Vereine

Gartenparzellen in Stendal sind während der Pandemie gefragt

In den Zeiten des Lockdowns fiel vielen Menschen sprichwörtlich die Decke auf den Kopf. Die Nachfrage nach Parzellen in Stendal stieg. Für die Vereine war die Zeit trotzdem nicht immer einfach.

Von Antonius Wollmann
Olaf Schnelle, Uwe Massow und Achim Neumann vom Vorstand des Gartenvereins ?Pferdemärsche?  in Stendal hielten die Fahne des Vereins auch in Corona-Zeiten hoch. Mittlerweile normalisiert sich das Vereinsleben wieder.
Olaf Schnelle, Uwe Massow und Achim Neumann vom Vorstand des Gartenvereins ?Pferdemärsche? in Stendal hielten die Fahne des Vereins auch in Corona-Zeiten hoch. Mittlerweile normalisiert sich das Vereinsleben wieder. Foto: Antonius Wollmann

Stendal - Ein wenig widersprüchlich ist die Situation ja schon. Einerseits ist so ein Kleingarten in Zeiten einer Pandemie mit den einhergehenden Einschränkungen ideal, um der Enge der eigenen vier Wände zu entfliehen. Hält ja fast kein Mensch aus, maximal auf dem Balkon frische Luft zu schnappen. Und das über Monate.

Andererseits ist besonders für die alteingesessenen Laubenpieper der Gartenverein viel mehr, als nur in der eigenen Parzelle vor sich hin zu werkeln. Gemeinschaft ist das Stichwort. An einem Sonnabend an der Vereinslaube auf ein Gespräch mit dem Vorsitzenden vorbeizuschauen, dabei vielleicht ein Bier aufzumachen und dem weiteren Verlauf des Tages gelassen entgegenzusehen. Olaf Schnelle ist zwiegespalten, wie er als Chef des Gartenvereins „Pferdemärsche“ in Stendal die langen Phasen des Lockdowns bewerten soll. „Wir hatten auf jeden Fall keine Probleme damit, unsere freien Parzellen an den Mann zu bringen“, erzählt er. Die Nachfrage sei in den vergangenen zwölf Monaten auf jeden Fall deutlich gestiegen. 91 von 93 Gärten sind vergeben. „Die Menschen wollten in der schwierigen Zeit raus. Das haben wir deutlich gespürt“, sagt der Vereinsvorsitzende.

Vereinsamung ist ein Problem

Das Problem der Vereinsamung ließ sich aber auch in seinem Verein nicht gänzlich verhindern. Feste fielen aus, Arbeitseinsätze genauso. Das Vereinshaus stand fast schon verwaist da. „In normalen Zeiten ist es jedes Wochenende gebucht“, sagt Olaf Schnelle. Viele ältere Mitglieder hätten den Kontakt zu anderen Mitgliedern aus nahe liegenden Gründen vermieden. So lebte man nebeneinander her, anstatt mit einander zusammen. Besonders für jene, die die Gärtnerei in der Corona-Zeit für sich entdeckt haben, eine nicht immer einfache Entwicklung. Auf Tipps über den Gartenzaun hinweg mussten sie weitgehend verzichten. Den Anschluss herstellen, sich integrieren in die besondere Gemeinschaft: Unter diesen Umständen so gut wie unmöglich.

Für Cristian Röthig und seine Frau Vanessa trotzdem kein Grund, ihrem seit Jahren gehegten Traum einer eigenen Parzelle zu fallenzulassen. Die beiden Brasilianer erfüllten sich ihn vor etwa drei Monaten. Die Pandemie war zwar nicht der Hauptgrund für die Entscheidung, beschleunigte die Umsetzung des Vorhabens immens. „Unsere Wohnung ist uns im Laufe der letzten Monate einfach zu eng geworden. Der Platz auf dem Balkon ist irgendwann begrenzt“, erzählt Cristian Röthig, der aus einer deutsch-brasilianischen Familie stammt und seit vier Jahren bei Alstom arbeitet. Die beiden betreten komplettes Neuland, in Brasilien gibt es kein Kleingartenwesen. „Auf den ersten Blick haben uns die kleinen Häuschen ein wenig an die Favelas erinnert“, sagt Vanessa Röthig lachend.

Traum von eigenen Tomaten erfüllen

Dass sie sich mit ihrem Garten viel Arbeit aufgehalst haben, tut ihrem Enthusiasmus keinen Abbruch. „Es war mal ein Vorzeigeobjekt, davon ist aber nicht so viel übrig geblieben“, sagt Olaf Schnelle. Heißt für die beiden Neugärtner: Erstmal ordentlich anzupacken, damit sie ihren Traum von eigenen Tomaten und Paprika erfüllen können.