Stendal l „Guten Morgen aus dem Elb-Havel-Winkel. Mal sehen, was uns heute um die Ohren fliegt.“ Mit diesem Kommentar begrüßt Manfred Hippeli die Hoteliers und Gastronomen, die sich in der Corona-Krise in einer WhatsApp-Gruppe vereint haben.

Erstes Hotel muss schließen

Da ahnt er noch nicht, dass ihn wenig später ein „Schock“, wie er es nennt, ereilen wird. „Nun doch“, schreibt der Kreisschef des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in die Runde und verkündet, dass zum 31. Mai das erste Unternehmen in der Altmark schließt. „Es hat 40 Betten, über 200 Sitzplätze und mehr als zehn Mitarbeiter.“ Das Aus trifft den Mann, der in Havelberg das Gasthaus „Güldene Pfanne“ betreibt und seit mehr als 30 Jahren im Geschäft ist, hart.

Schon die Klagen und Sorgen vieler anderer Mitstreiter des Gastgewerbes in den vergangenen Wochen sind an ihm nicht spurlos vorbei gegangen. Die Situation der Branche, die von Lockerungen ausgeschlossen ist, „macht uns mürbe und wütend“, sagt Hippeli und fügt hinzu: „Wer denkt, dass die Älteren die Nase voll haben, weil sie sich nach der Wende nun wieder hochrappeln sollen und müssen, der täuscht sich.“ Es sind junge Kollegen, die aufgeben, „weil sie keine finanzielle Reserve haben“. Und es sind junge Leute, „die sich lieber einen anderen Job suchen und so dem Gastgewerbe verloren gehen.“

Skurrile Empfehlungen

In Sachsen-Anhalt wird der 22. Mai favorisiert, erst dann könnten Hotels und Gaststätten wieder öffnen. Über das Wie - da gibt es bis auf Abstandhalten und Mundschutzpflicht, was für alle gilt - keine konkreten Vorgaben. Dafür aber reichlich skurrile Empfehlungen, die in den Medien hoch und runter diskutiert werden. Sie reichen von Spuckschutzwänden auf den Tischen bis Schutzanzüge für das Personal, von Sperrung eines Hotelzimmers von mindestens sieben Tagen nach der Benutzung und Desinfizierung bis hin zu Bergen von Papier mit Vorschriften und Belehrungen, die der Gast und das Personal möglichst noch unterzeichnen sollen.

„Sie tun alle so, als verstehen wir unser Handwerk nicht“, hadert Manfred Hippeli und verweist darauf, dass es genügend Vorschriften in der Branche gibt. „Werden sie eingehalten sowie die Abstandsregeln und strengeren Hygienevorschriften befolgt, können wir ohne weiteres unseren Teil dazu beitragen, den Gast und Mitarbeiter vor einer Infektion zu schützen. Und das ist unser Ziel“, sagt der Dehoga-Kreisschef. Die Debatte um die Wiedereröffnung, die nun im Wirtschaftsministerium geführt wird, „kann nicht damit enden, dass uns noch mehr Bürokratie aufgehalst wird“.

Mitarbeiter wirft Handtuch

Eine, die es leid ist, sich tagtäglich mit der Rückkehr zur Normalität zu beschäftigen, ist Andrea Thom.„Ich höre mir das Hin und Her in den Nachrichten gar nicht mehr an. Ich möchte endlich wissen, was wir tun sollen, um endlich wieder Leben in das Restaurant zu bekommen.“ Der Stendalerin gehört das Café-Bistro „Lavanderia“, das sie in der Corona-Krise auf Außerhausbetrieb umgestellt hat. Finanziell kein Vergleich, sie musste einen Mitarbeiter entlassen.

Ein anderer hat bereits angekündigt, freilwillig das Handtuch werfen zu wollen, berichtet die Chefin. Sie kann den jungen Mann verstehen. „Klar, der muss doch denken, den Unternehmen in der Gastronomie wird nicht zugetraut, dass sie verantwortungsbewusst mit dieser Krise umgehen können.“