Stendal l Die Uchte vom Unrat zu befreien, ist doch ein arg mühseliges Unterfangen. Geduld ist gefragt, eine hohe Frustrationstoleranz kann ebenfalls nicht schaden. Im Prinzip hört die Arbeit nicht auf. Ist die eine weggeworfene Bierflasche aus dem Flussbett geborgen und im Müllsack verstaut, stößt man innerhalb von Sekunden auf die nächste. Oder wahlweise auf alte Schuhe, Plastikeimer, Reste eines Schreibtischstuhls, Holzlatten und kaputte Fahrradschläuche.

Sind die Müllsünder wirklich konsequent, wird auch mal gleich das gesamte Fahrrad im Fluss versenkt. Auf Höhe der BMX-Anlage an der Erich-Weinert-Straße kein Einzelfall. Acht alte Räder und ein Roller landeten am Ende am Dienstag auf dem Schrottplatz, teilt Armin Fischbach von der Pressestelle der Stadtverwaltung mit. Der restliche Müll – insgesamt 140 Kilogramm – wurde zur Abfallannahmestation an der Osterburger Straße gebracht.

Verdreckung hat ungeahnte Ausmaße

Die beiden Mitarbeiter des Stendaler Bauhofes versahen ihren Dienst trotz allem ohne Murren. Ihnen wurde am Dienstag und Mittwoch die zweifelhafte Ehre zu Teil, den Fluss zu reinigen. Zuvor hatten sich Stendaler Bürger über den aus ihrer Sicht untragbaren Zustand beschwert, nachdem das Ausmaß der Verschmutzung durch die kontinuierliche sinkenden Pegelstände sichtbar geworden war. Wahrlich kein schöner Anblick. Allerdings blieb zunächst unklar, ob von offizieller Seite etwas gegen das Problem getan wird.

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Die Stadt Stendal ist eigentlich nicht dafür zuständig, die Reinigung obliegt normalerweise dem Landesbetrieb für Hochwasserschutz (LHW). Der LHW wiederum sah sich auf Grund personeller Probleme nicht in der Lage, der Aufgabe nachzukommen.

Deshalb sprang doch noch die Stadt in die Bresche und betraute den Bauhof mit der Entfernung des Unrats aus dem Flussbett. Eine Initiative Stendaler Bürger, auf eigene Faust tätig zu werden, war am Veto des LHW gescheitert. Die Behörde hatte Sicherheitsbedenken angemeldet. So war es allein an den beiden Bauhof-Mitarbeitern, jene Dinge aus der Uchte zu entfernen, die vor geraumer Zeit aus welchen Gründen auch immer reingeworfen worden waren.

Zu wenig Personal

Ausgerüstet mit Greifzange, Rechen und Gummistiefeln taten sie ihr Bestes, kamen aber nur schleppend voran. Der ambitionierte Plan der Stadtverwaltung, an einem Tag, von der Erich-Weinert-Straße bis zum Schwanenteich zu gelangen, war nicht umsetzbar. Die enorme Müllmenge hielt die beiden einzigen Einsatzkräfte viel länger auf als erwartet. Nach dem Start um 7 Uhr arbeiteten sie sich immerhin bis zur Brücke am Uchtewall im Tiergartenviertel vor. Von der avisierten Strecke hatten sie damit aber allenfalls einen Bruchteil zurückgelegt.

Mit Abfall dieses Ausmaßes hatte schlicht und einfach niemand gerechnet. „Die Reinigung des ersten Abschnitts stellte eine ungeahnte Herausforderung dar“, sagt dementssprechend Armin Fischbach. Deshalb wurde die Aktion um einen Tag verlängert. Gestern wurde der Fluss bis zur Frommhagenstraße gereinigt.

Dabei handelte es sich in dieser Woche um den letzten Einsatz. Ob es in der nächsten Woche eine Fortsetzung gibt, stehe indes noch nicht fest, so Fischbach. Darüber werde kurzfristig entschieden. Noch sei nicht sicher, ob auch genügend Personal zur Verfügung steht.