Stendal l Ein Dorf in der Altmark, weitab vom Schuss. Ein Mann bekommt am Früh-stückstisch keinen Bissen herunter, klagt über starke Schmerzen in der Brust. Seine Frau quält eine bittere Ahnung. Sie ruft die 112. Der Notarzt kommt, schreibt ein EKG und diagnostiziert einen Herzinfarkt. Per SMS schickt er das EKG an die Spezialisten im Stendaler Johanniter-Krankenhaus. Dort wird das Katheter-Labor vorbereitet, der Mann kann sofort behandelt werden, umgeht die Notaufnahme. Zeit wird gespart, wichtige Zeit.

Mit solchen und anderen Methoden der modernen Kardiologie befasst das erste Herz-Kreislauf-Forum Altmark, das das Johanniter-Krankenhaus am Sonnabend, 23. März, in Stendal ausrichtet.

Sachsen-Anhalt mit höchster Sterberate

Namhafte Mediziner wurden dafür gewonnen, halten im Audimax der Hochschule Magdeburg-Stendal Fachvorträge. Damit wenden sie sich an Hausärzte, Klinikärzte und Fachärzte. Einladungen wurden innerhalb der Altmark verschickt, gingen zudem ins nördliche Sachsen-Anhalt, nach Brandenburg und nach Niedersachsen.

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„Es handelt sich um eine praxisbezogene Fortbildungsveranstaltung“, informiert PD Dr. Michael Gross. Der Chefarzt im Zentrum Innere Medizin, Klinik für Kardiologie und Angiologie des Johanniter-Krankenhauses sagt weiter: „Viele neue Erkenntnisse konnten in den zurückliegenden Jahren in allen Bereichen der Kardiologie gewonnen werden, die wir mit plastischen und praktischen Referaten vorstellen und mit den Kollegen diskutieren wollen.“ Dabei wollen die Mediziner auch der Frage nachgehen, was gegen die hohe Sterbeziffer bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Sachsen-Anhalt getan werden kann.

Überwachung durch Telemonitoring

Zwar seien die Sterbefälle in der jüngeren Vergangenheit gesunken beziehungsweise relativ unverändert geblieben, allerdings rangiert Sachsen-Anhalt mit 295 Sterbefällen pro 100.000 Einwohner auf dem letzten Platz in der Rangliste der Bundesländer. Das sagt der Herzbericht 2018 aus. Danach liegt Bremen mit 270 Sterbefällen pro 100.000 Einwohnern unmittelbar vor Sachsen-Anhalt, die niedrigste Zahl hat Hamburg mit 184 Sterbefällen.

Wie Gross berichtet, sind die Krankenhauseinweisungen wegen Herzerkranken gestiegen. Auch das wird ein Thema des Forums sein und Möglichkeiten, Patienten mit Herzschwäche eine stationäre Behandlung zu ersparen oder sie zu minimieren. Der Chefarzt weist unter anderem auf die Überwachung daheim durch Telemonitoring, also eine Behandlung am Bildschirm, und automatisch über Herzschrittmacher hin.

Neue Entwicklungen sollen nun beim Forum besprochen, aus anderem Blickwinkel betrachtet werden. „Ich gehe mal davon aus, dass die Referenten auch über Erfahrungen berichten, die nicht im Lehrbuch stehen“, sagt Gross. Und er hofft, dass „viele tätige Kollegen unser Angebot annehmen“. Mit Bedacht lade das Johanniter-Krankenhaus zur ersten Auflage des Herz-Kreislauf-Forums Altmark ein. Weitere sollen jährlich folgen.