Stendal l Zu beneiden sind die beiden Bauarbeiter wahrlich nicht. Erstens ist am Freitagvormittag auf der Baustelle an der Gardelegener Straße unangenehm nasskalt, zweitens schleppen sie auf der Außentreppe des Wohnblocks schwere Teile nach oben, um einen Teil des Fünfgeschossers einzurüsten. Dabei sind die Arbeiten an dem Wohnblock, in dem voraussichtlich ab dem Januar 2023 Geflüchtete untergebracht werden, auf den ersten Blick schon weit gediehen. Die Fenster sind eingesetzt und die Fassaden mit einem auffälligen Gelb verputzt.

Nach einigen Rückschlägen geht es also voran mit der zukünftigen Landeserstaufnahmeeinrichtung (LAE) für Asylbewerber. Dies bestätigt das zuständige Finanzministerium auf Anfrage der Volksstimme. Die Erschließungsarbeiten seien abgeschlossen und in Kürze würden das Heizhaus und das Gebäude für Polizei und Wachschutz fertiggestellt, informiert Sandra Peschke von der Pressestelle des Ministeriums. „In den Unterkunftsgebäuden erfolgen derzeit planmäßig die Innenausbauarbeiten“, teilt sie außerdem mit.

Der Schimmel ist mittlerweile entfernt

Den Schimmel, der in zwei Gebäuden auf jeweils zwei Etagen in Folge eines zwischenzeitlichen Baustopps gewuchert und zur einer Steigerung der Gesamtkosten beigetragen hatte, habe man mittlerweile entfernt, so Sandra Peschke. Der geplanten Fertiggstellung Ende des Jahres 2022 stehe demnach nur wenig entgegen.

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Die gesamte LAE wird dann aus sechs Gebäuden bestehen. Zwei davon sind für die Unterbringung der Asylbewerber vorgesehen. Hinzu kommen ein Häuschen für Polizei und Wachschutz, ein Bürogebäude für Landkreis und Landesverwaltungsamt, die Mensa mit einem Sozialbereich sowie das Heizhaus.

In Summe wird die Herrichtung des ehemaligen Standortes der DDR-Grenztruppen 36 Millionen Euro kosten. Sechs Millionen Euro mehr, als ursprünglich geplant. Neben dem bereits angesprochenen Schimmelbefall hatten Preissteigerungen im Baugewerbe und Sicherheitsaspekte den Kostensprung verursacht. Finanziert wird die LAE zum größten Teil vom Bund (27,1 Millionen Euro) und vom Land.

Ausgelegt ist das neue Stendaler Asylbewerberheim für maximal 1000 Personen. Ob diese Zahl tatsächlich erreicht wird, bleibt abzuwarten. Untergebracht werden sollen ausschließlich sogenannte vulnerable Gruppen, also allein reisende oder allein mit Kindern reisende Frauen und Familien.

Erhebliche Mehrkosten

Für Sicherheit in der und um die Einrichtung wird ein Wachschutzunternehmen sorgen, sagt Lars Fischer vom Pressereferat des Innenministerium des Landes Sachsen-Anhalt. Wie viele Sicherheitskräfte dort zum Einsatz kommen, sei momentan noch nicht absehbar. Vertraglich wird sich das Innenministerium ab- sichern, dass die beauftragte Firma die Zahl seiner Kräfte erhöhen muss, wenn die Situation dies erfordert. Dies könnte beispielsweise bei einem rapiden Anwachsen der Zugangszahlen der Fall sein.

Die Landespolizei wird ähnlich wie in der Zentralen Aufnahmestelle in Halberstadt nur in Einzelfällen zum Einsatz kommen.