Stendal l Über ihren Beruf macht sich Miriam Schulz keine Illusionen. Sie weiß, dass der Alltag einer Geburtshelferin nicht immer nur spaßig ist. Dass man auch unschöne Dinge erlebt und nicht zu zart besaitet sein sollte. Geburten sind selten Selbstläufer. „Ich kann schon Blut sehen, so sage ich das mal“, bringt es die 18-Jährige auf den Punkt. Aber ohnehin betont die Gladigauerin die positiven Seiten ihres zukünftigen Berufes.

„Bei Geburten zu helfen, fand ich schon immer faszinierend“, erzählt sie. Ganz ähnlich äußert sich Muriel Schütte. Die 20-Jährige stammt aus Buckow bei Rathenow. „Mein Ziel war es stets, in Pflegeberufen zu arbeiten. Und als Hebamme hat man über die reine Geburtshilfe noch viele berufliche Möglichkeiten“, erklärt sie ihren Berufswunsch.

Hebammen fehlen in der Region

Deshalb überlegten die beiden nicht lange, als sie von dem neuen Projekt der Johanniter Frauen-und Kinderklinik hörten. Zusammen mit der Universitätsklinik Leipzig bildet die Klinik nämlich seit dem September dieses Jahres wieder selbst Hebammen aus. In Stendal werde der praktische Teil absolviert, in Leipzig das theoretischen Rüstzeug erworben, erklärt Pflegedirektorin Beate Wogawa, wie die Kooperation konkret abläuft.

Drei Jahre dauert die Ausbildung. Der Grund ist klar: In Stendal werden Hebammen immer mehr zur Mangelware. Der Fachkräftemangel schlägt auf diesem Feld voll durch. Dieser Entwicklung möchte das Krankenhaus entgegenwirken. Das Angebot kommt an. „Auf die zwei Plätze haben sich mehr als 40 Personen beworben“, berichtet Beate Wogawa. In mächsten Jahr sollen wieder zwei Schüler beginnen. Bis Fberuar können sich Interessierte noch bewerben.

Langfristig in Stendal

Am Ende entschieden sich die Verantwortlichen für die beiden jungen Frauen. Dass diese auch noch aus der Region stammen würden, sei geradezu ideal. Dann steige nämlich die Wahrscheinlichkeit, dass sie langfristig in Stendal arbeiten würden.

Allerdings lassen Muriel Schütte und Miriam Schulz durchblicken, dass ihnen auch die Zeit in Leipzig durchaus gefällt. „Das ist eine schöne Abwechslung mal in einer großen Stadt zu sein“, sagt Miriam Schulz.

Zur Zeit ist allerdings der praktische Teil angesagt. Heißt, dass sie mit Muriel Schütte in Stendal aktiv ist. Vor allem die erfahrene Hebamme Petra Kulla – sie absolvierte ihre Ausbildung zwischen 1982 und 1985 – kümmert sich darum, die ersten Grundlagen des Berufes zu vermitteln. Im Kreißsaal haben die beiden Novizinnen ihre ersten Geburten erlebt. An ihrer Berufswahl zögerten sie danach keine Sekunde. Im Gegenteil, es bestärkte sie sogar. „Es war ungefähr so, wie ich es erwartet hatte“, sagt Muriel Schütte. Nämlich unglaublich emotional und intensiv.

Erste „eigene“ Geburt nach 18 Monaten

Dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit einmal tragische Momente erleben wird, ist der 20-Jährigen aber genauso bewusst. „Wie ich darauf reagiere, weiß ich natürlich noch nicht.“ Bis sie und Miriam Schulz eigenverantwortlich im Kreißsaal stehen, wird es aber noch etwas dauern. „Nach 18 Monaten ist man normalerweise bereit dafür“, sagt Petra Kulla.

Die Ausbildung nur auf die Geburtshilfe zu reduzieren, wäre jedoch ein wenig unfair. Es wird viel Wert darauf gelegt, dass die zukünftigen Hebammen so vielseitig wie möglich ausgebildet werden. Deshalb werden sie beispielsweise auch auf der Wochenstation eingesetzt. Die große Bandbreite der Pflegeberufe soll ihnen vermittelt werden.