großer Hitze in Spanien. Für die Flüge in der Höhe ging es mehrere Wochen nach Südamerika.

Bei den Tests müssen strenge Vorgaben eingehalten werden, darum haben die Verantwortlichen für Stendal gleich mehrere Tage vorgesehen. Denn um die Geräuschwerte möglichst unverfälscht zu bekommen, darf es nicht regnen und nicht zu windig sein – und Geräusche im Umfeld sollte es auch nicht geben.

Borsteler Platz bekommt viel Lob vom Team

Das ist ein Grund, warum Alexander Neuhaus sagt: „Stendal ist für uns der ideale Standort.“ Es gebe wenig Verkehr und keine direkt anliegende Wohnbebauung, weniger Wind als auf anderen Plätzen, einen großen Hangar für das Unterstellen des Hubschraubers, eine Unterkunft mit Arbeits- und Beratungsräumen, Gastronomie, freundliches Personal und vor allem einen Platz, der für Testflüge gut geeignet sei, erklärt der Pilot. Denn für die Messungen müsse er mit dem Hubschrauber eine längere Strecke in gleicher Höhe fliegen.

„Solche Tests sind logistisch sehr aufwendig“, sagt Alexander Neuhaus und führt zu einem Fahrzeug in der Nähe der Start- und Landebahn, das komplett mit Technik gefüllt ist. Zudem wurden Mikrofone und Antennen aufgestellt.

Dass die Planung mit mehreren Tagen die richtige Entscheidung war, hat sich schon gezeigt. Am Mittwoch gab es zum Beispiel technische Pro­bleme, weil der Regen für Wasser in einem der Mikrofone gesorgt hatte. Und gestern konnte der Hubschrauber erst am Nachmittag starten, als sich der Nebel verzogen hatte.

Das Fazit des Airbus-Testpiloten kurz vor Abschluss des Stendal-Besuches: „Der Flugplatz eignet sich auch für andere Tests.“