Stendal l In einer biologisch abbaubaren Urne wird die Asche einer geliebten Person unter einem Baum in einem Waldstück nahe Stendal beerdigt. Das ist zumindest die Idee hinter dem Friedwald. Die Fraktion SPD/FDP/Ortsteile hat im Kulturausschuss den Antrag gestellt, die Umsetzbarkeit dieser Bestattungsform von der Stadtverwaltung prüfen zu lassen.

Welche Waldstücke sich für einen Friedwald eignen, was für Kosten damit verbunden sind und ob diese Form der Beerdigung in Stendal überhaupt so heißen wird, steht noch nicht fest. Friedwald ist zudem ein geschützter Name. Das gleichnamige Unternehmen hat ein Geschäft aus dieser Bestattungsform gemacht und nicht nur im Kulturausschuss wurden mehrere Stimmen laut, dass die Angelegenheit in städtischer Hand bleiben solle. Christel Güldenpfennig (CDU) schlug im Sozialausschuss am Mittwoch vor, den Namen „Friedhofswald“ zu verwenden. Auch solle im Prüfungsantrag definiert werden, dass die Stadt Betreiber einer solchen Grabstätte wird.

Umweltschutz verzögert neuen Friedhof

Die Namensfrage wurde in Osterburg gelöst. Dort steht der „Ruheforst“ kurz vor der Eröffnung. Es ist der erste Friedhof dieser Art im Landkreis. Stattdessen gab es in Osterburg andere Probleme mit dem Konzept, die vielleicht auch in Stendal eine Rolle spielen könnten.

Ende 2018 wurde beschlossen, dass es im Osterburger Ortsteil Krumke den Ruheforst geben soll, wie die Volksstimme berichtete. 2019 sollte er eröffnet werden. Doch es fehlten Genehmigungen. Es gab Bedenken zum Einfluss der Urnen auf die Grundwasserqualität.

Trinkwasserhürde in Osterburg

Grundsätzlich sei das Betreiben von Friedhöfen in Trinkwasserschutzgebieten nicht zugelassen. Der Krumker Forst ist ein solches Schutzgebiet und umfasse 900 Hektar. Dem Wasserverband Stendal-Osterburg zufolge hängen rund 11 400 Einwohner an einer Wasserversorgungsanlage in diesem Gebiet.

Zu einer Lösung der Trinkwasserhürde in Osterburg kam es Anfang Februar dieses Jahres. Um die Umweltauswirkungen im Blick zu halten, wird eine zusätzliche Messstelle eingerichtet. Sobald die Genehmigung für die Messstelle bei Forstbetreiber Adrian von Bernstorff vorliegt, werde das Ruheforst-Projekt fortgesetzt und der Friedhof könne vielleicht noch im Jahr 2020 eröffnet werden.

Wie funktioniert ein Friedwald überhaupt? Das gleichnamige Unternehmen definiert die Bestattungsart auf ihrer Webseite wie folgt: „Der Bestattungsort Friedwald ist eine Alternative zum klassischen Friedhof. Mitten im Wald ruht die Asche Verstorbener in biologisch abbaubaren Urnen unter Bäumen. Eine kleine Namens- tafel am Baum macht auf die Grabstätte aufmerksam.“

Grabschmuck, Gestecke und Kerzen nicht erlaub

Freie Gräber werden in einem Friedwald mit farbigen Bändern gekennzeichnet, die um einen Baum gebunden sind. Jede Grabstätte ist mit einer Nummer gekennzeichnet und wird in einem Register geführt. Mit Baumnummer und Lageplan können Besucher das gewünschte Grab finden.

Grabpflege gebe es nicht, verspricht das Unternehmen auf seiner Webseite. Die Natur sorge für alles. Grabschmuck, Gesteckte, Kerzen oder Grabsteine sind nicht erlaubt. Im klassischen Sinne könnte auch eine Trauerhalle wegfallen. Stattdessen würde die Trauerrede an einem Andachtspaltz im Wald stattfinden, bevor die Urne der verstorbenen Personen zum entsprechenden Baumgrab gebracht werde. Im Kulturausschuss in Stendal gab es am Dienstag bis auf die Namensgebung nur wenige Argumente, die gegen einen Friedwald sprachen. Dass nicht durchgängig getrauert werden könne, war ein Argument. Schließlich sei beispielsweise bei Waldbrandstufe vier ein Betreten der Anlage verboten.

Bis zu 99 Jahre Ruhezeit im Friedwald

Der fraktionslose Stadtrat Samuel Kloft hielt dagegen: „Es ist ja eine freiwillige Entscheidung.“ Wer sich für diese Form der letzten Ruhe entscheidet, dem sei auch bewusst, welche Vor- und Nachteile damit einhergehen.

Die Preise bei Friedwäldern variieren. Im Friedwald bei Schönebeck liegen die Kosten für ein Begräbnis zwischen 350 Euro und 1550 Euro, je nach Art der Bestattung. Die Ruhezeit kann sich bis auf 99 Jahre belaufen, in welcher der Baum nicht angerührt wird. Bisher haben sich Kultur-, Sozial- und Stadtentwicklungsausschuss positiv für einen Friedwald ausgesprochen. Die endgültige Entscheidung für eine Prüfung des Konzeptes trifft der Stadtrat am Montag, 11. Mai.