Stendal l Eine Anlage mit zwölf Wohnmobil-Stellplätzen, mit allem Komfort, der heute üblich ist, sprich barrierefrei, mit Wasser- und Stromanschlüssen für jeden der zwölf Plätze, einer Entsorgungsstation, Platzbeleuchtung und das alles in ruhiger, aber trotzdem zentrumsnaher Lage. So soll sie aussehen, die neue Wohnmobil-Stellplatzanlage in Stendal.

Fünf alternative Standorte

Die Stadtverwaltung hatte fünf Alternativen zur derzeitigen Stellfläche auf dem Schützenplatz vorgeschlagen (Parkplatz am Altoa, Parkplatz am Uchtewall, Bruchweg, die Fläche des einstigen Bauhofes und das Areal zwischen den Wallanlagen im westlichen Teil des Schützenplatzes) und war von den Stadträten beauftragt, sie auf ihre Tauglichkeit hin zu untersuchen. Das Ergebnis, ein 27-seitiges „Grundlagenpapier zur Errichtung einer Wohnmobil-Stellplatzanlage“, präsentierte Planungsamtsleiter Axel Achilles am Donnerstag im Stadtentwicklungsausschuss.

Ein Objekt, mit dem man sich zumindest vergleichen können müsste, so der Anspruch der Stendaler, ist die Wohnmobil-Stellplatzanlage in Tangermünde.

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Nullsummen-Geschäft mit Image-Gewinn

Dort sind es 30 Stellplätze auf gepflastertem Untergrund, teils durch Hecken voneinander abgegrenzt, mit Stromanschlüssen, einer Ver- und Entsorgungsstation in der Nähe, die historische Innenstadt und die Elbe nur einen Steinwurf entfernt.

Mit Elbnähe kann Stendal nicht dienen, wohl aber mit Stadtsee und Uchte. Beides würde in der Nachbarschaft einer neu zu bauenden Wohnmobil-Anlage am Uchtewall zu finden sein. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist der dortige Parkplatz auch der Favorit aus Sicht der Stadtverwaltung.

Das Planungsamt machte eine Reihe von Kriterien, die der Deutsche Tourismusverband für so eine Anlage zu beachten vorschlägt, zur Bewertungsgrundlage, berechnete daraus resultierend die Neubaukosten, stellte den Nutzen für die Stadt gegenüber.

Zwischen 225.000 und 750.000 Euro

Demnach kommen aus städtischer Sicht drei Standorte in die nähere Wahl: besagter Uchtewall-Parkplatz, das Wall-Areal am Rand des Schützenplatzes und das Ex-Bauhof-Gelände in der Nähe des Polizeireviers. Wobei Letzteres aufgrund der noch abzureißenden alten Gebäude und des zu erwartenden Erdaustausches inklusive der Kosten für die Stellplatzanlage mit rund 750.000 Euro an Investitionen zu Buche stehen würde. Die Caravan-Stellplätze im hinteren, westlichen Bereich des Schützenplatzes wären für etwa 235.000 Euro zu haben (zuzüglich der 38.000 Euro, die eine Verlegung der vorhandenen Ver- und Entsorgungsstation und die Pflasterung der neuen Zufahrt kosten würde). Eine Wohnmobil-Stellplatzanlage am Uchtewall wäre für etwa 225.000 Euro zu haben.

Wäre noch die Frage nach der Wirtschaftlichkeit einer solchen Anlage zu beantworten. Auch dafür wurden Zahlen vorgelegt. Bewirtschaftungskosten von rund 1000 Euro im Monat würden bei durchschnittlicher 40-prozentiger Auslastung der Stellplätze und acht Euro Übernachtungsgebühr 1170 Euro an Einnahmen gegenüberstehen. Ein Nullsummen-Geschäft für die Stadt, aber ein gehöriger Image-Gewinn und geschätzte zusätzliche Steuereinnahmen für die Stadt von 5600 Euro pro Jahr.

Die Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses votierten daraufhin mehrheitlich für eine neue Wohnmobil-Stellplatzanlage am Schützenplatz. Aus Sicht von Wohnmobi- listen eine gute Entscheidung – sollte sie der Stadtrat am 9. Juli so treffen.

Profi ist sicher: Gäbe enormen Zulauf

Zu denen, die nahezu regelmäßig auf ihren Wohnmobil-Touren gen Norden für ein, zwei Tage in Stendal Station machen, gehören Dieter und Waltraud Bölke aus dem Westerwald. Sie traf die Volksstimme gestern zwischen den Wallanlagen am Schützenplatz. „Wenn hier noch Strom- und Wasseranschlüsse herkommen, ist das ein idealer Standort“, glaubt Dieter Bölke.

Und als er von den in Aussicht gestellten acht Euro Übernachtungskosten inklusive Strompauschale hörte, sagte er: „Wenn ihr das macht und es dann auch so in den Caravan-Fachzeitschriften bewerbt, bekommt ihr ‘ne Menge Zulauf.“